Spanien im Herzen – Arbeit in Deutschland

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Die fünf spanischen Praktikanten in Gunderath mit Gabriele May (Dritte von links) und Jos Kruiter (Zweiter von rechts).

Bildquelle: Helmut Gassen

Praktikanten von der iberischen Halbinsel in den Centerparcs in Gunderath

GUNDERATH. In Spanien gibt es keinen Ausbildungsplätze und keine Arbeit für sie, in Deutschland suchen Unternehmen dagegen händeringend Nachwuchs. Bei den „Centerparcs Eifel“ in Gunderath (Vulkaneifelkreis) haben jetzt acht junge Menschen aus Deutschlands beliebtestem Ferienland eine Anstellung gefunden.

In der Gastronomie klafft die Schere zwischen dem Bedarf an Arbeitskräften und der Zahl derer, die eine Arbeit suchen, besonders weit auseinander. Vielen jungen Menschen aus Deutschland sind die Arbeitszeiten einfach zu ungünstig oder zu lang und der Stress zu groß. So war es auch bei den „Centerparcs Park Eifel“ in Gunderath, der insgesamt 230 Mitarbeiter beschäftigt und mit über 400 000 Übernachtungen der größte Ferienpark in Rheinland- Pfalz ist. „Es wird für uns immer schwieriger Fachpersonal zu finden“, sagt Jos Kruiter, General Manager des Ferienparks. „In den Sparten Tourismus- und Freizeit-Kaufmann sowie Einzelhandels-Kauffrau haben wir deutsche Auszubildende gefunden, der Hauptengpass liegt im Dienstleistungsbereich wirklich im Hotelfach. Und hier wollten wir mindestens fünf Auszubildende einstellen“, ergänzt Gabriele Mey, die Personalchefin des Parks. Insgesamt hatte die Geschäftsleitung sogar zehn neue Auszubildende in Spanien gesucht. Bei der Lösung des Problems sollte das Kolpingwerk Paderborn helfen, das in Spanien Deutschkurse anbietet und bei der Vermittlung junger Menschen hilft, die einen Arbeitsplatz im Ausland suchen. „Wegen der Kooperation mit dem Kolpingwerk hat sich der Rückgriff auf Spanien ergeben. Die Organisation hat auch den Flug nach Düsseldorf und den weiteren Transfer nach Gunderath organisiert“, erklärt Gabriele Mey. Anfang Mai kamen fünf junge Leute aus Spanie, darunter eine Frau, nach Gunderath, um in den „Centerparcs Eifel“ zunächst einmal eine zehnwöchiges Praktikum als Probephase zu absolvieren. Im Ferienpark bewohnen sie mitfrei zwei Häuser und bekommen täglich eine Mahlzeit kostenlos.

Die Jugendlichen haben eine 40-Stunden-Woche die auf fünf Tage zu acht Stunden aufgeteilt ist. Vier der fünf Spanier sollen als Hotelfachmann/frau eine dreijährige Ausbildung absolvieren, der fünfte wird in der System-Gastronomie ausgebildet. Die einzige junge Frau in der spanischen Gruppe ist die 22-jährige Julia Sanchez, hat den Schritt, ins Ausland zu gehen, nicht bereut: „Ich habe studiert und zuerst als Au-Pair Mädchen in Alicante gearbeitet. Ich wollte immer andere Sprachen lernen und habe beim Kolpingwerk in Spanien einen zweimonatigen Deutsch-Kurs gemacht und hatte dort einen guten Lehrer. Weil ich in Spanien aber keinen Job mehr fand, habe ich mich entschieden, ins Ausland zu gehen. Mir gefällt es hier“, sagt sie. Mit dabei ist auch der 24-jährige Franzisco Niefo-Martinez aus Murcia. „Ich habe als Kellner und Verkäufer in Spanien gearbeitet, aber die Arbeit wieder verloren und nichts anderes gefunden. Ich arbeite jetzt hier im Café, die Arbeit ist einfach und schön. Mir gefällt es hier wirklich gut.“

Mit dem Praktikum ist an mehreren Wochentagen auch Sprachunterricht verbunden, der von einem Mitarbeiter des Kolpingwerkes durchgeführt wird. Die fünf Spanier gehen in Gerolstein zur Berufsbildenden Schule. Da die Sprachkenntisse unterschiedlich ausgeprägt sind, nicht ganz einfach. Gabriele May: „Drei der fünf Praktikanten verfügen schon über sehr gute Deutschkenntnisse, da bin ich sehr zuversichtlich. Wir merken, es ist für die anderen Mitarbeiter und auch für uns durch die sprachliche Barriere nicht ganz einfach. Es muss mehr erklärt und geredet werden. Im Großen und Ganzen kriegen wir das schon hin, es sind ja auch sehr nette Leute. Wenn drei der fünf Spanier bleiben, wären wir dankbar.“

Extra: Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland und als Beitrag gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales das Sonderprogramm „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften aus Europa“ (MobiPro-EU) entwickelt. Mit dem Sonderprogramm, welches am 02.Januar 2013 in Kraft getreten ist, soll durch die Förderung der beruflichen Mobilität ein Beitrag gegen die regional hohe Jugendarbeitslosigkeit innerhalb der Europäischen Union und zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland geleistet werden. Das Sonderprogramm MobiPro-EU soll Hemmnisse abbauen, die in der Praxis häufig die Mobilität Jugendlicher und junger Erwachsener aus anderen EU-Staaten in den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt beeinträchtigen.

Zielgruppe sind junge Menschen aus der EU im Alter von 18 bis 35 Jahren (in Ausnahmefällen bis zum Alter von 40 Jahren), die von ihrer Freizügigkeit innerhalb der EU Gebrauch machen und entweder

  • eine betriebliche Berufsausbildung in Deutschland aufnehmen wollen und über einen Schulabschluss im Herkunftsland, aber keine abgeschlossene betriebliche Berufsausbildung im Herkunftsland verfügen oder
  • eine qualifizierte Beschäftigung in einem Engpass- bzw. Mangelberuf in Deutschland aufnehmen wollen und in der EU arbeitslos gemeldet sind. (Quelle: Arbeitsagentur)

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