Ein musikalischer Abend für Maria

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Mit profundem Bass präsentierte sich Gerd Elsen in der Pfarrkirche St. Marien in Zeltingen-Rachtig

Bildquelle: Gerhard W. Kluth

ZELTINGEN-RACHTIG. Als vor nunmehr neun Jahren in der katholischen Pfarrkirche St. Marien in Rachtig die rekonstruierte König-Orgel eingeweiht wurde, erfuhr nicht nur das Gotteshaus eine musikalische Bereicherung. Auch das Konzertleben des Moselortes bekam einen glanzvollen neuen Aspekt.

Im nächsten Jahr ist es schon zehn Jahre her, dass die Orgel der Rachtiger Marienkirche fachgerecht von der Orgelbaufirma Weimbs aus Hellenthal rekonstruiert wurde. Das Ergebnis konnte sich sehen und vor allem hören lassen. Das Instrument zählt zu den schönsten Orgeln, die die Region der Mittelmosel zu bieten hat, wie auch immer wieder in Konzerten unter Beweis gestellt wird. Der jüngste Abend widmete sich unter der Überschrift „Salve Regina“ ganz dem Monat Mai, der in der katholischen Tradition in besonderer Weise Maria gewidmet ist. Gestaltet wurde das Konzert vom Collegio Fiato mit dem Bassisten Gerd Elsen, Barbara Görgen-Mahler (Oboe), ihrem Sohn Tobias Mahler (Fagott) und dem Hornisten Michael Klink. Unterstützt wurden diese semiprofessionellen Musiker durch den Organisten Josef Thiesen.

Das Salve Regina (Gegrüßet seist Du, Königin) entstammt dem 11. Jahrhundert und wurde wohl von einem Benediktinermönch auf der Insel Reichenau verfasst. Das Rachtiger Konzertprogramm ließ erahnen, wie weit die musikalische Geschichte dieses Gebetes zurück reicht. Um 1560 wurde Lodovico Grossi da Viadana in Italien geboren, dessen geistliches Konzert für Bass und Orgel ebenso auf dem Programm stand wie das Werk mit demselben Titel aus der Feder von Johann Melchior Gletle, der 1626 im schweizer Kanton Aargau zur Welt kam. 1666 verfasste der mährische Komponist Joseph Pavel Vejvanovsky eine gleichnamige Motette, mit der die Musiker das Konzert beschlossen.

Der Anspruch, den die Komponisten an die Ausführenden stellen, darf nicht unterschätzt werden. Gerade in der frühbarocken Tonsprache kommt der Inhalt eines Werkes oftmals erst dann zur wirklichen Geltung, wenn sich die Musiker ganz zurücknehmen und nicht versuchen, mit eigener Interpretation einem Opus noch etwas hinzu zu fügen. Effekthascherei war in der Barockmusik nicht erwünscht. Ein Gebot, das Elsen und seine instrumentalen Mitstreiter befolgten, was dazu führte, dass die Musik in ihrer schlichten Schönheit erklingen konnte. Elsen beeindruckte dabei mit einem sehr profunden Bass, der aber auch in den Höhen keine Probleme aufwies. Görgen-Mahlers Oboenton war von Weichheit gekennzeichnet, die man oft bei diesem Instrument vermissen muss. Ihr Spiel vermittelte manchmal den Eindruck, dass auch sie singen würde. Verlässliche instrumentale Basis war das Fagott, mit dem Mahler die unteren Linien klar und differenziert zeichnete. Ein besonderes Kompliment musste man Klink machen, der mit seinem Horn sehr vorsichtig und zurückhaltend agierte.

Bei den geistlichen Konzerten fiel Thiesen die Continuo-Aufgabe zu, darüber hinaus aber ergänzte er das Programm durch zwei Magnificat-Fugen von Johann Pachelbel und die sechste Orgelsonate von Felix Mendelssohn Bartholdy. Zentrales Thema der d-Moll Sonate ist der Choral Vater unser im Himmelreich, den Mendelssohn vielfach variiert. Hier wie auch in den Fugen von Pachelbel wurde deutlich, welch einen Klangreichtum die Rachtiger Orgel aufzuweisen hat, der auch mit der beginnenden Romantik des 19. Jahrhunderts sehr gut zurecht kommt. Bedingung ist dafür natürlich ein Organist, der mit diesem Instrument auch wirklich umzugehen weiß. Mit lang anhaltendem Applaus bedankten sich die Besucher für einen Abend, der auch die Charakterzüge einer Andacht aufwies.

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