Trier hat gewählt – So sieht der neue Rat aus

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Bildquelle: lokalo

TRIER. Montagnachmittag, 17 Uhr im Trierer Rathaus: Die vorläufigen Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbüros liegen nun vor. Wer sind die strahlenden Gewinner der Wahl? Wer musste harte Stimmverluste einfahren? Und wer setzte sich überraschend durch?

Als Oberbürgermeister Klaus Jensen gegen 17 Uhr vor den Türen des Ratsaales das vorläufige Endergebnis verlas, kam bei vielen Anwesenden Freude auf. Für andere Parteien dürfte es hingegen ein bitterer Rückschlag sein. Grund zur Freude ist vor allem auf Seiten der Christdemokraten zu spüren. 20 Stadtratsmitglieder werden sie in der nächsten Legislatur stellen. Einen mehr als noch laut des Ergebnisses der letzten Wahl 2009.

Als Überraschungskandidat auf der CDU-Liste kann dabei vor allem Horst Freischmidt gelten. Der Kernscheider, der auch mit fast 80 Prozent im Ortsteil Kernscheid zum Ortsvorsteher gewählt wurde, war von Platz 34 gestartet und ist nun dennoch in den Rat eingezogen. Damit ergibt sich eine ungewöhnliche Konstellation: Freischmidt ist der Vater von Norbert Freischmidt, der in der vergangenen Legislatur bereits dem Rat angehörte, aber zwischendurch sein Mandat abgab. Nun folgt der Vater dem Sohn, eine kuriose Reihenfolge.

Des einen Freud, des anderen Leid: Nachwuchs-Hoffnung Louis-Philipp Lang, der auf einem guten 19. Listenplatz gestartet war verpasste den Einzug. Der 18-Jährige war zuvor bereits zwei Jahre Vorsitzender des Trierer Jugendparlamentes. Keine Premiere wird es für ein gemeinsam im Stadtrat vertretendes Ehepaar geben: Thomas Albrecht wird weiterhin dem Rat angehören, Ehefrau Jutta verpasste den Einzug nur knapp.

Die Sozialdemokraten konnten im Gegensatz zur CDU und nicht wie im Vorfeld erhofft ihr Ergebnis gegenüber 2009 steigern, sondern verbleiben nach wie vor bei einer Sitzanzahl von 15. Dabei wird die Liste beinahe in aufgestellter Reihenfolge einziehen. Nur Sozialpädagoge Nikolaj Stöckle-Jakob verpasste den Einzug mit Listenplatz elf. Einen Platz verloren haben die Trierer Grünen, die mit nunmehr neun Sitzen im Stadtparlament vertreten sein werden.

Aufgrund der Mehrfachnominierungen der vorderen Plätze werden die Listenplätze fast wie in der vom Parteitag bestimmten Reihenfolge inklusive Geschlechterparität einziehen, bei denen im Gegensatz zu CDU und SPD in Relation gesehen viele neue Gesichter dabei sein werden. Grünen-Urgesteine wie Gerd Dahm und Uschi Britz hatten auf hinteren Listenplätzen kandidiert.

Verluste hingegen auf Seiten der Freien Wähler und der Liberalen. Die Wählergemeinschaft verlor einen Sitz und stellt nun nur noch vier Ratsmitglieder. Alle vier gehörten bereits in den vergangenen Jahren dem Stadtrat an. Die ehemaligen Ratsmitglieder Peter Spang und Felix Brand, die in der vergangenen Periode von SPD und FDP zu den Freien Wählern gewechselt waren, verpassten beide den Einzug. Aber auch auf der Liste seiner ehemaligen Partei hätte Brand nichts ausrichten können. Mit lediglich zwei Sitzen im neuen Stadtrat halbiert sich die liberale Fraktion.

Freude hingegen bei der Trierer Linken. Trotz des kommunalpolitischen Rückzugs von Aushängeschild und Bundestagsabgeordneten Katrin Werner erringt die Partei drei Sitze, einen mehr als zuvor. Auffällig vor allem die Altersstruktur: Alle neuen Stadträte sind nicht älter als 30 Jahre.

Neu in den Stadtrat einziehen konnten die Alternative für Deutschland und die Piratenpartei. Die AfD profitierte dabei wohl vor allem von der gleichzeitig stattfindenen Europawahl, bei der sie prozentual noch besser abschnitt. Zukünftig wird die neuen Partei direkt als Fraktion, für die mindestens zwei Sitze erforderlich sind, vertreten sein.

Alleine behaupten muss sich hingegen Piratenkandidatin Darja Henseler. Sie ist die einzige, die zukünftig einen Einzeltisch beanspruchen wird. Über die Parteigrenzen hinweg dürfte die Freude hingegen groß sein, dass damit kein Einzeltisch mehr für die Trierer NPD und Spitzenkandidat Safet Babic im Augustinerhof stehen wird. Die Rechten verpassten mit 0,7 Prozent der Stimmen den erneuten Einzug.

Unter dem Gesichtspunkt der neuen Kräfteverhältnisse im Rat, bedingt vor allem durch den Neueinzug von gleich zwei Parteien, dürften die nächsten Wochen also spannend werden. Die Grünen hatten bereits im Vorfeld der Wahl für eine Koalition auf kommunaler Ebene geworben. Rechnerisch wäre diese mit der CDU möglich. Diese Option wird derzeit nach Angaben von Parteimitgliedern auch nicht ausgeschlossen. Denkbar wäre sonst nur die Bildung einer Großen Koalition. (rom)

 

Diese Damen und Herren geben dem neuen Stadtrat ihr Gesicht

Hier die neuen/alten Ratsmitglieder im Einzelnen. Alle Einzelergebnisse auch der Stadtteile finden Sie hier

CDU

Dr. Ulrich Dempfle, Birgit Falk, Udo Köhler, Jörg Reifenberg, Dr. Elisabeth Tressel, Thomas Albrecht, Dr. Barbara Engel-Ries, Philipp Bett, Heike Franzen, Bertrand Adams, Jürgen Backes, Karl Biegel, Lydia Hepke, Thorsten Wollscheid, Dr. Friedl Schulz, Petra Block, Matthias Melchisedech, Christoph Lentes, Michael Witzel, Horst Freischmidt

SPD

Sven Teuber, Begona Hermann, Rainer Lehnart, Karola Siemon, Markus Nöhl, Monika Berger, Dr. Carl-Ludwig Centner, Anna Gros, Andreas Schleimer, Dr. Maria Duran Kremer, Tamara Breitbach, Detlef Schieben, Jutta Föhr, Thiebaut Puel, Thomas Neises

Bündnis 90/Die Grünen

Petra Kewes, Thorsten Kretzer, Christiane Wendler, Dominik Heinrich, Anja Reinermann-Matatko, Peter Hoffmann, Daniela Müller-Kolb, Reiner Marz, Richard Leuckefeld

FWG

Christiane Probst, Prof. Hermann Kleber, Hans Alwin Schmitz, Margret Pfeiffer-Erdel

Linke

Marc-Bernhard Gleißner, Susanne Kohrs, Paul Hilger

FDP

Tobias Schneider, Martin Neuffer

AfD

Michael Frisch, Christa Kruchten-Pulm

Piraten

Dr. Darja Henseler

Zum Kommentar von Eric Thielen

1 KOMMENTAR

  1. Wollten am Freitag gegen 11 Uhr unsere Briefwahlunterlagen für die OV-Stichwahl anholen( Sind dann in Urlaub). Und im Wahlamt: Die Unterlagen waren noch gar nicht da, da diese erst bestellt waren. Man hoffte, das diese evt. am Montag geliefert werden.
    Die sehr freundliche Beamtin, die da war, war überhaupt nicht vorbereitet worden auf solch ein Anliegen. Wir mussten auf einem Schmierzettel unser Bitte hinterlassen.
    Seit Monaten steht der Termin fest, aber es wurden wohl keinerlei Vorbereitungen getroffen.

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