Ein Kammerkonzert der ungewohnten Klänge

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Eine ungewöhnliche Instrumentenkombination boten Gitarrist Maximilian Mangold und Harfenistin Mirjam Schröder im Kloster Springiersbach.

Bildquelle: Gerhard W. Kluth

BENGEL. Schon seit vielen Jahren ist der romanische Saal im Karmeliterkloster Springiersbach regelmäßig Spielstätte für Kammerkonzerte, die vom dortigen Musikkreis veranstaltet werden. Für das jüngste Konzert gab es eine besondere Instrumentenkombination.

Mit dem Titel „Romantische Saitenklänge“ war der Nachmittag überschrieben, zu dem Gerhard Vockensperger in das Kloster am Kondelwald eingeladen hatte. Wenn man dann genauer hinschaute, stellte man fest, dass es um ein Konzert für Harfe und Gitarre ging und der erste Gedanke mochte sein: geht das überhaupt? Und ob das geht. Drei Voraussetzungen waren in Springiersbach gegeben, die dafür garantierten, dass das Konzert ein Erfolg sein würde. Zunächst mit der Harfenistin Mirjam Schröder und dem Gitarristen Maximilian Mangold zwei Musiker, die meisterhaft mit ihren Instrumenten umzugehen wissen. Dann hatte das Duo Kompositionen im Gepäck, bei denen man einfach nur mit großem Vergnügen zuhören konnte. Und als letztes war es die gerade für diese Instrumentierung exzellente Akustik, die den Vorträgen noch einen zusätzlichen Reiz gab.

Ein Klangvolumen, das staunen machte

Über Mangold heißt es im Fachblatt Fono Forum, er sei „einer der im Augenblick interessantesten deutschen Gitarristen“. Eine Anerkennung, für die man schon sehr viel tun muss. Und in der Tat erwies sich Mangold als ein Musiker, der mit seinem Instrument auf eine äußerst delikate Art und Weise umzugehen versteht. Als erstes fiel die große dynamische Bandbreite auf, mit der er musizierte. Immer wieder entlockte er seiner Gitarre ein Klangvolumen, das nur noch staunen machte. Aber auch am anderen Ende der Skala, im Bereich des Pianissimo, beeindruckte er mit Tönen, die zwar nur noch wie gehaucht wirkten, trotzdem aber sehr präsent waren. Hinzu kam eine stupende Virtuosität.

Schneider stand ihrem Partner mit ihrem königlichen Instrument in nichts nach. Bei ihr war es besonders der klangliche Farbenreichtum, mit dem sie verblüffte. Mal meinte man, Glockenklänge zu vernehmen, dann aber waren es wieder die sphärenhaften Klänge, wie man sie von einer Harfe gewöhnt ist, aber nur, um einen Moment später an einen Flügel zu erinnern. Gleichzeitig wurde ihr Spiel für den Beobachter zu einer Lehrstunde. Sehr gut konnte man sehen, welche Auswirkungen es auf den Klang hat, wenn man die Saiten einer Harfe an verschiedenen Stellen zupft.

Südamerikanischer Rhythmus

In Manuel Maria Ponces Sonate Nr. 3 für Gitarre solo und auch bei der Harfenfantasie c-Moll, Opus 35, von Louis Spohr kamen die Vorzüge der beiden Musiker voll und ganz zum Tragen. Beide Werke waren musikalische Feuerwerke, die aber auch ihre lyrischen Anteile hatten, die Schröder und Mangold sehr liebevoll gestalteten. Aber in erster Linie sollte es ja um Musik für die Kombination von Harfe und Gitarre gehen. Hier sollte man eigentlich erwarten, dass das Duo mit etlichen Bearbeitungen aufwarten würde. Das aber war weit gefehlt. Die argentinischen Komponisten Narciso Saul und Máximo Diego Pujol haben je eine Suite für die Musiker verfasst, mit denen Schröder und Mangold wahrhaft glänzen konnten. Beide Kompositionen atmeten den südamerikanischen Rhythmus, wurden von der Lebensfreude durchzogen, die man von einer Milonga oder einem Tango erwartet. Aber es waren auch nachdenkliche, poetische Anteile in den beiden Suiten, die, so wie sie gespielt wurden, sehr anrührten. Und obwohl es sich um zeitgenössische Kompositionen handelte (beide Komponisten wurden 1957 geboren), waren sie absolut tonal.

Aber ganz ohne Bearbeitungen kamen auch Schröder und Mangold nicht aus. Vier Tänze aus der Sammlung „Danzas Espanolas“, die der spanische Meister Enrique Granados für Klavier geschrieben hat, interpretierten sie in ihrer ungewöhnlichen Formation. Sie zeigten damit nicht nur, wie wandlungsfähig diese Musik ist, ohne an Wirkung und Aussage zu verlieren. Sie setzten damit auch dem Komponisten ein Denkmal, der 1916 im Rahmen des ersten Weltkriegs auf eine Fähre Opfer eines deutschen Torpedoangriffs wurde. Ein beeindruckendes Konzert, für das sich das Publikum mit langem und sehr herzlichem Applaus bedankte.

● Das nächste Konzert in Springiersbach ist am Sonntag, 1. Juni, um 16 Uhr. Auf dem Programm stehen Kompositionen für Violine und Klavier von Mozart, Grieg, Brahms und Sarasate. Ausführende sind die Geigerin Anna Kritzina und der Pianist Burkhard Schaeffer.

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