Wahl 2014 – NPD vor Aus – Piraten und AfD wohl drin

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Gegen 23 Uhr vor dem Trierer Rathaus: Die Kisten mit den Stimmen werden gebracht, eine lange Schlange bildet sich - Kommunalwahl ist Schwerstarbeit für die vielen ehrenamtlichen Helfer.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Die Stadtratswahlen in Trier sind vorbei – ein erstes vorläufiges Ergebnis wird aber erst am heutigen Montag vorliegen. Tendenzen waren aber bereits am Sonntagabend zu erkennen. So hat die FDP augenscheinlich kräftig verloren, die AfD und die Piraten werden wohl in das Stadtparlament einziehen. CDU und SPD werden voraussichtlich leichte Stimmengewinne verbuchen können, die Grünen könnten geringfügig verlieren. Auch die FWG wird wohl Stimmenverluste hinnehmen müssen, die Linken gewinnen leicht. Eine für alle demokratischen Kräfte erfreuliche Tendenz war am späten Sonntagabend ebenfalls zu registrieren: Die rechtsradikale NPD sollte nach der Hochrechnung der aktuellen Zahlen nicht wieder in den Stadtrat einziehen.

Von Eric Thielen

Trier, Augustinerhof, kurz nach 23 Uhr. Kistenweisen werden die Boxen mit den Wahlzetteln durch den Haupteingang des Rathauses getragen. Kommunalwahl bedeutet Schwerstarbeit für alle ehrenamtlichen Helfer – die Schlange reicht fast bis zu den Parkplätzen. Da ist Thomas Albrecht, CDU-Stadtrat, mit seiner Frau Jutta – auch sie schleppen die grauen Boxen, reihen sich ein. Ab und an kommt ein städtischer Mitarbeiter heraus. Kurze Verschnaufspause. Nachtschicht am Augustinerhof.

OB Klaus Jensen mit Stadtrat Markus Nöhl (SPD).
OB Klaus Jensen mit Stadtrat Markus Nöhl (SPD).

Kurz zuvor hatte Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) im Foyer des Sitzungssaales ein Lächeln im Gesicht. Die Zahlen für die rechtsradikale NPD gingen immer weiter in den Keller. „Das wäre ein Traum“, sagte Jensen, „wenn die diesmal nicht wieder ‚reinkämen.“ Auch anderen Ratsmitgliedern war die Freude über das offensichtlich schlechte Abschneiden der Neo-Nazis anzusehen. „Die NPD im Stadtrat – das war ein Makel für Trier“, sagt ein anderer.

Wie sich der Rat künftig aufteilt, wie die Sitzverteilung sein wird – das alles wird sich erst am heutigen Montag entscheiden. Auf der Internetseite der Stadtverwaltung sind die aktuellen Zwischenergebnisse abrufbar. Auch die Ergebnisse zu den Ortsvorsteher-Wahlen können hier eingesehen werden.

Dabei gab es übrigens eine echte Überraschung: Thiébaut Puel von der SPD gewann in Trier-Ehrang mit 52,9% gegen Hermann Bous von der CDU, der auf 47,1% der Stimmen kam. Damit konnten die Sozialdemokraten den Ortsteil von der Union erobern. In Gartenfeld-Mitte muss Dominik Heinrich von den Grünen gegen Ferdinand Häckmanns in die Stichwahl. Gleiches gilt für Kürenz: Dort muss Bernd Michels von der Union gegen Stefan Wilhelm von der SPD in die Stichwahl.

Und auch in Pfalzel wird es eine Stichwahl geben. Margret Pfeifer-Erdel von der FWG muss gegen Dietmar Mattes von der SPD antreten. In Tarforst geht Werner Gorges von der CDU gegen Anne Weines von der SPD in die nächste Runde. In Trier-Nord tritt Christian Bösen von der Union noch einmal gegen Dr. Maria de Jesus Duran Kremer von der SPD an. Horst Erasmy von der CDU muss in Trier-West/Pallien in die Stichwahl gegen Johannes Schölch-Mundorf von der SPD.

Hier noch einmal die Hochrechnung zur Trierer Stadtratswahl von lokalo zu 100 Prozent auf Basis der gegen 23 Uhr vorliegenden Zahlen – in Klammern das Ergebnis von 2009.

CDU 34,3% (33,4)

SPD 27,3% (26,9)

Grüne 16,5% (17,6)

FWG 6,2% (9,1)

FDP 2,7% (8,2)

Linke 5,7% (3,6)

NPD 0,8% (1,1)

AfD 4,1% (./.)

Piraten 2,4% (./.)

Die Zahlen sind selbstverständlich nur ein Trend, somit lediglich ein Näherungswerte und können sich durch die Auszählung der Stimmzettel, auf denen kumuliert und panaschiert wurde, am heutigen Montag noch verschieben – und sind von daher auch ohne Gewähr.

Das vorläufiges Endergebnis der Europawahl in Trier lag bereits am Abend vor: CDU 34,7%, SPD 27,9%, FDP 3,3%, Grüne 14,8%, Linke 5,5%, AfD 5,9%, Piraten 2.3%. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,6%.

Stadtrat Udo Köhler (Mitte) bei der "Wahlarbeit".
Stadtrat Udo Köhler (Mitte) bei der „Wahlarbeit“.

Im Kreistag wird wohl die CDU mit 42,4 Prozent stärkste Fraktion werden. Das ist das Ergebnis nach Auszählung von 147 der insgesamt 189 Stimmbezirke. Die SPD liegt demnach bei 24,8 Prozent. Auf Platz drei folgt die FWG mit 13,7 Prozent vor den Grünen mit 8,7 Prozent. Die FDP liegt bei knapp zwei Prozent, die AfD bei 2,8 Prozent. Die Linke bei drei Prozent und die Piraten bei 1,7 Prozent. Die Liste Bürger für Bürger (BfB) kommt demnach auf 0,7 Prozent.


Hier unsere Live-Berichterstattung von Sonntagabend zum Nachlesen:

Offensichtlich ist Trier die einzige Stadt im Land, die ihre Listenstimmen nicht auf 100 Prozent hochrechnen kann. Hier im Foyer herrscht deswegen großes Unverständnis – bei Politikern wie Journalisten. Der SWR sendet deswegen erst gar keine Zahlen aus Trier. Nicht aussagekräftig, meinen die Kollegen vom Rundfunk. Pressesprecher Dr. Hans-Günther Lanfer: „Trier ist immer besonders.“

lokalo hat sich die Mühe gemacht, für Sie aufgrund der vorliegenden Zahlen nach 62 von 72 ausgezählten Stimmbezirken auf die 100 Prozent hochzurechnen.

Demnach ergibt sich folgende Hochrechnung auf Basis der Listenstimmen:

CDU 34,3%

SPD 27,3%

Grüne 16,5%

FWG 6,2%

FDP 2,7%

Linke 5,7%

NPD 0,8%

AfD 4,1%

Piraten 2,4%

Die Zahlen sind natürlich gänzlich ohne Gewähr!

Fortlaufende Ergebnisse gibt es jetzt auf trier.de

Da das Rathaus offensichtlich auf der Basis von 70% die Listenstimmen ausrechnet, sind die vorliegenden Zahlen kaum aussagekräftig. Erklären kann den Grund hier im Foyer des Ratssaales trotz Nachfragen niemand so genau – Journalisten ratlos, Politiker ebenso. Es liegt wohl am Computersystem.

Dennoch hier noch einmal die jetzt vorliegenden Zahlen nach 53 von 72 ausgezählten Stimmbezirken.

CDU 24,2%

SPD 19,5%

Grüne 12,2%

FWG 4,4%

FDP 1,9%

Linke 4,3%

NPD 0,6%

AfD 3,3%

Piraten 2,0%

Die nächsten Schnellmeldungen zur Trierer Stadtratswahl gehen ein. Aktuell gibt es aber offensichtlich einen Fehler im System. Rechnet man die Stimmverteilung hoch, so erhält man in der Summe nur rund 70% und keine 100%. Die Suche im Rathaus nach dem Fehler im Zählsystem läuft gerade.

Nach den im Rathaus-Foyer vorliegenden Meldungen ergibt sich aktuell nach 38 von 72 Stimmbezirken bei den Listenstimmen folgendes Ergebnis:

CDU 23,8%

SPD 18,9%

Grüne 11,7%

FWG 4,6%

FDP 1,9%

Linke 4,3%

NPD 0,6%

AfD 3,2%

Piraten 1,9%

Vorläufiges Endergebnis der Europawahl in Trier: CDU 34,7%, SPD 27,9%, FDP 3,3%, Grüne 14,8%, Linke 5,5%, AfD 5,9%, Piraten 2.3%. Die Wahlbeteiligung liegt bei 48,6%.

Im Trierer Rathaus gehen die ersten Schnellmeldungen zur Trierer Stadtratswahl ein. Bei 24 von 72 Stimmbezirken sind die Listenstimmen ausgezählt.

CDU 23,6%

SPD 20,0%

Grüne 11,1%

FWG 4,6%

FDP 1,6%

Linke 4,0%

NPD 0,6%

AfD 3,4%

Piraten 1,6%

Die SPD hat die Ortsvorsteher-Wahl in Ehrang gewonnen. Thiébaut Puel gewinnt mit 52,9% gegen Hermann Bous von der CDU 47,1%. Rainer Lehnart (SPD) gewinnt in Feyen mit 61,4% gegen Andreas Dalpke von der CDU.

Die Auszählung für die Europawahl in Trier nähert sich dem Ende: 78 von 80 Wahlbezirken sind ausgezählt. Wahlbeteiligung jetzt: 49,4%

CDU 34,7, SPD 27,9%, FDP 3,3%, Grüne 14,8%, Linke 5,6%, AfD 5,9%, Piraten 2,3%

Hans-Alwin Schmitz von der FWG hat die Ortsvorsteher-Wahl in Euren gewonnen. 82,7% Ja-Stimmen. Schmitz war der einzige Kandidat.

Christoph Schnorpfeil (CDU) gewinnt die Ortsvorsteher-Wahl in Zewen gegen Wolfgang Otto von der SPD – mit 62,9 zu 37,1%.

Jetzt sind 73 von 80 Wahlbezirken zur Europawahl in Trier ausgezählt. Die Linken fallen leicht unter 7%, die AfD steigt auf jetzt 5,7%, auch die FDP kann leicht zulegen.

CDU 34,1%, SPD 28,1%, FDP 3,2%, Grüne 15,3%, Linke 5,7%, AfD 5,7%, Piraten 2,4%.

Die Wahlbeteiligung ist gestiegen, liegt jetzt bei 45,4%.

Horst Freischmidt (CDU) hat die Ortsvorsteher-Wahl in Kernscheid gewonnen – 79,7%. Er war der einzige Kandidat. Andreas Kratz gewinnt in Biewer – 76,6%. Auch er war der einzige Kandidat.

Die Ergebnisse sind auf auf trier.de abrufbar.

Inzwischen sind 64 Wahlbezirke von 80 in Trier für die Europawahl ausgezählt. Das Zwischenergebnis ist nahezu unverändert.

CDU 33,2%, SPD 28,7%, FDP 3%, Grüne 15,6%, Linke 6,1%, AfD 5,6%, Piraten 2,4%.

Die Wahlbeteiligung liegt übrigens immer noch bei mageren 37% für die Europawahl.

Bei der Ortsvorsteher-Wahl in Trier-Feyen zeichnet sich derweil ein klarer Erfolg für Rainer Lehnart (SPD) ab.

Nach 47 ausgezählten Wahlbezirken stabilisiert sich das Ergebnis. Die AfD legt weiter zu, liegt jetzt 5,5%. CDU 32,5%, SPD 29,4%, FDP 2.9%, Grüne 15,6%, Linke 6,4%, Piraten 2,3%.

Jetzt sind 37 von 80 Wahlbezirken ausgezählt. CDU 32,9%, SPD 29,3%, FDP 2,9%, Grüne 15,5%, Linke 6,5%, Sonstige 11,8%.

Unter den Sonstigen läuft auch die AfD – die europakritische Partei liegt in Trier aktuell bei 5,3% und damit beispielsweise deutlich vor der FDP. Die Piraten kommen derzeit auf 2,4%.

Im Trierer Rathaus laufen aktuell die Ergebnisse der Europawahl über den Bildschirm. Nach Auszählung von 20 der insgesamt 80 Wahlbezirken liegt die CDU mit 32,3 Prozent in Führung, die SPD kommt auf 28,8 Prozent, Grüne auf 16,5, die FDP auf 2,7, die Linken auf 6,1 Prozent.

Die Wahlbeteiligung liegt aktuell für Europa bei bisher noch mageren 32,5 Prozent.

Fleißige Wahlhelfer im Angela-Merici-Gymnasium.
Fleißige Wahlhelfer im Angela-Merici-Gymnasium.

In Trier zeichnet sich allgemein wie im gesamten Land eine deutlich höhere Wahlbeteiligung bei der Kommunal- und Europawahl als noch vor fünf Jahren ab. Im Landesdurchschnitt lag sie laut Wahlleiter Jörg Berres (Mainz) um neun Prozentpunkte höher als beim letzten Urnengang.

In Trier haben bis zum Nachmittag ebenfalls deutlich mehr Wählerinnen und Wähler ihre Stimme abgegeben, als noch vor fünf Jahren. Teilweise wurde von langen Schlangen vor und in den Wahllokalen, gerade um die Mittagszeit, berichtet – wie etwa am Rathaus. 2009 lag die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl in der Stadt lediglich bei 45,2 Prozent.

Die CDU kam damals auf 33,4, die SPD auf 26,9, die Grünen auf 17,6, die FWG auf 9,1, die FDP auf 8,2, die Linke auf 3,6 und die NPD auf 1,1 Prozent. Heuer treten mit der AfD und den Piraten zwei weitere Parteien an, denen guten Chancen auf den Einzug ins Stadtparlament zugesprochen werden.

Spannend bleiben wird wohl bis Montag, wenn alle Stimmen ausgezählt sind, ob der rechtsradikalen NPD erneut den Einzug in den Stadtrat gelingt oder nicht.

Sollten Piraten und AfD den Sprung schaffen, dürfte sich auch die Sitzverteilung gegenüber den erreichten Prozentpunkten ändern. Der Trierer Stadtrat wird auch nach der Kommunalwahl unverändert 56 Sitze haben.

Auch Europawahl interessanter

Die Beteiligung an den Europa- und Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz ist nach den bisher ermittelten Trends rund neun Prozentpunkte höher als 2009. Nach Angaben von Landeswahlleiter Jörg Berres haben bis 14 Uhr etwa 44 Prozent der Wahlberechtigten an den Urnen oder per Briefwahl abgestimmt.

Vor fünf Jahren hatte die Beteiligung in den ausgewählten Gemeinden zu diesem Zeitpunkt bei rund 35 Prozent gelegen. Insgesamt hatten 2009 in Rheinland-Pfalz 55,6 Prozent der zur Europawahl Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, bundesweit waren es nur 43,3 Prozent. Bei den Kommunalwahlen lag die Wahlbeteiligung 2009 bei 55,1 Prozent.

In Rheinland-Pfalz hatten bis Mittwoch bereits 23 Prozent der Wahlberechtigten per Briefwahl abgestimmt, das waren acht Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren.

Der Landeswahlleiter appelliert an alle, die noch nicht gewählt haben, noch bis 18 Uhr von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. „Die Wählerinnen und Wähler können aktiv die Zusammensetzung des Europaparlaments und der Kommunalparlamente vor Ort mitbestimmen“, so Berres. (red/et)

Impressionen

5 KOMMENTARE

  1. „Aktuell gibt es aber offensichtlich einen Fehler im System. Rechnet man die Stimmverteilung hoch, so erhält man in der Summe nur rund 70% und keine 100%. Die Suche im Rathaus nach dem Fehler im System läuft gerade“

    Die fehlenden Prozente dienen vielleicht der eigenen Sicherheit?

    „Dededede und 30 im Sinn macht… – Gewonnen!“ 😀

  2. Erst einmal das Wahllokal finden. Erst mit der freundlichei Hilfe eines Lehrers oder Studienrates des FWG wurde von mir und auch anderen Wahlwilligen das Wahllokal des Wahl Bezirkes 4032 gefunden. Wundert mich nicht, dass alles andere auch nicht funktioniert.

  3. …was allerdings funktioniert hat, und das richtig klasse, ist Ihre Berichterstattung, Herr Thielen.

    Da man für lokalo nicht bezahlen kann/soll/muss hier mein grosses DANKESCHÖN!!

  4. Alle die hier meckern, sollten sich doch ehrenamtlich melden und bei den Vorbereitungen, der Wahl und dem
    anschließenden Auszählen und eingeben der Stimmzettel helfen. Vielleicht habt Ihr dann mal etwas Verständnis
    und merkt, dass es eine ganz harte Arbeit ist, an der mehr Stundenlang sortiert, zählt, kontrolliert usw.
    Meckern kann jeder. Packt besser mal an. Denn scheinbar könnt Ihr es besser !!!!!!!!

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