Wie lange noch, Herr Puhl?

1
Trotz Erfolgen sorgenvolle Gesichter. GMD Victor Puhl (li.) und Dr. Peter Larsen beim Pressegespräch im Theaterfoyer

Bildquelle: Gerhard W. Kluth

Trierer Philharmoniker stellen ihr neues Programm vor

TRIER. Noch läuft die aktuelle Saison, da bringt das Theater der Stadt Trier schon seinen Spielplan für 2014/15 heraus und Generalmusikdirektor Victor Puhl sowie Musikdramaturg Dr. Peter Larsen laden zum Pressegespräch, um das musikalische Programm des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier vorzustellen.

Von Gerhard W. Kluth

Zunächst aber wollte Puhl gerne Bilanz ziehen und die sah durchweg positiv aus. Alleine schon bei den Familien- und Kinderkonzerten konnten insgesamt 2000 Besucher gezählt werden. Die Serie „Weltmusik“ war insgesamt ausverkauft und bei den „normalen“ Sinfoniekonzerten konnte eine steigende Anzahl an Besuchern registriert werden. Lediglich die Konzertreihe „Klassik um Elf“ im Jesuitenkolleg musste leichte Einbußen verzeichnen, was, so vermuteten Puhl und Larsen, an den gestiegenen Eintrittspreisen lag.

Auch für die neue Spielzeit sind wieder acht Sinfoniekonzerte vorgesehen, die sehr viel Klassisches bereithalten, aber auch Überraschungen und Unbekanntes bieten. Die Eröffnung der Saison wird unter anderem eine Verneigung vor dem musikalischen Geburtstagskind des Jahres, Richard Strauss. Am 18. September steht seine sinfonische Dichtung „Don Juan“ auf dem Programm. Außerdem das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy und die dritte Sinfonie von Johannes Brahms. Am 23. Oktober steht Mexiko Pate bei den Trierer Philharmonikern. Nicht nur, dass neben der achten Sinfonie von Antonin Dvořák auch ein Bratschenkonzert des mexikanischen Komponisten Arturo Pantaleón-Mendoza gespielt wird. Es kommt an diesem Abend mit Miguel Salmon Del Real auch ein mexikanischer Dirigent an die Mosel.

Musikalisches Kriegsgedenken

Im November gedenken die Philharmoniker des Beginns des ersten Weltkrieges. Erklingen wird das Klavierkonzert für die linke Hand von Maurice Ravel. Es ist 1929 für den Pianisten Paul Wittgenstein geschrieben, der im Krieg seinen rechten Arm verloren hatte. Neben der „Totenfeier“ von Gustav Mahler und der Sinfonia da Requiem von Benjamin Britten steht an diesem Abend auch die „Musik für Orchester“ von Rudi Stephan aus dem Jahr 1913 auf dem Programm. Der in Worms geborene Stephan galt als eine der ganz großen Kompositionshoffnungen im beginnenden 20. Jahrhundert, die aber zerstört wurden, als er 1915 in Galizien fiel.

Komponisten der weiteren Konzerte werden Jean Sibelius (geboren 1865) mit der Lemminkäinen-Suite, Ludwig van Beethoven (fünfte Sinfonie), Igor Strawinsky (Petruschka) oder auch Franz Schubert und dessen unvollendete Sinfonie sein. Als Leckerbissen der weniger bekannten Art darf man das Klavierkonzert von Dvořák ansehen, ebenso wie das Klavierkonzert c-Moll des Franzosen Gabriel Pierné, dessen Schaffen kaum auf Konzertprogrammen erscheint, obwohl es sehr hörenswert ist. Das zweite Geburtstagskind des Jahres 2015 ist der Komponist Carl Nielsen, dessen Orchestersuite „Aladdin“ im Trierer Theater erklingen wird.

Weltmusik mit Dominique Horwitz

Natürlich wird es in der nächsten Saison auch wieder drei Weltmusik-Konzerte geben, bei denen die griechische Sängerin Maria Markesini, der Schauspieler Dominique Horwitz und der Tubist der Münchener Philharmoniker, Andreas Martin Hofmeir, an der Mosel zu Gast sind. Fünf Mal wird das Orchester zu „Klassik um Elf“ einladen, bei dem das letzte Konzert am 14. Juni als Open Air geplant ist, wenn denn das Wetter mitspielt. Der Schwerpunkt dieser Reihe wird diesmal eindeutig in der Klassik liegen. In jedem Konzert ist entweder Wolfgang Amadeus Mozart oder Joseph, beziehungsweise Michael Haydn vertreten.

Auch die Familienkonzerte „Familyclassics“ und die Kinderkonzerte „Die Kinderkönige“ werden fortgesetzt und sind Serien, für die Puhl und Larsen ganz besondere Mühe aufwenden. Allein für die Familienkonzerte haben die beiden 30 Vorlagen intensiv gesichtet um hier dem Publikum auch wirklich etwas qualitativ Hochwertiges anbieten zu können. Das Ergebnis lautet „Peter Pan“ und, ebenfalls als Orchestermärchen, die Geschichte „Jack und die Bohnenranke“.

Das neue Jahresprogramm des Theaters steht unter der Überschrift „Wünsche“. Nach diesen Wünschen befragt, hatten der GMD und der Dramaturg eine ganze Reihe auf der Liste stehen. Eine erfolgreiche Kooperation mit dem Orchestre de Chambre du Luxembourg (OCL), dessen künstlerischer Leiter David Reiland auch eines der Sinfoniekonzerte dirigieren wird. Diese Kooperation eröffnet die Möglichkeit, die Trierer Philharmoniker für große Werke homogen zu erweitern. Ebenso wünschen die beiden sich eine weitere erfolgreiche Arbeit mit der Musikschule und auch den anderen Schulen in Trier, die bisher auf große Resonanz gestoßen ist. Ein weiterer Wunsch für Puhl wäre, wenn es bei der Renovierung des Theaters einen Raum für 100 Zuhörer geben könnte, über den er dann auch kurzfristig verfügen könnte um etwa besonders erfolgreiche Kinderkonzerte noch ein weiteres Mal durchführen zu können.

Fatalistisch

Und dann gab es einen Wunsch des GMD, der fast ein wenig fatalistisch wirkte. Er würde sich wünschen, dass die acht freien Planstellen in seinem Orchester neu besetzt werden und damit der Klangkörper verstärkt werde. Fatalistisch, weil der designierte Intendant des Trierer Theaters, Karl M. Sibelius, der mit der Spielzeit 2015/16 sein Amt antreten wird, gerade öffentlich darüber nachdenkt, das Trierer Orchester ganz abzuschaffen. Auf der Internetseite „Nachtkritik“ sagt Sibelius: „Man muss sich fragen: braucht man 48 Musiker?“ Und er stellt im selben Atemzug auch die Frage nach der Notwendigkeit der übrigen Ensemblemitglieder, der Schauspieler und Sänger. Ausgenommen sind dabei natürlich die Mitarbeiter, die schon so lange dabei sind, dass ihre Verträge nicht mehr kündbar sind. Es klingt schon zynisch, wenn der Sozialwissenschaftler, Kulturmanager und Friedensforscher Sibelius sagt: „In jedem Adieu steckt auch eine Chance. Für gute Leute wird sich immer eine Tür öffnen.“ Bei der derzeitigen Situation auf dem Kultursektor ist die Chance für einen Orchestermusiker jenseits der 30, irgendwo eine neue Stelle zu finden, eher marginal. Aber das scheint den neuen Intendanten nicht wirklich zu interessieren. Ebenso wenig scheint er im Blick zu haben, dass dieser Klangkörper ein Traditionsorchester mit einer 95-jährigen Geschichte ist. Geziert wird der Beitrag im Internet dazu auch noch von einem Foto, bei dem Sibelius vor einem Müllcontainer sitzt.

Nach seiner Meinung zu den Äußerungen Sibelius‘ gefragt, sagt Puhl nur: „Dazu sage ich nichts. Auf dieses Niveau will ich mich nicht begeben.“ Und nach seiner Zukunft in Trier gefragt, antwortet er: „Mein Vertrag läuft noch zwei Jahre. Danach wird neu verhandelt.“

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrter Herr Kluth,

    ich kann mit vielem sehr gut umgehen, nur nicht mit unsauberer Recherche: Woher meinen Sie zu wissen, dass ich am liebsten das Orchester auflösen möchte? Woher meinen Sie zu wissen, dass ich keine Ensembles will? Sie haben bis jetzt noch nicht das Gespräch mit mir gesucht! Ich denke, bevor Sie hier ein völlig falsches Bild von mir vermitteln, sollten Sie mich zumindest nach meinen Plänen fragen und nicht irgendwelche Vermutungen äußern. Ja, ich habe sowohl dem Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins, aber auch den Kulturpolitikernder verschiedenen Fraktionen in Trier mitgeteilt, dass es künstlerisch große Veränderungen geben wird und das ist auf grosses Verständnis gestossen, weil Theater nun mal auch Veränderung bedeutet. Das bedeutet aber nicht, dass ich das Orchester Trier nicht zu schätzen weiß: Im Gegenteil, ich habe meine Bewunderung für diesen Klangkörper auch kommuniziert. Ich bin ein absoluter Verfechter des Musiktheaters und gehe unter anderem nach Trier, weil es ein Mehrspartenhaus ist und das auch bleiben soll. Ich habe das Gespräch mit den Künstlern des Hauses bis jetzt noch nicht aktiv gesucht, weil ich rechtlich dazu noch gar nicht befugt bin. Das ist nicht nur für das künstlerische Personal, sondern auch für mich eine unangenehme Situation. und ich betone hier noch einmal: Solange die Subventionsgeber bereit und in der Lage sind, ein Mehrspartenhaus zu finanzieren, solange werden das Orchester und die einelnen Sparten. die ich sogar ausbauen möchte, bestehen bleiben. Ja, ich bin auch Friedens- und Konfliktforscher, aber ich bin, was Zahlen betrifft, kein Träumer, werter Herr Kluth, sondern Realist. Und ich denke, das ist in der momentanen Situation auch sehr wichtig! Vor allem aber, heißt Friedensforscher nicht, dass ich Konflikte scheue, immerhin beträgt 80 Prozent meiner Arbeit Konfliktmanagement. Mfg. Karl Sibelius Intendant Theater an der Rott

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.