Schläger muss in Entziehungsklinik

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Gericht verurteilt 23-Jährigen zu drei Jahren und sechs Monaten Haft

WITTLICH. Drei Jahre und sechs Monate lautet das Urteil für einen 23-Jährigen vor dem Amtsgericht Wittlich. Zwei Jahre davon soll der junge Mann in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Denn, wenn er Alkohol getrunken hat, wird er unberechenbar. „Er war eine tickende Zeitbombe“, sagt Richter Stefan Ehses. Mehrfach hat der 23-Jährige zugeschlagen und andere verletzt. So sieht es das Gericht als erwiesen an, dass er im vergangenen Jahr in einer Gaststätte einem Mann grundlos eine Kopfnuss verpasst hat, so dass die Nase gebrochen war. In der anschließenden Rangelei soll er den türkischstämmigen Inhaber der Gaststätte mit rassistischen Ausdrücken beleidigt und „Sieg Heil“ gerufen haben. Selbst die Polizisten, die zu dem Vorfall gerufen wurden, verschonte er nicht mit deftigen Ausdrücken. „Wie von der Tarantel gestochen“, beschreibt einer der befragten Polizisten das Verhalten des Angeklagten.

Der Angeklagte, ein stämmiger Mann mit diversen Piercings und Tätowierungen, gibt in der Verhandlung vor, sich an die Vorfälle nicht erinnern zu können, da er zu betrunken gewesen sei.

An einen zweiten Fall kann sich der junge Mann erinnern. Dabei soll er einen Freund so sehr in den Schwitzkasten genommen haben, dass dieser bewusstlos zusammenbrach und mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste. In der Anklageschrift sind noch weitere Fälle aus dem Jahr 2013 aufgeführt, bei denen der Angeklagte scheinbar grundlos zugeschlagen hat.

Die Sachverständige Dr. Anette Korte gibt einen kurzen Überblick über den Lebenslauf des jungen Mannes. Er sei schon im Alter von etwa elf Jahren verhaltensauffällig geworden. Diebstahl, Körperverletzung und Alkoholkonsum gehörten schon damals zu seinem Leben. Er wurde in verschiedenen Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht, was aber nie lange gut ging. Er hat bereits eine zweijährige Jugendstrafe verbüßt. Zwischenzeitlich hatte er auch Arbeit gefunden, ist aber derzeit wieder arbeitslos.

Als großes Problem bezeichnet Korte den Alkoholkonsum. Eineinhalb bis zwei Flaschen Wodka seien es schon mal an einem Abend am Wochenende gewesen. Angaben, die auch der Angeklagte so bestätigt. Die Gutachterin bescheinigt dem Mann zudem eine geringe Hemmschwelle in Bezug auf Gewalt. „Er hat einen Gedanken und muss ihn sofort umsetzen“, schilderte sie die Verhaltensweisen. Sie empfiehlt eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Denn „sobald Alkohol und Drogen wieder ins Spiel kommen, geht es wieder los.“

Diesem Vorschlag schließen sich auch Staatsanwalt Hans-Peter Hemmes, Verteidiger Jörg Ehlen sowie Richter Stefan Ehses an. Hemmes appelliert intensiv an den Angeklagten, diese Chance zu nutzen. „Wenn bei Ihnen noch was zu retten ist, dann durch § 64 (Unterbringung in einer Entziehungsanstalt)“, sagt er. Anwalt Ehlen plädiert dafür, die Haftstrafe, die er in Höhe von zwei Jahren und sechs Monaten beantragt, zunächst auszusetzen. Denn der 23-Jährige erwartet mit seiner 17-jährigen Freundin, die in einem Mutter-Kind-Heim lebt, in zwei Monaten das zweite Kind. Da sein Mandant seit der Entlassung aus der Untersuchungshaft im März keinen Alkohol mehr getrunken habe und sich auch aus dem Kneipenleben ferngehalten habe, habe er schon bewiesen, dass er sich an Auflagen halten könne. „Er ist bei der Polizei bekannt wie ein bunter Hund“, mit diesen Worten versichert Ehlen, dass sein Mandant unter Kontrolle ist.

Während das Gericht die Körperverletzungen für erwiesen hält, kann Richter Ehses dem Vertreter der Nebenklage Havran Debe nicht folgen. Dieser hatte dem Angeklagten rechtsradikales Gedankengut vorgeworfen. Als Begründung nannte er die rassistischen Beleidigungen, sowie rechtsradikale Symbole auf dessen Handy sowie in dessen Wohnung. Diese Vorwürfe wies auch der Angeklagte vehement von sich.

In seinem Schlusswort ermahnt Ehses den 23-Jährigen erneut, unbedingt die Entziehung zu nutzen. „Das ist die letzte Chance für Sie.“ Ansonsten drohe Sicherheitsverwahrung, was ein dauerhaftes Leben in Haft bedeuten könne.

Das Urteil ist rechtskräftig.

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