Wohnen in Trier so teuer wie nie

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Auf dem ehemaligen Bobinet-Gelände entstehen teure Wohnungen und Künstlerateliers, derweil Trier vor allem auf dem Sektor des sozialen Wohnungsbaus enormen Nachholbedarf hat.

Bildquelle: Eric Thielen

Grüne kritisieren lange Vorlaufzeiten bei Deckelung von Mietpreiserhöhungen

TRIER. Wohnen sei in Trier so teuer wie nie, das zeige das jüngst veröffentlichte Wohnungsmarktgutachten für Rheinland-Pfalz, schreibt die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Corinna Rüffer, in einer Pressemitteilung. „Der immense Bedarf an kleinen Wohnungen, zu wenig Leerstand, der Fokus auf hochpreisige Neubauten und viele zahlungsbereite Luxemburger Interessenten drehen an der Preisspirale: Seit 2010, als Trier mit 21 Prozent Mietsteigerung innerhalb von fünf Jahren den deutschlandweiten Spitzenplatz belegte, haben die Mieten weiter angezogen“, so Rüffer.

Die Politikerin stellt fest: „Aktuell werden bei Neuvermietungen in Trier durchschnittlich acht Euro pro Quadratmeter verlangt – für die Netto-Kaltmiete. Dazu kommen weitere Gebühren und die Energieversorgung. Zum Vergleich: Der rheinland-pfälzische Durchschnitt liegt bei 5,91 Euro pro Quadratmeter. Bei Bestandsmieten können Vermieterinnen und Vermieter eine Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete vornehmen.

Auch der Kauf einer Wohnung ist für viele Menschen kaum mehr möglich: Die luxuriösen Neubauten im Innenstadtbereich locken nur zahlungskräftige Kundschaft an. So kostet beispielsweise ein Quadratmeter in der neu entstehenden Wohnanlage in der „Weberbach“, direkt gegenüber den Kaiserthermen, durchschnittlich 3 800 Euro.

Was das für Trier bedeutet, ist offensichtlich: überall steigende Mieten und wachsende finanzielle Belastung für alle. Insbesondere Mieterinnen und Mieter mit geringem Einkommen sind deshalb bei der Wohnungssuche benachteiligt und werden an den Stadtrand verdrängt. Wir wollen keine gentrifizierte Innenstadt, in der nur noch Reiche sich eine Wohnung leisten können. Statt luxuriöse Neubauten zu fördern, müssen wir innenstadtnahes Wohnen für alle Einkommensschichten ermöglichen.

Auch die Bundesregierung hat dieses Problem erkannt – doch sie wälzt die Verantwortung auf die Länder ab. Um maßlose Mieterhöhungen zu begrenzen, müssen die Länder zuerst eigenständig ermitteln, wo ein angespannter Wohnungsmarkt vorliegt, um anschließend vom Bund vorgegebene Kappungsgrenzen einzuführen. So kann das Land Rheinland-Pfalz erst Ende 2014 Kappungsgrenzen einführen. Doch auch dann dürfen in den angespannten Wohnungsmärkten, wie in Trier, die Mieten bei bestehenden Mietverhältnissen innerhalb von drei Jahren immer noch um bis zu 15 Prozent gesteigert werden. Das ist uns GRÜNEN eindeutig zu wenig!

Nach aktueller Rechtslage gilt diese Kappungsgrenze nicht bei Neuvermietungen. Werden, wie in Trier, vor allem hochpreisige Eigentumswohnungen gebaut, dürfen Vermieterinnen und Vermieter weiter kassieren. Wohnungen werden so zu reinen Investitions- und Spekulationsobjekten und können zu horrenden Preisen auf dem Markt angeboten werden. Außerdem kann die Kappungsgrenze die Wohnungsnot einkommensschwacher Gruppen nicht entschärfen. Auch die aktuell diskutierte Mietpreisbremse von Bundesjustizminister Heiko Maas orientiert sich an den ortsüblichen Vergleichsmieten. Für Geringverdienende sind Durchschnittspreise von acht Euro pro Quadratmeter in Trier aber zu hoch.

Die Preisspirale erhöht den Druck auf Mieterinnen und Mieter, stadtnahe Wohnungen zu meiden und sich außerhalb der Stadt anzusiedeln. Räumliche Segregation ist die Folge: Menschen mit niedrigen Einkommen wohnen in wenig attraktiven außerstädtischen Bezirken, finanzstarke Mieterinnen und Mieter bleiben innerhalb der Stadt unter sich.

Deshalb muss die geplante Mietpreisbremse ohne Abstriche umgesetzt werden – doch das kann nur der Anfang sein! Außerdem sind die Unternehmen und Städte in der Pflicht: Wir brauchen keine prächtige Neubauten und Luxussanierungen, sondern bezahlbaren Wohnraum für alle!“

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8 KOMMENTARE

  1. Die Neubaupreise mancher Bauträger und geschlossener Immobilienfonds sind reine Abzocke und nicht gerechtfertigt. Hier wird ordentlich Geld verdient. Kein seriöses und normiertes Wertermittlungsverfahren rechtfertigt die Kaufpreise. Den meist privaten Investoren (kompetente oder gewerbliche Investoren kaufen nicht zu solchen Preisen) werden erzielbare Mieteinnahmen vorgegaukelt, die oberhalb von 10,- EUR/qm KM liegen, die diese dann natürlich auch durchsetzen wollen oder richtiger müssen. Wen wunderts also wenn Bestandseigentümer diesem Spiel folgen möchten und die Mieten insgesamt (zunächst) steigen. Da sich tendentiell insgesamt ein Wohnraumüberangebot bei sinkender Nachfrage einstellen wird, werden die Mieten bald wieder fallen und auch Leerstand häufiger sein. Hier entwickelt sich langsam aber sicher eine regionale Immobilienblase. Opfer sind am Ende weniger die Mieter als vielmehr die naiven Kapitalanleger.

  2. ich dachte Wahlwerbung muss eindeutig als solche gekennzeichnet werden?
    der Artikel besteht anscheinend komplett aus einem Zitat und gibt nur die Meinung der Grünen wider.

  3. Vielleicht sollte Corinna Rüffer Abstand davon nehmen, gemeinsam mit den Grünen in Trier von Seilbahnen zu träumen und tatsächliche Konzepte entwickeln. Insbesondere die grüne Bürgermeisterin Angelika Birk zeichnet sich hauptsächlich dadurch aus, bestehenden städtischen Wohnraum verschimmeln zu lassen. Hier herrscht echter Handlungsbedarf, liebe Grünen in Trier.

  4. @AfD Trier: ich hoffe, Ihr „anonymer“ Name hat nichts mit der Partei zu tun, die sich mit befremdenden Wahlplakaten um Sitze im Trierer Stadtrat bewirbt. Wenn Sie – mit Recht – den Missstand städtischer Wohnungen anprangern, dann sollten Sie diejenigen in Rat und Verwaltung kritisieren, die über Jahrzehnte zuwenig in die Bestandserhaltung städtischer Gebäude (Schulen, Wohnungen etc.) investiert haben. Zuständig für die Umsetzung und Betreuung von Baumaßnahmen ist nicht „die grüne Bürgermeisterin Angelika Birk“, sondern die schwarze Beudezernentin Kaes-Torchiani – die im Zweifel ihre Untätigkeit mit fehlenden Beschlüsse des Stadtrats und Stadtvorstands sowie der schlechten finanziellen Lage begründen kann.
    Dass die Stadt phlegmatisch zuschaut, wie ihre Schulen und Wohnungen vergammeln aber gleichzeitig Geld für die Verbreiterung von Straßen und Planung neuer Straßen ausgibt, ist für mich ein Skandal!

  5. Was die Bürgermeisterin angeht, ist sehr wohl sie mit dafür verantwortlich, 700.000 Euro für den Stadtteil Trier-West und dortige Projekte nicht abgerufen zu haben. Verschiedene Parteien in Trier propagieren nicht umsonst schon jetzt die Absetzung Birks durch den kommenden Stadtrat. Kaes-Torchiani wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls benannt.

    Bemerkenswert vor allem bei ihr ist, dass die Trierer Bürger schon seit Jahren ihre Absetzung fordern (man erinnere sich nur an die geplante Abriss-Aktion der Aral-Tankstelle in der Ostallee), man in Trier aber seltsamerweise erst jetzt, wenige Tage vor der Wahl, diese Vorschläge macht. In 3 Jahren sitzt Kaes-Torchiani wahrscheinlich immer noch im Amt, aber wenigstens hat man guten Willen bewiesen.

    Bezüglich der 700.000 Euro Fördermittel kommt man jetzt mit der Ausrede, das Geld sei ja nicht verfallen, wer sich aber etwas insbesondere mit der Schimmelproblematik auskennt weiß, wie die Kosten steigen wenn so ein Problem verzögert angegangen wird. Die gesundheitlichen Folgen einer permanenten Schimmelbelastung für die betroffenen Anwohner sind nicht absehbar, zum Teil können sich hieraus chronische Krankheiten ergeben. Warum? Weil die Verantwortlichen nicht dazu in der Lage sind, ein Projekt anzugehen, zu planen und die bereitstehenden Mittel dafür abzurufen. Das ist einfach nur unverantwortliches Handeln gegenüber den betroffenen Menschen in Trier, auch wenn man das jetzt schön redet.

    Was unsere Plakate angeht, kann ich daran nichts verwerfliches erkennen. Unser Plakat „Einwanderung braucht klare Regeln“ sagt ja nicht „Wir wollen keine Einwanderung“, sondern wir wollen eine geregelte nach kanadischem Vorbild. Wenn Sie sich dafür interessieren, empfehle ich Ihnen das Europaprogramm der AfD.

    Dass wir auf unseren Plakaten Volksentscheide wollen und inbesondere die Nichtwähler dazu auffordern, wieder zu wählen, kann den etablierten Parteien natürlich nicht gefallen. Mehr Mitsprache der Bürger ist nicht gewollt, was man unschwer am Beispiel der Westtrasse erkennt. Beim Thema Bürgerbefragung verweist der Stadtrat auf die Deutsche Bahn und legt die Sache ad acta.

    Was sagen Plakatvergleiche also über die AfD in Trier aus? Nichts. Man sollte sich vielleicht für die Inhalte interessieren oder mit unseren Mitarbeitern an den Infoständen sprechen. Öffentliche Stammtische sind eine gute Gelegenheit für einen Austausch, alternativ kann man mit uns auch Termine für einen Besuch o.ä. abstimmen.

  6. @Mario Hau/AfD Trier: Ihre „Argumente“ sind genauso platt und schräg wie die Slogans Ihrer Plakate zur Europawahl. Tiefstes Stammtischniveau, gepaart mit fehlendem Wissen und/oder falschen Tatsachenbehauptungen.

    Warum CDU und SPD auf Frau Birk „herumhacken“ ist durchschaubar: so kann man von den zahlreichen nicht erfüllten Versprechen und den Versäumnissen eines Herrn Jensen und einer Frau Kaes-Torchiani ablenken. Dass die 700.000 € für den Stadtteil Trier-West nicht abgerufen wurden, liegt nicht an Frau Birk sondern an der schleppenden Zuarbeit aus anderen Dezernaten. Darauf wurde schon an anderen Stellen ausgiebig hingewiesen. Ich erspare mir hier Wiederholungen.

    Und was die Europa-Plakate der AfD angeht, empfehle ich Ihnen diese mit denen der NPD und anderer rechtspopulistischer Parteien zu vergleichen. Einen großen Unterschied kann ich nicht erkennen und bin darüber zutiefst erschrocken. Solange die AfD mit diesen Plakaten gegen Europa stänkert, Sozialneid schürt und Schwache ausgrenzt, sind ihre Bestrebungen sich von der NPD abzugrenzen nicht glaubwürdig!

    • Wer lesen kann… Ich schrieb auch nicht Frau Birk ist schuld, sondern sie trägt eine Mitschuld. („ist sie sehr wohl MITverantwortlich“). Und das lässt sich kaum abstreiten, oder?

      „Platt“ sind einzig Ihre Versuche, die AfD in die rechte Ecke zu schieben. Seltsame Plakatvergleiche sagen nichts aus, die NPD hat ebenfalls mit den Grünen fast deckungsgleiche Aussagen auf einigen Plakaten, ebenso wie die NPD und die Linken diese haben. Einige Linke-Plakate ähneln denen der AfD ebenfalls, viele von Sarah Wagenknechts Thesen überschneiden sich insbesondere zum Thema EU mit den unseren. Was sagt das jetzt aus? Nichts.

      Wir stänkern nicht gegen „Europa“, sondern kritisieren die Tatsache, dass wir als souveräner Staat immer mehr Entscheidungen nach Brüssel an die EU abgeben. Europa gab es schon vor der EU… Weiterhin kritisieren wir, dass die deutschen Bürger für die Pleiten anderer Länder zur Kasse gebeten werden. Auf keinem unserer Plakate wird der „Sozialneid“ geschürt, noch „grenzen wir Schwache“ aus. Zu letzterem empfehle ich Ihnen die kürzlich verabschiedeten „politischen Leitlinien“.

      Und davon mal abgesehen ist eines unserer Hauptziele, Bürgerentscheide durchzusetzen. Was spricht dagegen, die Bürger zu den von uns kritisierten Punkten zu befragen? Glauben Sie nicht, dass die Trierer selbst dazu in der Lage sind, über gewisse Themen wie z.B. die Westtrasse zu urteilen?

      Wie gesagt steht es Ihnen offen, mal mit unseren Parteimitgliedern an Infoständen zu diskutieren oder die verschiedenen Programme unserer Partei zu studieren…

  7. Oh je, liebes Lokalo-Team,
    seht ihr was passiert, wenn man polemische, platte Wahlpropaganda der GRÜNEN einfach unreflektiert und einseitig übernimmt? Jetzt habt ihr den Salat und könnt zuschauen, wie die Parteien euer Forum für Wahlkampf nutzen. Uiuiui.

    Übrigens gibt es keine Luxussanierungen in West – auch nicht in Bobinet (mein Bruder hat hier eine Wohnung gekauft, daher kenne ich die Objekte und die Baubeschreibung sehr gut). In Bobinet werden lediglich die neuesten Gesetze eingehalten (Wärmerückgewinnung, Kontrollierte Be- und Entlüftung, Dämmen bis zum Umfallen etc.), was viel kostet und eigentlich gar nicht nötig wäre…

    Die GRÜNEN selbst haben dafür gesorgt, das die Baupreise in die Höhe gehen und zwar u.a. durch den völligen Wahnsinn in Zusammenhang mit der Energieeinsparverordnung (EenV). Für 5 Prozent Energieeinsparung müssen 80 Prozent mehr Kosten in Kauf genommen werden. Die seit ein paar Tagen gültige neue EenV 2014 verteuert das Bauen nachweislich nochmals um 30 Prozent. Die gleiche Partei, die diesen Wahnsinn als reine Symbolpolitik weiter vorantreibt beschwert sich nun über zu hohe Mieten im Neubaubereich und spricht bei der sinnvollen Nachnutzung von Luxussanierung? Billig! Das ist wirklich ein Schlag ins Gesicht für jeden Mieter. Im Neubau wird es keine Miete mehr unter 8 EUR geben können, da selbst diese Miete wenn überhaupt nur die Kosten deckt. Herr Heinrich darf aber für öffentliche Gebäude planen, da interessieren ihn die Kosten nicht – der Steuerzahler muss es zahlen.

    Und Lokalo? Macht stumpf mit und bringt ein Bild von West. Schade.

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