Ein Showabend mit Herzblut

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Klüpfel und Kobr strapazieren die Lachmuskeln selbst mit abgetrennten Gliedmaßen

Bildquelle: Eifel Literatur Festival

Eifel-Literatur-Festival: Krimi-Duo Klüpfel und Kobr begeistert mit Kluftinger-Show

Alles andere als eine normale Lesung hat das Allgäuer Autorenduo Michael Kobr und Volker Klüpfel beim Eifel-Literatur-Festival in der ausverkauften Bitburger Stadthalle abgeliefert. Die beiden präsentierten ihren schnurrigen Kultkommissar Kluftinger im neuen Format einer multimedialen „LitComedy-Show“ und bereiteten 730 Zuschauern damit ein Mordsvergnügen.

BITBURG. Dass im Allgäu inzwischen auch das multimediale Zeitalter angekommen ist, hätten Michael Kobr und Volker Klüpfel zu Beginn ihrer Show nicht mehr unbedingt erwähnen müssen. Denn bis dahin hatten sie ihr Publikum auf unübersehbarer Leinwand schon gründlich mit unübersehbaren Video-Werbebotschaften für Merchandising-Artikel rund um Kommissar Kluftinger versorgt.

Auch die im 7,5 Tonnen-LKW angelieferte technische Bühnenausstattung spricht Bände. Hier sind Zwei auf der Höhe der Zeit, nutzen die Errungenschaften des professionellen Show-Geschäfts. Das aber tun sie mit einem wunderbar ironischen Blick auf diese Szene und sich selbst. Zwar lassen sie sich auf erwähnter Leinwand in Las-Vegas-Manier ankündigen – die von dort schallende Stimme schaltet aber schnell in den Betretenheits-Modus, um zuzugeben, dass hier keine großen Stars, ja noch nicht einmal solche der zweiten Garnitur auf der Bühnen stehen. Das löst schon die erste Lachsalve aus, ist aber tief gestapelt. Denn von dem, was die beiden ursprünglich als Lehrer und Redakteur tätigen Autoren dann bieten, könnten sich manche professionellen Comedians eine Scheibe abschneiden.

Erst einmal geben sie den Eifelern, die sich ihrer Meinung nach mit Innovationen genauso schwer tun wie die Allgäuer, eine ganz niederschwellige Einführung ins Format „multimediale LitComedy-Show“. „Die Handvoll verhinderten Luxemburger“ nämlich müssen eine Lesepassage aus dem neuesten Kommissar Kluftinger-Fall „Herzblut“ mit Geräuschen illustrieren. 730 Kehlen muhen, ahmen einen Traktormotor nach oder fluchen in Silben „Kru“, „Zi“, „Fix“. Der Text bleibt da vor Lachen zwar etwas auf der Strecke, das macht aber nichts, er wird sowieso nicht zu Ende gelesen. Die beiden Autoren kriegen sich über bestimmte Stichworte ständig in die Haare. Als Volker Klüpfel das Wort „Gott“ liest, summt Michael Kobr das Lied „Biene Maja“ von Karel Gott alias Karel Svoboda, was einen Streit darüber auslöst, ob man Gott künftig „Svoboda“ nennen müsse.

Das Bälle-Zuwerfen praktizieren die beiden über die ganze Show mit Bravour, auch in Sketch-Spielszenen wie dem ersten Reklamespot des Abends. Da muss Michael Kobr in blonder Zopfperücke eine Frau spielen, die sich Klüpfel zudringlich nähert. Dieser kann sie sich aber mit dem neuen Wunderduft „Käs“ aus Allgäuer Käse vom Leib halten. Das ist im Spektrum des Humors, der an diesem Abend aufgefahren wird, eher den Albernheiten zuzuordnen, aber dennoch zum Brüllen komisch. Andere Nummern haben eher satirischen Charakter, zum Beispiel der eingeblendete Film von „Klufti-TV“ über die Recherche zum neuen Buch auf einer Yoga-Messe. Da reicht es, dass die „Reporter“ Klüpfel und Kobr einfach mit der Kamera draufhalten und gelegentlich süffisante Kommentare geben, um das Publikum zum Lachen zu bringen.

Mit diesem Film nähern sie sich auch wieder „Herzblut“ und einem seiner lustigsten Abschnitte, in dem der zugeknöpfte, grantige Kommissar Kluftinger zufällig an einer Yoga-Stunde beim ungeliebten Hausarzt Langhammer teilnimmt. Teils gelesen, teils mit witzigen Bildern von Yoga-Figuren oder Spielszenen garniert, ist das ein echter Höhepunkt. Er wird allerdings vom Schwächeanfall einer Dame im Publikum überschattet, die sich aber schnell erholte. Souverän fügt das Duo hier seine ohnehin geplante Pause ein. Danach jagen sich die Gags, beginnend mit einer Wiederholung der „Gott“-Lesepassage, diesmal wirklich multimedial. Als der Satz fällt: „Die Kirche ist auf Spenden angewiesen“, wird beispielsweise ein Bild von Tebartz van Elst eingeblendet.

Ab jetzt gibt es auch – kalauernd verpackt – viele Informationen rund um die Ideen zu den Kluftinger-Büchern, die Arbeitsweise der Autoren und die ARD-Verfilmungen. Die Autoren zeigen unter anderem ihr „Melking of“ zu „Seegrund“, in dem sie die Situationskomik beim Dreh einfangen und einen selbstironischen Blick auf ihre „bedeutenden Nebenrollen“ werfen. Danach besinnen sie sich wieder aufs Buchmetier und spielen durch, wie ihr Kluftinger als Schwedenkrimi mit zerstückelten Leichen und physisch wie psychisch angeschlagenem Kommissar funktionieren würde. Zuletzt strapazieren sie die Zwerchfelle ihrer Zuschauer bis zur Schmerzgrenze mit der gespielten, wohl witzigsten Szene aus „Herzblut“.

Kommissar Kluftinger muss mit dem japanischen Vater seiner künftigen Schwiegertochter skypen und tritt dabei mangels Englisch-Kenntnissen in jedes erdenkliche Fettnäpfchen. Da fragt ihn etwa der Japaner, ob ihm sein „gift“, sein Gastgeschenk, gefallen habe und Kluftinger, an das deutsche Wort „Gift“ denkend, antwortet: „No!“. Damit geht eine professionelle und zündende Show zu Ende, die über den Unterhaltungswert von Klamauk und Satire hinaus den Charakter der Figur Kluftinger wie auch das Allgäuer Lokalkolorit nahe gebracht hat. emma

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