Mensch, lerne tanzen – auch in der Kirche

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Bildquelle: Trierer-Orgelpunkt

TRIER. Am 1. Mai war es vierzig Jahre her, dass die große Klais-Orgel im Trierer Dom zum ersten Mal für die Öffentlichkeit ihre Stimme erhob. Das ist für eine gute Orgel eigentlich kein Alter. Immerhin hat der Bund Deutscher Orgelbaumeister einmal mit dem Leitsatz geworben „Die Orgel überdauert Jahrhunderte“ und gleich in der Nachbarschaft der Trierer Kathedrale, in der Welschnonnenkirche, gibt es mit der 250 Jahre alten Stummorgel den Beweis für die Richtigkeit dieser Aussage. Trotzdem aber sind vier Jahrzehnte natürlich schon ein Grund zum Feiern. Dies tut die Dommusik mit den Internationalen Orgeltagen, die am 20. Mai an den Start gehen. Jeweils um 20 Uhr werden sich sechs Mal jeden Dienstag die Dompforten öffnen und Orgelmusik im Fokus des Geschehens stehen.

Bei einem richtigen Fest darf auch getanzt werden. Domorganist Josef Still wird die Konzertreihe deshalb mit Tanzmusik eröffnen. Tanzmusik in der Kirche? Geht das? Und ob. Schließlich hat schon der heilige Augustinus gesagt: „Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen“. Allerdings muss man bei der Orgel gelegentlich ein wenig nachhelfen, will sagen, man muss die Tanzmusik für die Orgel einrichten und arrangieren. So stehen beim Eröffnungskonzert Tänze der Renaissance ebenso auf dem Programm wie Kompositionen von Béla Bartók (Rumänische Volkstänze), eine Pavane von Gabriel Fauré und die „Tänze aus Galanta“ von Zoltan Kodály. Mit den „Trois danses“ des französischen Komponisten Jean Alain allerdings gibt es auch drei originale Orgelkompositionen zu diesem Thema.

Außergewöhnlich wird auch der zweite Abend, wenn Still zusammen mit zwei Gitarrenduos auftreten wird. Bei sogenannten Orgel+ Konzerten sind es meistens kräftige Instrumente, die sich zur Orgel hinzu gesellen. Die eher leise Gitarre kommt in dieser Kombination selten vor. Umso mehr darf man auf den 27. Mai gespannt sein, wenn Still mit dem Amadeus Guitar Duo und dem Duo Gruber & Maklar den Abend gestalten wird.

Eine Woche später stehen zwei Giganten der französischen Orgelsymphonik im Mittelpunkt des Geschehens. Der niederländische Organist Ben van Osten kommt aus Den Haag und wird in seinem Reisegepäck die dritten Sinfonien von Charles Marie Widor und Louis Vierne haben. Widor gilt als der Vater der Orgelsinfonie, zu der er durch sein Instrument in der Pariser Kirche Saint Sulpice inspiriert wurde. Einer von Widors berühmtesten Schülern war der fast blind geborene Louis Vierne. Beide Namen stehen für die großartige und machtvolle französische Orgelmusik des ausgehenden 19. Und beginnenden 20. Jahrhunderts. Van Osten hat sich vor allem durch die Gesamteinspielung der 10. Widor Sinfonien einen international hoch angesehenen Namen gemacht.

Eine Orgelkonzertreihe ohne Bach ist nur schwer vorstellbar. Am 10. Juni wird der Mainzer Domorganist Daniel Beckmann auf unterschiedliche Art dem Thomaskantor seine Reverenz erweisen. Neben Kompositionen aus der Bachschen Feder stehen auch drei der sechs Fugen über BACH von Robert Schumann und Präludium und Fuge über BACH von Franz Liszt auf dem Programm. Der vorletzte Abend wird wieder einen deutlich frankophonen Zungenschlag haben. Vincent Dubois kommt aus Straßburg und spielt in Trier unter anderem den dritten Choral von Cesar Franck und das Finale aus der „Evocation“ von Marcel Dupré.

Der Titel „Die Orgel ist die Königin der Instrumente“ wird gemeinhin Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben. Er steht im Finale am 24. Juni im Mittelpunkt. Still wird verschiedene Werke des Salzburger Meisters erklingen lassen, wobei es sich auch hier in erster Linie um Kompositionen handelt, die für die Orgel eingerichtet wurden.

Als besonderes Angebot gibt es vor dem ersten und dem letzten Konzert auch wieder besondere Domführungen, die sich thematisch auf die anschließende Musik beziehen. Die Teilnehmer werden dabei auch Zugang zur Orgelgalerie haben und einen Blick auf den Arbeitsplatz des Domorganisten werfen können. Aus organisatorischen Gründen ist die Teilnehmerzahl hier aber begrenzt, weshalb eine Anmeldung erforderlich ist. (red)

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