Westtrasse: „Bürgerbeteiligung nach eigenem Ermessen“

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Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Das vor allem in den Trierer Stadtteilen am linken Moselufer umstrittene Großprojekt „Westtrasse“ wird die Politik wohl noch weit über die Kommunalwahl hinaus beschäftigen. In Euren formiert sich der Protest bis hin zur Klagebereitschaft gegen Bahn und Stadt. In Pallien drängen die Bewohner parallel zum Widerstand gegen den Güterverkehr auf der Trasse auch auf eine Lösung der Probleme durch den Schwerlastverkehr in Bonner und Kölner Straße. Zur Bürgerbeteiligung beim Großprojekt äußert sich die Stadt nun gegenüber lokalo.

Von Eric Thielen

Der Trierer Politikwissenschaftler Professor Dr. Wolfgang H. Lorig ist derzeit ein gefragter Mann. Beim Südwestrundfunk ist eine Gesprächsreihe mit dem Wissenschaftler über das Thema „Bürgerbeteiligung bei Großprojekten“ geplant. Voraussichtlich in der kommenden Woche wollen die Journalisten vom Rundfunk auch Stimmen von Anwohnern der Westtrasse in den Stadtteilen links der Mosel einfangen. Überregionale Medien haben ihr Interesse bekundet, seit Lorig am Montag seine Kritik an der seiner Meinung nach mangelhaften Bürgerbeteiligung in Trier zum Großprojekt „Westtrasse“ im Gespräch mit lokalo erstmals öffentlich gemacht hatte.

Anlässlich eines Termins in Mainz hatte Lorig Gelegenheit, mit Landtagsabgeordneten über das Schreiben der DB-Nord zu sprechen. Der Direktor des Zweckverbandes Schienen-Personen-Nahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord), Dr. Thomas Geyer, hatte dem Trierer Wissenschaftler „politische oder am Ende gar private Interessen“ unterstellt und ihn daran erinnert, wer sein „Brötchengeber“ ist. Das jedoch schreckt Lorig nicht vor weiteren Forschungen ab. In Zusammenarbeit mit seinem Kollegen, dem Soziologen Professor Dr. Waldemar Vogelgesang, plant der Politologe für Juni und Juli eine neue Studie in den westlichen Stadtteilen, die dann repräsentativen Charakter haben soll.

Im Trierer Rathaus sieht man dem Protest am linken Moselufer und der neuen Studie der Trierer Wissenschaftler offenbar ganz entspannt entgegen. Bürgerbeteiligungen zum Großprojekt „Westtrasse“ würden „gemäß der gesetzlichen Vorgaben beziehungsweise in eigenem Ermessen und in Abstimmung mit der Stadt Trier durchgeführt“, teilt die städtische Pressestelle auf Anfrage von lokalo mit. Konkrete Aussagen zu Art und Umfang sowie Zeitpunkt der Beteiligungsschritte könnten derzeit allerdings noch nicht getroffen werden. Ohnehin seien im Vorfeld des Stadtratsbeschlusses vom 18. Februar Bürger und Ortsbeiräte beteiligt worden.

Somit liegt die weitere Bürgerbeteiligung beim Großprojekt „im eigenen Ermessen“ der Deutschen Bahn, des Landes Rheinland-Pfalz und des SPNV-Nord. Dort werde das Projekt nach dem Grundsatzbeschluss des Stadtrates detaillierter geplant, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt ist demnach außen vor und führt aktuell auch keine Gespräche mit der Bahn wegen des Güterverkehrs auf der Westtrasse, „denn dabei handelt es sich um eine in Betrieb befindliche Strecke, die von Zügen unterschiedlicher Verkehrsunternehmen im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten genutzt werden darf“. Die Proteste von Quint bis Zewen wegen der Zunahme des Güterverkehrs vor allem in der Nacht sind im Rathaus kein Thema. Verhandlungen mit der Bahn dazu „finden nicht statt“ und seien auch nicht geplant.

Mit dem Land gibt es zurzeit ebenfalls keine Gespräche. Mainz will 19 Millionen Euro für das Gesamtprojekt zur Verfügung stellen. Kritiker wie der Eurener Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz (FWG) bezweifeln, dass diese Summe ausreicht. Zwar sagt das Rathaus, dass die Kosten für die geplanten Haltestellen sowie die Arbeiten an der Schienenstrecke durch die 19 Millionen abgedeckt seien. Die Baumaßnahmen im weiteren Bereich der Haltepunkte, etwa an der Kaiser-Wilhelm-Brücke, müssen jedoch durch die Stadt finanziert werden. Dies werde „unter Inanspruchnahme von Fördermitteln“ geschehen. Zur Höhe der Kosten äußert man sich derzeit aber nicht, weil „die Umfeldmaßnahmen erst dann geplant werden können, wenn erste Vorentwürfe für die einzelnen Haltepunkte seitens der Bahn vorliegen“.

Ferner ist die Frage, wie die Stadt nach der Reaktivierung der Westtrasse für den Personenverkehr die zu erwartenden Probleme an den Bahnübergängen – vor allem in der Aachener Straße – lösen will, auch nach dem Ratsbeschluss weiter ungeklärt. Das Rathaus verweist hier auf die Bahn. Die Überprüfung der Situation an den Bahnübergängen sei ein Planungsauftrag, „der von der DB AG im Rahmen der nächsten Planungsschritte abgearbeitet werden wird“. Auch hier heißt es: Dazu könne derzeit keine weitere Aussage getroffen werden. (et)

12 KOMMENTARE

  1. Ich wohne in der Nähe der Kaiser-Wilhelm-Brücke in Trier Pallien und ich muss sagen durch diese vermehrte Anzahl an Güterzügen kann ich auch nicht mehr gut schlafen. Immer wieder kommt es vor das mitten in der Nacht Güterzüge mit maximalem Tempo vor dem Haus vorbeifahren sodass sogar die Wände wackeln. Ich habe auch einmal eine Messung gemacht und dabei über 86 Decibel herausbekommen. Ich finde das ganze untragbar. Die Wohnqualität bzw. das sich wohlfühlen in der eigenen Wohnung hat sehr abgenommen.

  2. Die Lärmbelästigung in Zewen ist enorm durch die ständigen Güterzüge in der Nacht, an einen ruhigen Schlaf ist nicht zu denken. Vorne die Zewener Straße, ständiger Verkehr, Lärm und Abgase, nun auch noch nachts ständig Güterverkehr hinter dem Haus. Dieser Dauerlärm macht krank und schädigt die Gesundheit. Es mag ja sein, dass die Stadt an der Güterverkehrssituation in der Nacht kein Interesse hat, aber warum sich seit Jahren niemand für eine tragfähige und sinnvolle Umgehungsstraße, zur Entlastung der Zewener Straße einsetzt, ist für mich unverständlich. Ich habe vorher in Bayern gewohnt, da wäre die Umgehungsstraße längst gebaut. Nun bleiben mir nur Fenster mit Lärmschutzklasse 4-5, damit in meiner Wohnung endlich einmal Ruhe herrscht.

  3. Die Lärmbelästigung in Zewen ist enorm durch die ständigen Güterzüge in der Nacht, an einen ruhigen Schlaf ist nicht zu denken. Vorne die Zewener Straße, ständiger Verkehr, Lärm und Abgase, nun auch noch nachts ständig Güterverkehr hinter dem Haus. Dieser Dauerlärm macht krank und schädigt die Gesundheit. Es mag ja sein, dass die Stadt an der Güterverkehrssituation in der Nacht kein Interesse hat, aber warum sich seit Jahren niemand für eine tragfähige und sinnvolle Umgehungsstraße, zur Entlastung der Zewener Straße einsetzt, ist für mich unverständlich. Ich habe vorher in Bayern gewohnt, da wäre die Umgehungsstraße längst gebaut. Nun bleiben mir nur „Fenster mit Lärmschutzklasse 4-5“, damit in meiner Wohnung endlich einmal Ruhe herrscht.

  4. Ich wohne in der Nähe der Kaiser-Wilhelm-Brücke in Trier Pallien und ich muss sagen durch diese vermehrte Anzahl an Güterzügen kann ich auch nicht mehr gut schlafen. Immer wieder kommt es vor das mitten in der Nacht Güterzüge mit maximalem Tempo vor dem Haus vorbeifahren sodass sogar die Wände wackeln. Ich habe auch einmal eine Messung gemacht und dabei über 86 Decibel herausbekommen. Ich finde das ganze untragbar. Die Wohnqualität bzw. das sich wohlfühlen in der eigenen Wohnung hat sehr abgenommen.

  5. Dieses Statement der Stadt ist eine ganz schöne Unverschämtheit. Was hätten die Verwaltungen doch ein schönes Leben, wenn es nur diese doofen Bürger/innen nicht gäbe. Soviel zu Jensen und seiner angeblichen Bürgernähe, ein echter Witz.

  6. Dieses Statement der Stadt ist eine ganz schöne Unverschämtheit. Was hätten die Verwaltungen doch ein schönes Leben, wenn es nur diese doofen Bürger/innen nicht gäbe. Soviel zu Jensen und seiner angeblichen Bürgernähe, ein echter Witz.

  7. Was regen sich die Leute in Tr-West, Palien, euren und Zewen denn nur so auf? Die sollen doch froh sein, das wieder Personenzüge fahren sollen:
    Je mehr Personenzüge( je neuer desto leiser) fahren werden, umso weniger Platz ist für die Güterzüge. Die Gebiete werden vollkommen neu erschlossen. Die Immobilienpreise werden Explodieren, wenn Herrscharen von Luxemburgern alle Häuser und Wohnungen an der Trasse kaufen. So können diese morgens, zu fuß zum Haltepunkt gehen und sind 20 Min. später auf dem Kirchberg. Ich sehe hier sehr viel Potential , die Ackerflächen am Zewener Weg in Bauland umzuwandeln.
    Vorschläge für Straßennamen hab ich auch schon: OB Jensen-Pfad, Kaes-Torchiani-Fluchtweg, Am Birk-Galgen.
    Aber mal realistisch: Die Kosten mit 19 Mio. werden nie hinkommen. Und die Stadt wird nochmal die gleiche Summe in die Hand nehmen müssen um ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

  8. Dieses Statement der Stadt ist eine Unverschämtheit !
    Deutlicher Kann wohl nicht ausgedrückt werden, welche Wertschätzung den betroffenen Stadtteilen
    zuteil kommt.
    Ich verlange als Bürger dieser Stadt, dass meine Interessen vertreten werden !
    Was erlauben sich die Herrschaften dort ?

  9. Mir kommt das was komisch vor. Ich habe vollstes Verständnis für die Lärmbelästigung im Westen, aber schickt die Züge dann über den Osten…………….bitte?
    Also verschiebt bitte mein Problem doch auf die andere Seite. Das ist doch wohl nicht wahr? Die Dillinger Züge ( aus dem Saarland), zum Teil glühen die noch vor Hitze fahren über den Osten. Alles von der Saar geht über den Osten. Wie gesagt ich wohnte als Kind fast 10 Jahre lang genau gegenüber dem Bahnhof TR- Süd, mit Dampfloks, damals brummte es an der Saar mit Kohle und Stahl und die Dampfloks schifften alles ins Landesinnere der Bundesrepublik. ich muss ja immer noch lachen das alle angeblich 90 sek. ein Zug über die Westtrasse rasst. Es wären ja dauernd die Schranken in TR- West unten und der PKW – Verkehr würde sich wohl bei so einer Taktung bis hinter Bitburg stauen. Die Zahlen sind einfach, übertrieben, schön gemacht oder gelogen. Nochmal eine 90 sek. Taktung hat nicht mal die Metro in Paris, die Tube in London, die Subway in New York oder die U-Bahn in Berlin. Mauern zur Schallisolierung „ja“ aber die Erosionen bekommt man nicht in den Griff. Meine Tante wohnte ( sie ist verstorben) am Boulevard Saint Michel in Paris und wenn genau unterm Haus die Metro durchfuhr wackelte es. das störte aber keinen nein es war amüsant aber Typisch deutsch, erst mal klagen, dann Revision, dann nach Karlsruhe. Deutschland Du kotzt mich wegen Deinen Spiessbürgern sowas von an…………………………..

  10. Ich habe hier mal das Leitbild des Rathauses verlinkt. Gibt es doch auch tatsächlich als gedruckter Flyer im Rathaus.
    Als ich den das erste mal gelesen habe, mußte ich abwechselnd laut lachen und hatte Halsweh vom Kopfschütteln.

  11. Hier zeigt sich einmal mehr, wie der Trierer Stadtrat Bedenken von Trierer Bürgern einfach ignoriert. Wenn die Deutsche Bahn also ab sofort für die westlichen Stadtteile das Sagen hat, wofür brauchen wir eigentlich den jetzigen Stadtrat noch? Bürgerbeteiligung sieht anders aus: Zum Beispiel so, dass die Bürger in den westlichen Stadtteilen die Möglichkeit zur Abstimmung hätten. Direkte Demokratie eben.

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