SPD fordert Tempo 30 für Güterzüge auf Westtrasse

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Lärmende Realität auf der Trierer Westtrasse: Ein Güterzug mit zwei Lokomotiven und 38 Waggons donnert am Mittwochmorgen an den westlichen Trierer Stadtteilen vorbei. Als die Loks die Abfahrt nach Biewer erreichen, sind die letzten Wagons noch an der Kaiser-Wilhelm-Brücke.

Bildquelle: Eric Thielen

TRIER. Das könnte ein erster kleiner Durchbruch für die leidgeprüften Anwohner in den westlichen Trierer Stadtteilen sein: Die SPD Trier-West/Pallien fordert in einer Pressemitteilung Tempo 30 für Güterzüge auf der Westtrasse, um so die Lärmbelästigung zu reduzieren. Am 24. März habe die Bahn der Bundestagsabgeordneten Katarina Barley (SPD) noch mitgeteilt, abends und nachts finde kein Güterverkehr statt, schreibt Johannes Schölch-Mundorf für den SPD-Ortsverein. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Die Sozialdemokraten fordern die Bahn nun auf, sich an diese Aussage zu halten.

Am Montag berichtete lokalo über die Situation an der Trierer Westtrasse. Nun reagiert die SPD im Stadtteil. „Seit eineinhalb Monaten bereits leiden die Anwohner entlang der Bahnstrecke links der Mosel in Trier-West/Pallien und Euren unter erheblichem Lärm durch bis zu 60 Güterzüge, die Tag und insbesondere die ganze Nacht hindurch mit bis zu 90 km/h auf der Weststrecke fahren. Güterzüge, deren Räder, Achsen und Bremsen nicht mehr den neuesten deutschen und europäischen Verordnungen gegen Lärm entsprechen, stellen eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner dar“, erklärt Schölch-Mundorf für die Sozialdemokraten.

Video von fahrendem Zug in Pallien bei youtube

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehe bereits ab nächtlichen Pegeln von 55 dB(A) im Außenbereich von einer Gesundheitsgefährdung aus und fordere einen medizinisch abgeleiteten langfristigen Zielwert von 40 dB(A). Hierbei sei noch nicht berücksichtigt, dass sich der durch den Schienengüterverkehr erzeugte nächtliche Lärm aufgrund der hohen Spitzenpegel und dem schnellen Pegelanstieg des Geräuschs im Hinblick auf Aufwachwahrscheinlichkeiten als besonders problematisch darstelle, heißt es in der Presseerklärung weiter.

Grundsätzlich habe die WHO folgende Grenzwerte „am Bett eines Anliegers“ festgelegt: Nachtruhe 30 dB(A) (als Mittelungspegel) zwischen 22 und sechs Uhr. Güterzüge erzeugen einen Geräuschpegel von bis zu 85 dB. Mit einer Geschwindigkeitsreduzierung auf 50 km/h könnten die Spitzenpegel um sechs dB(A) reduziert werden, bei einer Tempobegrenzung der Güterzüge auf 30 km/h bei Durchfahrten durch Wohngebiete wie in Trier-West/Pallien in unmittelbarer Nähe der Häuser sogar entsprechend mehr. Betriebsbeschränkungen, das heißt Geschwindigkeitsbegrenzungen seien rechtlich möglich, betont Schölch-Mundorf.

Seit November 2013 liege nun eine schriftliche und veröffentliche Antwort des EU-Verkehrskommissars und Vizepräsidenten der Kommission Siim Kallas vor, die als offizielles Statement der Kommission gewertet werden könne. Darin hieße es unter anderem: „Unter Berücksichtigung der geltenden Rechtsvorschriften der EU ist die Kommission der Auffassung, dass die nationalen Maßnahmen zur Bekämpfung der Geräuschemissionen von Güterzügen wie Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Fahrbeschränkungen zu bestimmten Tages- oder Nachtzeiten nicht gegen den Grundsatz des freien Verkehrs von Waren und Dienstleistungen verstoßen, wenn sie gleichermaßen für alle Betreiber von Güterzügen für Fahrten durch das nationale Hoheitsgebiet – unabhängig von der Herkunft der Betreiber – gelten und wenn sie keine erheblichen Auswirkungen haben, die den Grundsatz des freien Verkehrs in Frage stellen. Vor diesem Hintergrund müssen alle nationalen Regelungen im Einzelnen im Hinblick auf ihre Vereinbarkeit mit dem Unionsrecht geprüft werden.“ Zum gleichen Ergebnis komme der Bahnrechtsexperte Prof. Dr. Urs Kramer von der Universität Passau in seinem Gutachten für das Umweltministerium Rheinland-Pfalz.

„So fordern wir als SPD Trier-West/Pallien vom Eisenbahnbundesamt beziehungsweise der Deutschen Bahn AG einen sofortigen Erlass einer Geschwindigkeitsbegrenzung für Güterzüge auf Tempo 30 bei den Durchfahrten auf der Weststrecke zwischen Trier-Ehrang und Euren durch unsere Wohngebiete links der Mosel Triers zur Reduzierung der Lärmbelästigung insbesondere während der Nacht. Gleichzeitig begrüßen wir die geplante S-Bahn auf der Weststrecke, die auch zu einer Entlastung des Stadtteils vom Durchgangsverkehr mit PKW führen wird. Moderne Triebwagen mit geringen Geschwindigkeiten zwischen den Haltestellen entsprechen den heute gültigen Grenzwerten für Lärm. Wir kritisieren, dass die Deutsche Bahn als Betreiberin der Weststrecke die Anwohner unseres Stadtteils Trier-West/Pallien nicht über die derzeitige Nutzung der Weststrecke durch Güterzüge insbesondere während der Nacht vorab informiert hat“, schreibt Schölch-Mundorf.

In einem Antwortschreiben an die Bundestagsabgeordnete Katarina Barley (SPD) vom 24. März 2014 habe die Deutsche Bahn AG Saarbrücken noch mitgeteilt: „Durch die beschränkte Besetzungszeit des Stellwerkes Trier West von circa 6.30 Uhr bis 18 Uhr findet zurzeit abends und nachts planmäßig kein Güterverkehr statt.“ Die SPD gehe davon aus, dass diese Zusage der DB AG gelte und fordert für wegen Bauarbeiten notwendige befristete Umleitungen von Güterzügen über die Weststrecke eine Tempobegrenzung auf 30 km/h zur Begrenzung der Lärmbelästigung der Anwohner. (red/et)

12 KOMMENTARE

  1. Wie gut, dass diese Geschichten VOR der Kommunalwahl in zwei Wochen aufgegriffen wurde – ansonsten habe ich meine Zweifel, ob so schnell eine gewünschte Reaktion erfolgt wäre. Aber zumindest in Wahlkampfzeiten erinnern sich Politiker und Parteien daran, dass man das lästige Volk manchmal doch braucht!

  2. Frau Barley scheint noch nicht recht in Berlin angekommen zu sein. Die SPD ist doch Teil der Regierung. Warum spricht Frau Dr. Barley nicht mal mit den Kollegen im Verkehrsministerium in Berlin (CSU), dem Verkehrsminister oder der Staatskanzlei in Mainz (alle SPD). Manigfaltige Möglichkeiten und alle besser als populistische Forderungen zu stellen und sonst nichts zu tun. Billigstes Wahlkamofmanöver des Jahres!

  3. Ich weiss nicht, was manche Politiker sich vor der Kommunalwahl alles einfallen lassen, damit sie oder Ihre Partei in aller Munde Sind , aber die Idee von Tempo 30 ist schon technisch nicht machbar, weil Güterzüge im Blockabstand fahren und der langsame Zug einen Block dann zulange belegen würde und es unwirtschaftlich würde. Ausserdem ist das mit den Anfahrzeiten der Bahnübegänge in Euren/ Eisenbahnstrasse und Zewen,Kantstrasse nicht vereinbar, da dort auch eine Mindestgeschwindigkeit eingehalten werden muss, damit die Technik einwandfrei funktioniert.

  4. Also ich bin auch betroffener, früher als es noch keine Nachtfahrenden Züge gab, freute man sich auf den Zeitraum so gegen 20 – 6 Uhr weil dann wurde es eher ruhig durch Strassenverkehr und Bahn gewesen. Seit dem die doofe DB jetzt ihre Züge auch nachts über ihre Gleise jagt, hat man garkeine Erholung mehr. Oft wird man aus dem Schlaf gerissen. Seit dem hat sich meine Leistung auf der Arbeit auch stark minimiert man kann echt nicht gut Schlafen bei dem Lärm und an den „Lokführer“: Schlafen Sie mal nachts in unserem Bereich, dann wissen Sie wie unangenehm das ist..

    • Schlauberger. Wer lesen und schreiben kann , ist klar im Vorteil. Ich wohne seit 50 Jahren nur 8 Meter von den Gleisen der Westtrasse entfernt. Also was wollen Sie mir erzählen????

  5. Ein Wahnsinn was sich da abspielt. Die Leute können einem echt Leid tun. Hier oben auf der Höhe bekommt man davon kaum etwas mit, aber wenn man das Bild sieht kann man nur sagen: grausam!

  6. Also an den Zugverkehr habe ich mich in den 1,5 Monaten bereits gewöhnt, aber an den andauernden Straßenlärm kann ich mich immer noch nicht gewöhnen. Somit fordere ich immernoch Tempo 30 für Autos von 22 – 6 Uhr! Mit installiertem Blitzer um ganz böse zu sein. Oder einfach mal den Belag in der Luxemburger Straße erneuern.

  7. Du bist ja mit Sicherheit Lokführer, aber scheinbar noch zuviel Dampflok gefahren und das Hirn verraucht…..

  8. Diese Forderungen der SPD klingen ja ganz nett und sind bestenfalls gut gemeint. Mehr aber auch nicht. Ich habe mich als Anwohner direkt ans Eisenbahnbundesamt gewendet. Dort heißt es mit Verweis auf §14 AEG dass „Eisenbahnen einen rechtlich verbrieften Anspruch darauf haben, zu jeder Tages- und Nachtzeit auf jeder beliebigen Eisenbahnstrecke zu fahren. Vorhandene Schienenwege haben Bestandsschutz, dürfen also jederzeit in vollem Umfang genutzt werden.“ Somit klingen die SPD Parolen für mich eher nach Wahlkampfgetöse. Wenn nicht, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

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