Kammermusik auf holländisch

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Bildquelle: Gerhard W. Kluth

TRIER. Einen Treffpunkt hatten Freunde der etwas anderen klassischen Musik am Sonntag, 11. Mai, in der Europäischen Kunst Akademie in Trier. Dort gab es eine Matinee, gestaltet vom ersten und einzigen Reedquintet Deutschlands, dem Ensemble TrèvesPunkt. Auf dem Programm stand unter anderem die Uraufführung von vier Spielstücken des Trierer Komponisten Joachim Reidenbach.

Von Gerhard W. Kluth

Ein Reedquintet, also ein Ensemble, das aus Oboe, Klarinette, Bassklarinette, Fagott und Saxophon besteht, ist in Deutschland wenn nicht unbekannt, so doch ungebräuchlich. Anders sieht das bei unseren westlichen Nachbarn in den Niederlanden aus. Dort kennt und liebt man diese Klangmischung, die durch keine andere Instrumentenkombination erreicht werden kann. Der niederländische Sänger und Saxophonist Nico Wouterse, vielen als Bariton am Trierer Theater bekannt, hat diese Ensembleform aus seiner Heimat mitgebracht und mit vier begeisterten Kollegen 2012 die Gruppe TrèvesPunkt gegründet. Mit dabei sind die Oboistin Linda Ciarelli, der Klarinettist Lothar Breitmeier, Pawel Czekala mit seiner Bassklarinette und Joachim Gruber, der den Fagottklang beisteuert.

Als Spielstätte hatte sich Wouterse einen Raum ausgesucht, der in Trier als Konzertsaalviel zu wenig Beachtung findet. Die Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie an der Aachener Straße bietet nicht nur ein ansprechendes Ambiente, sondern auch eine gute Akustik für Kammerkonzerte. Sie fordert zwar die Musiker, wenn diese sich aber darauf einlassen und mit dem Raum musizieren, ist es ein Gewinn. Für das Matineeprogramm hatte Wouterse einige Klavierwerke bearbeitet und überraschte auf diese Weise das Publikum. So kamen etwa die „Dolly Suite“, Opus 56, von Gabriel Fauré oder auch die „Jeux d‘enfants“ von Georges Bizet in Auszügen in ganz neuem Klanggewand daher. Wouterse folgt dabei einer alten musikalischen Gewohnheit. Schon in der Barockzeit haben Komponisten immer wieder eigene oder auch fremde Werke so eingerichtet, dass sie zum vorhandenen Instrumentarium passten. Johann Sebastian Bach etwa hat sogar Violinkonzerte von Antonio Vivaldi als Orgelwerke bearbeitet.

Natürlich kennt man die Kinderszenen von Bizet. Sie sind als Komposition für Klavier zu vier Händen oft in Konzertprogrammen zu finden. Hier aber, in der Bläserversion, hörte man ganz neu hin, bekamen die Charaktere der einzelnen Sätze ein ganz neues Gesicht. Das Wiegenlied für „Die Puppe“ hatte eine ungemein ruhige Ausstrahlung, der Dialog zwischen Vater und Mutter (Petit mari, Petite femme), geführt von Oboe und Fagott, war spritzig und ironisch und der Kinderball wurde tatsächlich zu einem rauschen Fest des Klanges. Gleiches galt für Faurés Suite, die im Original ebenfalls für Klavier zu vier Händen verfasst ist. Möglich war dies natürlich nur deshalb, weil alle Musiker meisterhaft mit ihren Instrumenten umzugehen verstanden und das Zusammenspiel als Team absolut im Vordergrund stand. Das Quintett spielte sich gegenseitig die Bälle zu und führte intensive Dialoge, denen man mit Freude folgen konnte. Kammermusik vom Feinsten und in dieser Klangkombination für viele eine ganz neue Erfahrung.

Eine neue Erfahrung waren auch die vier konzertanten Spielstücke für Klarinette und Tuba, die Reidenbach für diese Matinee geschrieben hatte. Welch eine gewagte Kombination, mag manch einer gedacht haben. Wer jedoch meinte, die Tuba sei ein schwerfälliges, ungelenkes Instrument mit nur minimalen solistischen Möglichkeiten, der wurde durch den Tubisten Jürgen Lejeune und durch die Reidenbachsche Tonsprache sehr schnell eines Anderen belehrt. Alle vier Sätze waren geprägt von einem humorvollen, teilweise ironischen Dialog, den Breitmeier und Lejeune zu führen hatten. Ein Wort gab das Andere und manchmal hatte man den Eindruck, jeder wollte das letzte Wort haben. Und an manchen Stellen meinte man erkennen zu können, wie Reidenbach bei der Arbeit grinsend an seinem Schreibtisch saß.

TrevèsPunkt hat seinen Gästen einen höchst vergnüglichen Morgen bereitet, bei dem durch humorvolle Musik auf technisch hohem Niveau die grauen Wolken, die den Himmel füllten, schnell zur Nebensache wurden. In der Akademie herrschte sonnige Stimmung. Was will man mehr?

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