„Bewährung auf des Messers Schneide“

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WITTLICH. Die beiden jungen Männer aus dem Vulkaneifelkreis, die sich vor dem Amtsgericht in Wittlich für mehrere Straftaten verantworten müssen, kommen noch einmal glimpflich davon. Die Strafen lauten ein Jahr und sechs Monate Haft für den Jüngeren der beiden, der Ältere erhält eine Strafe von einem Jahr und einem Monat. Aber beide bekommen noch einmal die Chance zur Bewährung.

Von Nora John

Dabei ist die Tat, für die sie sich hier verantworten müssen, spektakulär. Sie haben sich am 1. Dezember des vergangenen Jahres eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert, die es in sich hatte. Den Polizisten waren die beiden jungen Männer aufgefallen, weil sie ohne Helm und ohne erkennbares Kennzeichen unterwegs waren. Zunächst entzogen sich der 19-Jährige, der das etwa zwei Wochen zuvor gestohlene Quad lenkte, und sein 23-jähriger Beifahrer, der Kontrolle, indem sie auf einen Feldweg abbogen und sich versteckten.

Als sie sich sicher fühlten und weiterfuhren, stießen sie dennoch auf die Polizei, die die Verfolgung aufnahm. Was dann folgte, klingt nach einer Szene aus einem Actionfilm. Die jungen Männer fuhren mit hoher Geschwindigkeit von bis zu 90 Stundenkilometern durch die Ortschaften, über einen Waldweg und durchquerten sogar einen Bach. Als die Polizisten überholen wollten, rammen die jungen Männer mit ihrem Quad das deutlich stärkere Polizeifahrzeug.

Die wilde Jagd endet erst vor einer Mauer, der Motor des Quad geht aus, die Männer flüchten zu Fuß. Bei der Festnahme wehren sie sich zunächst, lassen sich dann aber fixieren.

Vor dem Amtsgericht in Wittlich müssen sie sich nun wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl, Widerstand gegen die Polizei sowie versuchter Körperverletzung verantworten. Dazu kommen noch Unerlaubter Waffenbesitz, weil die Polizei bei dem Jüngeren einen Schlagring, einen Schlagstock und eine selbstgebaute Schusswaffe fand. Der Ältere hatte zwölf Gramm Cannabis zuhause.

Der jüngere von ihnen spricht leise und antwortet nur zögernd. Warum er diese aussichtlose Fahrt unternahm, kann er nicht mehr sagen. Sein Freund ist deutlich gesprächiger und erläutert den Tathergang. Aber auch er kann nicht wirklich erklären, warum sie so viel gewagt haben, um der Polizei zu entkommen.

Wie dramatisch die Verfolgungsjagd war, bestätigt ein Zeuge von der Polizei: „Die wollten flüchten um jeden Preis.“

Richter Franz Josef Thul beschäftigt sich auch lange mit der Vergangenheit und dem Leben der beiden Männer. Beide sind vorbestraft und hatten zur Tatzeit Bewährungsauflagen. Dennoch ist es dem 19-Jährigen gelungen, eine Lehrstelle zu finden. Dort zeigt er sich begabt und sein Arbeitgeber möchte den Auszubildenden halten. Der 23-Jährige dagegen hat keine Lehrstelle und auch zuvor keine Ausbildung beendet. Die vergangenen sechs Monate hat er in Untersuchungshaft verbracht. Eine Zeit, die ihn wohl laut Bewährungshelferin und Anwältin nachdenklich gemacht hat.

Deshalb bekommen beide Männer eine weitere Chance. Aber es ist laut Thul eine Entscheidung „auf des Messers Schneide“. (nojo)

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