Gastbeitrag: Der Wolf ist zurück in unserer Großregion

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METZ/TRIER. Machen ausgehungerte Wolfsrudel Eifel und Hunsrück unsicher? Ist der „Traumschleifen-Wanderer“ (Anm. d. Red.: Die Traumschleifen sind Wanderwege rund um den Saar-Hunsrück-Steig) in Gefahr, nicht mehr vom Sonntagsspaziergang zurückzukommen? Dies ist wohl kaum zu befürchten.

Von Andrea Kockler

Ja, Wölfe sind Fleischfresser. Und, ja, es kommt vor, dass sie auch Nutztiere reißen, wenn es sein muss – Schafe oder Ziegen können leichte, verlockende Beute sein. Aber das Beutespektrum der heimischen Wölfe umfasst dann doch eher das reichlich vorhandene Reh-, Rot- und Schwarzwild, Kaninchen, bis hin zu „Kleinzeug“ wie Mäuse und Vögel. Dennoch ist eine übertriebene Panikmache völlig unangemessen.

Das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf kennt zwar jeder, doch in Wahrheit geht der Wolf dem Menschen lieber aus dem Weg – wenn man ihn denn lässt. Früher war das anders: Im Mittelalter und der frühen Neuzeit, als es noch mehr Wald aber weniger Wild als heute gab, war der Wolf durchaus eine reale Gefahr für den Menschen, vor allem in den Wintermonaten, die damals meist deutlich strenger ausfielen als heute. Diese Zeiten sind zwar längst vorbei, aber die Märchen und Mythen um den „bösen Wolf“ sind doch noch in vielen Köpfen präsent.

Werfen wir doch einmal einen Blick über die (Landes-)Grenzen, denn in anderen europäischen Ländern gehören Wölfe nach wie vor zum Arteninventar:

In der nicht gerade dünn besiedelten Schweiz (193 Einwohner km²) reißen Wölfe zwischen 90 und 360 Nutztiere im Jahr. Und wie gehen die Schweizer Schafhalter damit um? Sie schützen ihre Herden, zum Beispiel mit Elektrozäunen und Herdenschutzhunden. Hier ist der Staat gefordert, den Betrieben beratend und mit finanziellen Hilfen zur Seite zu stehen. Dazu gehören auch Regelungen für Entschädigungen der Viehhalter für gerissene Schafe und Ziegen.

Übrigens: Auch in Deutschland gibt es längst wieder Wölfe – größtenteils unbemerkt von der Öffentlichkeit! Nachdem der Wolf Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet war, kamen die ersten neuen Wölfe bereits im Jahr 1996 wieder nach Deutschland. Im Jahr 2000 wurde schließlich der erste Nachwuchs in der Muskauer Heide in Sachsen geboren. Aktuell leben in ganz Deutschland vermutlich 50 bis 60 Wölfe, die meisten in der Lausitz (Sachsen und Brandenburg). Ein weiteres Rudel gibt es in Sachsen-Anhalt. Einzelne Hinweise auf Wölfe gibt es auch in Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Niedersachsen und Bayern.

Der Wolf aus Lothringen ist auf einem guten Weg – auf einem Weg, der von einer Politik wegführt wird, in der Flurbereinigung, Versiegelung und Straßenbau als Fortschritt gelten, hin zur langfristigen Idee einer lebenswerten Umwelt. Dass ein großer Beutegreifer wie der Wolf unbehelligt viele hundert Kilometer durch das dicht besiedelte Europa laufen kann, ist für uns ein gutes Zeichen dafür, dass die Vernetzung von Biotopen funktioniert – etwas, wofür nicht nur Naturschützer, sondern auch Landesregierungen und die Europäische Union mit Programmen wie Natura 2000 seit Jahren hinarbeiten.

Denn der Wolf ist ein äußerst anpassungsfähiges, soziales Tier und verfügt über ein großes Ausbreitungspotenzial, da die Jungtiere oft über weite Strecken abwandern. Daher können wir uns schon einmal darauf einstellen, dass der Wolf in den kommenden Jahren auch in Rheinland-Pfalz wieder seinen Platz finden wird – wie Luchs und Wildkatze, zwei Arten, die ebenfalls fast ausgerottet wurden, mittlerweile jedoch wieder fester Bestandteil der deutschen Wälder sind.

Wichtig für die erfolgreiche Wiederbesiedlung Deutschlands durch den streng geschützten Wolf ist dessen Akzeptanz und Toleranz in der Bevölkerung, bei Nutztierhaltern und in der Jägerschaft. Hier muss die Devise lauten: Aufklärung statt Stimmungsmache, denn unsere Wälder sind groß genug auch für den Wolf.

Links zum Nachlesen:

http://www.gruppe-wolf.ch/index.php?page=5&subpage=1

http://www.bund-naturschutz.de/themen/artenbiotopschutz/wolf.html

http://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/merkblaetter/p_37807.pdf

1 KOMMENTAR

  1. Ja die Schweizer können mit dem Wolf umgehen.
    Sie schießen die nervigsten Tiere ab,es ist im Gesetz klar geregelt, wenn ein Wolf so und soviel Nutztiere gerissen hat, wird er geschossen. Mein Mann hat mehrere Jahre in der Schweiz gelebt, und während dessen wurden drei Wölfe in der Nähe erlegt. Die Schweizer haben wenigstens einen Plan und verhätscheln den Wolf nicht als Kuscheltier wie der NABU in Deutschland.

  2. Schöner Beitrag!

    Ich begrüße die Rückkehr des Wolfes auch. Doch kann ich auch die Befürchtungen und Sorgen der Schafhalter_innen verstehen. Bislang sind die Entschädigungszahlungen vielerorst noch nicht gegeben und die Schutzmaßnahmen durch Zäune und Herdenschutzhunde werden noch nicht in allen Regionen, in denen Wölfe bislang wieder anzutreffen waren finanzielle gefördert. Man sollte sich im Klaren sein, dass Schäfer_innen keine besonders finanzstarke Berufsgruppe sind und ihre Leistungen für das Gemeinwohl (Landschaftspflege) immer noch viel zu wenig wert geschätzt wird, was sich auch in der Bezahlung dieser Leistungen zeigt.
    „Wir“ müssen erst einen toleranten Umgang mit Wölfen erlernen und können dazu auch mal Erfahrungen aus Osteuropa, wo der Wolf nicht ausgerottet war einholen. Sicher, auch dort wurde nicht immer und überall ein „friedlicher“ Umgang mit Beutegreifern wie Wölfen gepflegt, aber es gibt auch dort andere Umgangspraxen zu finden.

    Übriegns gibt es in Niedersachsen bereits drei sesshafte Rudel, ein sesshaftes Paar und ein territorialer Einzelwolf. Quelle: http://www.wildtiermanagement.com/wildtiere/haarwild/wolf/wolfsnachweise_in_niedersachsen/)

  3. Schafhalter_innen und Schäfer_innen, schmunzel dann geht es doch Ihnen wohl um den/ die Wolf_innen. Man man man und nun gibt es Wölfe und Luchse aber keine Löwen wir haben noch keine Löwen in der Gegend.

  4. Interessante Diskussion!
    Natürlich kann und soll man die begründeten Sorgen und Anliegen von Schafhalterinnen und -haltern berücksichtigen! Ein „Verhätscheln“ hat niemand im Sinn, weder der NABU noch der BUND. Wie soll das überhaupt gehen? Die Wölfe sind viel zu scheu, um sie zu verhätscheln! Aber diese Interessen sind regulierbar, wie die Erfahrungen zum Beispiel aus der Schweiz zeigen – und sie müssen staatlicherseits geregelt werden, keine Frage.
    Die Tatsache, dass sich mehrere Dutzend Wölfe im Bundesgebiet aufhalten, dass sie abwandern, wenn die Populationsdichte zu hoch wird, und dass selbst in dichter besiedelten Regionen noch nicht von Wolfsüberfällen auf einsame Dörfer berichtet wurden, berechtigt meiner Meinung die Naturschützer/innen zu der Frage, wie groß das Problem denn tatsächlich überhaupt ist. Berechtigte, belegbare Interessen von Landwirten und Schäfern sind eine Sache – die Mythologisierung des großen, bösen Wolfs ist eine ganz andere. Genau dagegen sprechen wir uns aus.

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