Karl-Marx-Figuren: Von Trier in die ganze Welt

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TRIER. Vor genau einem Jahr feierte Karl Marx seinen 195. Geburtstag. Künstler Ottmar Hörl baute pünktlich zu diesem Termin eine Installation von 500 Marx-Figuren auf dem Vorplatz des Trierer Wahrzeichens Porta Nigra auf. Ein Jahr später wandern acht der Figuren in die Trierer Partnerstädte – und damit in alle Himmelsrichtungen.

Sie waren vor rund einem Jahr der Hingucker in der Trierer Innenstadt und in aller Munde. Egal ob als häßliche Gartenzwerge oder einfarbige Nikoläuse bezeichnet – gemeint waren immer die rund ein Meter großen Karl-Marx-Figuren des Künstlers Ottmar Hörl. Die 300 Euro teuren Figuren waren auch ein begehrtes Diebesgut. Unvergessen der dreiste junge Mann, der eine Marx-Figur in aller Seelenruhe über die Konrad-Adenauer-Brücke trug, von der Polizei erwischt wurde und angab, diese als Wohnzimmerdekoration mitgenommen zu haben.

Die acht Figuren, die heute an die Vertreter der Trierer Partnerstädte übergeben wurden, werden wohl eher nicht als Dekoration in einem Wohnzimmer landen, sondern sollen über die Trierer Grenzen hinaus für den wohl bekanntesten Sohn der ältesten Stadt Deutschlands werben. Dafür gab es bei der Übergabe ein „Echtheits-Zertifikat“ wie der Vorsitzende der „Kulturstiftung Trier“, Harry Thiele betonte. „Das haben diejenigen, die die Figur geklaut haben, nicht“, erlaubte er sich zudem einen Seitenhieb auf die Diebe der weit über 50 geklauten Mini-Marxe. 18 000 Euro Schaden entstanden so, auch der Kulturstiftung gingen 3 000 Euro verloren. Denn von jeder verkauften Marx-Figur wanderten 50 Euro in die Förderung kultureller Projekte in Trier. Eine Spende von Hörl und seinem Galerist Christoph Maisenbacher. „Damit haben die Diebe nicht nur dem Künstler, sondern auch der Stadt Trier geschadet“, betonte Maisenbacher. Der Galerist stand für Hörl, der sich aus beruflichen Gründen entschuldigen ließ, Rede und Antwort.

Anschließend wurden die Statuen in einer feierlichen Verleihung an die Vertreter der Städte Ascoli Piceno (Italien), Metz (Frankreich), Pula (Kroatien), ’s-Hertogenbosch (Niederlande), Gloucester (England), Fort Worth (USA), Weimar, Nagaoka (Japan) und Xiamen (China) übergeben. Diese können an die Kollegen der Partnerstädte verschenkt werden. Damit soll auf den 200. Geburtstag von Karl Marx im Jahr 2018 hingewiesen werden. Harry Thiele betonte in diesem Zusammenhang den gesellschaftlichen und historischen Wert der Städtepartnerschaften. „Die Trierer waren besonders dankbar, als ihnen nach den schlimmen Erfahrungen des letzten Krieges von Metzer Seite aus die Hand  zur Freundschaft gereicht wurde. 30 Jahre später, 1987, waren es die Einwohner der texanischen Stadt Fort Worth, die die Bande nach Trier knüpften.“ Einen besonderen Wert habe die Städtepartnerschaft mit der Goethe- und Schillerstadt Weimar, wie Thiele betonte. Vor und nach der Wende 1989 erlebte und gestaltete Trier in beeindruckender Weise ein Stück deutscher Geschichte mit.

In diesem Sinne stehen die Trierer Partnerstädte für gelebte, bürgerschaftliche Kultur. „Versehen Sie das Überreichen der Kunstwerke bitte auch als ausdrückliche Wertschätzung Ihrer Arbeit“, so Thiele bei der Übergabe an die anwesenden Repräsentanten der Partnerstädte.

Zum Abschluss überreichte Thiele zudem die Stifterplatten der Kulturstiftung an Maisenbacher, der diese auch im Namen von Ottmar Hörl entgegen nahm. Damit bedankte sich die Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat Kunst und Kultur in Trier zu fördern und zu bewahren, für die großzügige Spende. (PM/cw)

1 KOMMENTAR

  1. Ins KARL MARX VIERTEL Trier würde so ein kleiner Roter auch gut passen, nicht wahr? Stelle kostenlosen Stellplatz zur Verfügung :)…
    Gut, dass Trier seinen berühmten Sohn jetzt mehr schätzen will – wir hoffen, diese Wertschätzung ebenso bald genießen zu dürfen!
    Das KARL MARX VIERTEL gehört zur Innenstadt!
    Wir sind kult.

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