Willis Korbleger – Meine Verbeugung vor „His Coolness“

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Portrait von Willi Rausch

„Bo bleib do“, stand auf einem Spruchband, das Anhänger von Steiner Bayreuth beim fünften und entscheidenden Spiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft 1989 gegen Bayer Leverkusen in der Oberfrankenhalle ausgerollt hatten. Gemeint mit dieser in fränkischer Mundart formulierten Bitte war Publikumsliebling Alvin „Bo“ Dukes, der nur 168 cm große Wirbelwind auf der Spielmacherposition, der die ganze Liga verzückte. Sein Vertrag lief mit diesem Spiel aus, ganz Oberfranken wünschte sich nichts sehnlicher, als sein Bleiben. Bayreuth wurde Meister, aber der „Spiritus Rector“ ging.

An diesen Alvin „Bo“ Dukes muss ich denken, jetzt wo die Saison 2013/14 in der Bundesliga zu Ende ist. Warum? Weil mich die Situation in Trier ein wenig an die in Bayreuth erinnert. Weil ich mir wünsche, dass auch der „General“ der TBB bleibt. Auf Trevon oder Hughes findet sich leider nichts, das zu einem Reim taugt. Also unternehme ich den Versuch, dich, den besten Trierer der abgelaufenen Saison, mit diesen Zeilen zum Bleiben zu bewegen – und die, die es beeinflussen können und es letztendlich auch zu entscheiden haben.

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Ich bitte stellvertretend für einige – pardon, Ahnungslose – um Verzeihung, die deine Qualitäten erst erahnt haben, als du (einmal) vom Jetlag gebeutelt, deine Leistung nicht abrufen konntest. Um Verständnis bitte ich – erneutes Pardon – für immer noch Ahnungslose, deren Prozess der Erkenntnis gar Zeit bis zu deinem verletzungsbedingten Ausfall erforderte, ehe ihnen vor Augen geführt wurde, welch großartiger Spieler du bist.

Du hast deinen Wechsel in die BBL genutzt, um dich ins Rampenlicht zu katapultieren. In Litauen hast du zwar auch schon dein Können gezeigt – aber in welchem Umfeld? Überwiegend in zugigen und fast leeren Hallen vor meist trauriger Kulisse gegen oft hoffnungslos unterlegene Gegner. Und dann der Sprung in die BBL – was die Professionalität, das Drumherum und die Begeisterung angeht, in eine andere Welt. Für einen wie dich genau die richtige Bühne.

Ich darf an dein bestes Spiel im Trierer Trikot erinnern – vor wenigen Wochen gegen die Telekom Baskets Bonn. Einer jener Tage für Basketballfans, an die sie sich noch Jahre später erinnern, weil ein Akteur irgendwann während eines Spiels für sich und das Team die Entscheidung getroffen hat, „das Ding“ alleine klar zu machen.

Wir Basketballfans in Trier kennen solche Sternstunden. Wenn du es nicht glaubst, frage deinen Coach Henrik Rödl. Die Protagonisten dieser zurückliegenden Ereignisse heißen Sascha Belostennyi, Sergej Babkov, Carl Brown, Bernard Thompson, Keith Gray und BJ McKie – ich hoffe, ich habe keinen vergessen.

Du hattest diese Sternstunde gegen Bonn. Nicht nur wegen deiner beeindruckenden Statistiken – 16 Punkte, acht Assists, vier Rebounds, drei Steals – sondern vor allem wegen der Art und Weise, in der du dieses Spiel entschieden hast. Mit unnachahmlicher Eleganz und einer Mimik, die jedem Pokerspieler zur Ehre gereicht hätte. Mit katzenhafter Gewandtheit hast du deine Gegenspieler umkurvt, traumhafte Dribblings aufs Parkett gezaubert, deine Mitspieler mit No-Look-Pässen gefüttert und Körbe in Schräglage erzielt.

Ich darf mich als dein Fan der ersten Stunde outen – weil es für mich nichts Schöneres gibt, als einem Klasse-Basketballer zuzuschauen, der auch noch Ästhet ist.

Nach diesem Spiel gegen Bonn habe ich dir den Spitzenamen „His Coolness“ verpasst. Du heißt jetzt also Trevon „His Coolness“ Hughes. Ich hoffe, der Name gefällt dir. Da mir schon kein Reim einfällt, um dich zum Bleiben zu bewegen, tut es vielleicht der „Adelstitel“.

Ich hoffe, bis bald, dein Fan Willi

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1 KOMMENTAR

  1. „Bleiw bei uhs, Hughes“, reimt der Saarländer in mir spontan. (Dort zeugt es auch nicht von mangelndem Respekt, sich beim Nachnamen anzureden…)

  2. Hallo Herr Rausch ,
    Super Kolumne, wenn der Adelstitel reich das
    Hughes bleibt könnten Sie versuchen Nate Linhart
    mit einem Titel zurück zuholen.

  3. „Ich darf mich als dein Fan der ersten Stunde outen – weil es für mich nichts Schöneres gibt, als einem Klasse-Basketballer zuzuschauen, der auch noch Ästhet ist.“
    Ich auch.
    Ein wunderbarer Artikel, der auch die Hughes-Kritiker (die hoffentlich weniger geworden sind) thematisiert und der die Faszination die dieser Spieler ausübt bestens beschreibt. Und es gab und gibt tatsächlich Leute, die ihm Teilnahmslosigkeit und mangelnde Identifikation mit dem Team vorwerfen, nur weil er das nicht theatralisch mimisch ausdrückt. Ich habe, neben den beschriebenen herausragenden technischen Fähigkeiten, tollem Teamplay und einer herausragenden Basketballintelligenz bei Trevon Hughes immer höchsten Einsatz und großartigen Kampfgeist gesehen. Was für eine Defense, und die meisten Steals in der Liga – es wäre phantastisch, wenn wir ihn noch länger in Trier sehen könnten. Please stay, Trevon Hughes!

  4. Mit der Nachricht bezüglich der Auflagen zu einer Lizenzerteilung dürfte wohl klar sei, das Hughes auf keinen fall bleibt. Wenn überhaupt einer bleibt und gespielt wird!!!

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