„Auf die Knie zwingen, nicht umlegen“

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Bildquelle: florentine/pixelio.de

TRIER. Am Mittwoch, 30. April, wurde die Verhandlung gegen den 30-jährigen Dimitry J. fortgeführt. Dem gebürtigen Russen wird vorgeworfen, am 26. Mai des vergangenen Jahres zwei Bekannte mit einem Messer sowie einer Axt schwer verletzt zu haben. Er muss sich daher unter anderem wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten (lokalo berichtete).

Im Mittelpunkt dieses Verhandlungstages standen Zeugenvernehmungen. Zunächst sagte die 32-jährige Nathalie W. aus, die Freundin von Viktor K., welcher am Tattag lebensbedrohlich verletzt worden ist. Sie berichtete, dass sie mit Victor K. nun seit drei Jahren zusammen sei. Von seinem Streit mit dem Angeklagten Dimitry J. habe sie auf der Säubrennerkirmes erfahren, auf der es bereits vor dem Tattag zu einer ernsten Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern gekommen war. „Dmitry kam auf der Kirmes zu uns und wollte mit Victor sprechen. Ich weiß nicht worüber, aber ich stellte mich in ihre Nähe um das Gespräch mitzuhören. Ich bekam mit wie Dimitry zu Victor sagte, dass er ihm die Beine herausreißen werde. Dann schlugen die beiden aufeinander ein. Zum Glück kamen nach kurzer Zeit andere Kirmesbesucher, die die beiden trennten.“

Richter Armin Hardt erkundigte sich anschließend danach, was die Frisörin zu der angeblichen Affäre zwischen ihrem Freund Viktor und einer gewissen Tatjana S. sagen könne. Nathalie W. antwortete: „Das Thema ist.“ Weiter könne sie dazu nichts sagen.

Im Lauf der Vernehmung wurde deutlich, dass Victor K. mehrere Feinde in Wittlich hat. Nathalie W. bestätigte dies immer wieder. Zu dem Streit, bei dem ihr Partner schwer verletzt worden ist, sagte die Frau, dass sie an dem Tag einen gemeinsamen Freund angerufen habe, um sich nach den vorgefallenen Geschehnissen zu erkundigen. „Ich rief ihn an, weil ich Viktor nicht erreichen konnte. Er schrie auf einmal ganz laut in das Handy ‚Wozu das Messer, Dimitry?‘. Ich hatte Panik und dachte Dmitrij ersticht Victor. Im Krankenhaus hatte ich dann endlich lange Zeit später die Gelegenheit, mit meinem Freund zu sprechen. Er konnte jedoch nur wenig sagen aufgrund seiner schweren Verletzungen. Er entschuldigte sich dafür, dass er mich und seine Eltern in solche Panik versetzt hatte.“

Der zweite Zeuge war Valerij D., ein 36-jähriger Mann der sich zurzeit in der JVA Frankenthal in Untersuchungshaft befindet. Er sagte, dass er den Angeklagten seit ca. eineinhalb Jahren kenne. Richter Hardt sprach ihn auf das Telefonat an, welches er mit dem Angeklagten geführt hatte. In diesem sprechen beide Männer über Victor K. und ihre Abneigung gegen ihn. Valerie D. betonte, dass er sich nicht an das Gespräch erinnern könne. Die Verfahrensbeteiligten entschieden sich dazu, dem Zeugen das Gespräch in russischer Sprache vorzuspielen. Ein Dolmetscher übersetzte jedes Wort und D. erinnerte sich wieder an das Telefonat. An dieser Stelle wurde wie bereits an einem der letzten Verhandlungstage darüber diskutiert, ob der Angeklagte Dmitrij J. in dem Gespräch ankündigt, dass er Viktor K. „umlegen“ oder ihn lediglich „auf die Knie fallen lassen“ wolle. Der Übersetzer sagte, dass er das Wort „umlegen“ in der russischen Sprache nicht gebe. Dmitrij J. zeigte Richter Hardt einen Wörterbuch-Ausschnitt, mit dem er beweisen wollte, dass er K. keineswegs „umlegen“, also töten wollte. „Ich wollte ihn auf die Knie zwingen, nicht umbringen!“

Hans Peter N., ein 77-jähriger Rentner aus Wittlich, war als Zeuge geladen, weil er das Messer gefunden hatte, mit dem der Angeklagte auf das Opfer eingestochen haben soll. „Ich habe die Straße gekehrt, als ich auf einmal das Messer im Gebüsch sah! Einige Tage später habe ich dieses dann einem befreundeten Polizeibeamten ausgehändigt.“

Waldemar W., ein Polizeibeamter aus Wittlich, hatte früher neben der Familie von Victor K. gewohnt und war mit dem Bruder des Opfers befreundet. „Igor, Viktors Bruder, hat mich eines Tages auf der Straße angesprochen. Er erzählte mir, dass ihn die ganze Geschichte sehr belaste. Er wusste dass ich einige Dinge am nächsten Tag berufsbedingt zur Anklage bringen musste. Igor war damit einverstanden. Am 10. November 2012 haben wir uns dann noch einmal getroffen. Er sagte mir, dass eine Zeugenbeeinflussung auf einen Freund von Viktor K. stattgefunden habe. Man hatte diesem angeblich mitgeteilt, dass man ihn bestrafen werde, sollte er vor Gericht Dinge aussagen, die Dimitry J. belasten könnten. “

Auch Clemens W. war ein interessanter Zeuge. Der 33-jährige Polizeibeamte aus Trier berichtete in seiner Vernehmung, dass man Victor K. bedroht und öfters „zur rede gestellt“ habe. Die Polizei Trier habe in diesem Punkt einige Feststellungen machen können. Er sprach von der „kriminellen Seite Wittlichs“, welche seiner Meinung nach sehr ausgeprägt ist: „Die Männer ’stellen sich gegenseitig unter Schuld‘ beziehungsweise „bitten sich gegenseitig zur Kasse“. So nennen sie die Bedrohungen, Bestrafungen etc.“

Die letzte Zeugin an diesem Verhandlungstag war die 33-jährige Partnerin des Angeklagten, Alessia H. Die Hausfrau ist wohnhaft in Wittlich und sagte, dass sie seit 2005 mit ihrem Freund zusammen sei. Beide haben eine gemeinsame Tochter, sie hat zudem noch einen Sohn aus einer vorigen Beziehung. An dem Tattag sei sie im Haus gewesen, während Dimitry J. draußen gearbeitet habe. „Auf einmal wurde es laut und ich konnte hören, wie Gegenstände umfielen. Durch ein Fenster konnte ich ein Auto sehen, welches vor dem Haus geparkt war. Ich ging hinaus und sah, dass sich Dimitry und Viktor schlugen. Beide lagen auf dem Boden und schlugen aufeinander ein. An dem PKW stand ein weiterer Mann. Ich sagte ihm, dass er die beiden auseinander bringen sollte. Er sagte aber lediglich, dass er sich nicht einmischen wolle. Später ist mein Freund dann mit anderen Männern weggefahren, wohin kann ich nicht sagen. Ich fand das Handy, dass einer der Männer in der Garage verloren hatte. Dimitry hatte es nicht mitgenommen. Nach einiger Zeit kam die Polizei und wollte wissen wo Dimitry ist. Ich rief ihn an und berichtete ihm dass die Polizei im Haus war und nach ihm verlangte. Zehn Minuten später kam er dann auch und wurde verhaftet.“

Am kommenden Montag, 5. Mai, soll die Verhandlung fortgeführt werden. Laura Dolfen

 

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