Gastbeitrag: Warum das G8 im Land funktioniert

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TRIER/MAINZ. Die meisten westlichen Bundesländer wollen wieder weg vom achtjährigen Gymnasium. Warum ist es in Rheinland-Pfalz so ruhig, während fast die ganze Republik eine turbulente Diskussion um das achtjährige Gymnasium/G8 führt? Das achtjährige Gymnasium wurde in allen westlichen Bundesländern – bis auf Rheinland-Pfalz – unter dem Primat der Ökonomisierung ohne entsprechende Beteiligung der Schulen von oben flächendeckend eingeführt. Bildung sollte schneller, effizienter und billiger werden. Das rächt sich nun.

Von Malte Blümke

Rheinland-Pfalz hat dagegen das achtjährige Gymnasium seit 2006 sehr behutsam eingeführt und dabei auf folgende Eckpunkte geachtet:

– Die verkürzte gymnasiale Schulzeit umfasst volle acht Jahre.

– Die von der Kultusminister-Konferenz (KMK) festgelegte Mindestzahl von 265 Jahreswochenstunden von Klassenstufe fünf bis zum Abitur wird eingehalten. Das bedeutet: Klassen fünf und sechs je 30 Wochenstunden; siebte Klasse 33 Wochenstunden; achte Klasse 34 Wochenstunden, neunte Klasse 35 Wochenstunden; Klassen zehn bis zwölf jeweils 35 Wochenstunden.

– Das Projekt erweiterte Selbstständigkeit von Schulen (PES), das den Vertretungsunterricht regelt, ist für die G8/GTS-Gymnasien verbindlich.

– Das fakultative Ganztagsschulangebot in den Klassen fünf und sechs und die verpflichtende Ganztagsschule in den Klassen 7 bis 9 bieten den Pflichtunterricht nach dem vorgesehenen Umfang an, darüber hinaus enthalten die insgesamt 42 Zeiteinheiten der Ganztagsschule Lerneinheiten für vertiefendes Lernen, zusätzliche Förderungen und Arbeitsgemeinschaften.

– Die G8/GTS Gymnasien erhalten finanzielle Unterstützung aus dem Ganztagsschulprogramm des Landes. Das bedeutet, dass die Lehrerzuweisung nach den Pflichtstunden erfolgt, zusätzlich erhalten die Schulen die Zuweisung für die Ganztagsschulen. Die Schulträger beteiligen sich an den baulichen Kosten, wobei das Land 70 Prozent der Kosten trägt. Die gymnasiale Oberstufe (MSS) wird im Rahmen der 35 vorgesehenen Wochenstunden pro Jahrgangsstufe (zehn bis zwölf) angepasst.

– Der Unterricht richtet sich nach den bestehenden Lehrplänen des neunjährigen Gymnasiums, die auf das G8-System übertragen werden.

– Die Stundentafeln bleiben erhalten, es soll aber eine stärkere Kontingentierung der Fächer erfolgen.

Während das oft auch als Turbo-Abitur bezeichnete achtjährige Gymnasium in den anderen westlichen Bundesländern überstürzt und ziemlich konzeptionslos flächendeckend eingeführt wurde, hat Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung seines Konzeptes auf Freiwilligkeit gesetzt. Alle schulischen Gremien und die Schulträger waren in der Konzeptentwicklung und Antragsstellung zur Einführung des achtjährigen Gymnasiums eingebunden. Heute gibt es von den 149 Gymnasien 19 Ganztagsgymnasien mit achtjährigem Bildungsgang, die erfolgreich das G8/GTS-Modell umsetzen. In der Region Trier gibt es mit dem Friedrich-Spee-Gymnasium in Trier, dem Gymnasium in Traben-Trarbach und dem Thomas-Morus Gymnasium in Daun drei G8/GTS-Gymnasien.

Gute Bildung und die Entwicklung einer Persönlichkeit brauchen Zeit. Dies kann in dem achtjährigen Ganztagsgymnasium, das in Rheinland-Pfalz eben kein Turbo-Abitur darstellt, weil durch die Rhythmisierung von Unterricht und freien Lernzeiten genügend Freiräume entstehen, und durch das klassische neunjährige Gymnasium geschehen.

Im Gegensatz zum achtjährigen Gymnasium in den anderen Bundesländern ist das rheinland-pfälzische G8/GTS-Modell kein Sparmodell und setzt konsequent auf das Prinzip des Ganztagsgymnasiums und kann damit auch als Vorbild für die anderen Bundesländer dienen.

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