Anekdoten aus der „arschlochfreien Zone“

0

PRÜM. Er fühlt sich wohl in Amerika, einem kleinen Dorf in Brandenburg: Der Autor, Fernsehmoderator und Schauspieler Dieter alias „Max“ Moor, begeistert am Freitagabend, 25. April, beim Eifel-Literatur-Festival (ELF) in Prüm rund 700 Zuhörer in der ehemaligen Wandalbert-Hauptschule.

Von Lydia Vasiliou

„Womit fange ich denn nun an?“, fragt sich der Allround-Mann Dieter Moor, nachdem Dr. Josef Zierden, Initiator und Organisator des ELF, zur Einführung in einem kurzen Abriss bereits alles zu seiner Person und den Umständen seiner Übersiedlung von der Schweiz nach Brandenburg erläutert hatte und ihn mit jeder Menge Lobeshymnen übersäte.

Nun ja, es sei alles wie früher – Dieter Moor war bereits schon einmal beim ELF – nur sein Name habe sich geändert. Seit Gedenken hasste er seinen Vornamen Dieter und auch die Eltern hätten ihm nicht erklären können, warum er so heiße. Und Max gefiel ihm schon immer. Also heißt Dieter nun Max, zumindest lautet so sein Künstlername.

Als Autor sind Dorfgeschichten „aus der arschlochfreien Zone“ seine Spezialität, inspiriert durch seine Wahlheimat Brandenburg und das Dorf, in dem er mit seiner Frau Sonja lebt. Ein Blick zurück in seine Kindheit in der Schweiz verrät in amüsanter Weise die Lebensgeschichte seines Großvaters – „ein braver Mann“, der „eine Geschiedene“ heiratete, „nichts rechtes“ konnte und so die Unzufriedenheit bei seiner Frau hervorrief, bis er eines Tages die Hühner entdeckte, die eine Witwe als Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Mannes besaß. Er machte ihr das Angebot: „Vielleicht, wenn Sie wollen, würde ich gerne die Stelle ihres Mannes übernehmen – also bei den Hühnern.“ So kam es, dass er diese kaufte und zu einem wichtigen Eierlieferanten in der Umgebung wurde. „Klein Dieter“ durfte eines Tages mit zu den Hühnern, erlebte die seltsame Fortbewegung – immer mit dem Kopf zuerst – und erfuhr, dass sie auf die menschliche Sprache reagierten, hatte der Großvater doch ständig mit ihnen gesprochen.

Dieter „Max“ Moor ist in seinem Element, kehrt mit seinen Geschichten zurück ins Brandenburgische und inszeniert den Abend als bravouröses Solostück, in dem unverkennbar der Schauspieler in ihm rebelliert. Da ist die Dorfhebamme Alma, eine Respektsperson, kannte sie doch alle prekären Situationen, „denn wenn es um Leben und Tod geht, sind Menschen ganz sich selbst“, weiß Moor. Man sagt, sie habe ihre Tochter selbst entbunden. Eine Nachbarin habe sie in den Wehen erlebt, aber eine Hebamme habe sie nicht rufen dürfen, Alma wollte „sich nicht ins Handwerk pfuschen lassen“. Fast originalgetreu schmettert der Autor das Wehgeschrei einer Gebärenden in den Saal und muss schließlich gestehen: „Als Mann kann man es nur versuchen.“ Er verrät, dass das Kind den Namen des irdischen Vaters nie erfahren habe, das Mädchen Helena heiße und zu einem „selbstbewussten Windfang“ heranwuchs, der seine Mutter später um einen Kopf überragte und zur Chefin der Freiwilligen Feuerwehr ernannt wurde und es heute immer noch ist – ein „Paradebeispiel der souveränen Ostfrau“.

Nun fragt er sich, was Frauen eigentlich wollen: „Sie stehen auf gute Tänzer.“ Und das weiß er aus eigener Erfahrung. Ein misslungener Annäherungsversuch, der darin endete, dass seine Angebetete sich mit einem anderen zum Tanzen verabschiedete, machte ihm klar: „Ein Tanzkurs muss her.“ Aber, dessen ist er sich sicher und verkündet es wie eine Lebensweisheit: „Tanzkursbesucher sind ‚Loser‘. Männer in Tanzkursen haben resigniert und wissen, ‚ohne‘ ist keine Frau zu kriegen.“

Der wortgewandte Akteur erzählt weiter von Menschen aus seiner Umgebung, die er längst ins Herz geschlossen hat, auch wenn er sich scheinbar über die Eigenarten amüsiert und damit auch das Publikum. Detailliert und mitreißend sind seine Darstellungen. Sei es wenn ein Nachbar ihm den Bau einer Terrasse beschreibt, die sich auf Wunsch seiner Frau von Jahr zu Jahr zu einem Wintergarten mauserte oder wenn der Autor selbst beschreibt, wie er eine Tanne in Abwesenheit seiner Frau fällte – ohne ihre Zustimmung. Eine rund zweistündige Lesung, verpackt in schauspielerisches Können, gespickt mit Dramatik und Komik zugleich, belohnt das Publikum mit gewaltigem Applaus. „Der Moor hat seine Schuldigkeit getan“, sagt Zierden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.