Update: „Hoch belastet und verunsichert“

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TRIER. Die Zahl ließ aufhorchen: 760 Bäume seien seit November 2012 im Stadtgebiet gefällt worden, erklärten die Trierer Grünen jüngst in einer Pressemitteilung. Damals war eine Rentnerin beim Rautenstrauchpark von einer umstürzenden Kastanie erschlagen, ein Mann schwer verletzt worden. Kinder einer Schulklasse waren mit dem Schrecken davongekommen – sie hatten die Unglücksstelle kurz zuvor passiert. Am Freitag bestätigte die Stadt auf lokalo-Anfrage die von den Grünen genannte Zahl, stellte aber zugleich fest: Die Maßnahme sei nicht ungewöhnlich und gehöre zum laufenden Geschäft der Verwaltung.

Von Eric Thielen

Unmittelbar nach dem tödlichen Unfall vom 22. November 2012 hatte die zuständige Dezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) auf einer Pressekonferenz erklärt, Triers Baumbestand sei „scheckheftgepflegt“. Jetzt stellt das Rathaus gegenüber lokalo fest: „Seit dem tragischen Unfall ist die Bereitschaft zur Fällung eines Baumes nach einer Kontrolle durchaus angestiegen.“ Die Grünen hatten in ihrer Presseerklärung erneut eine wirksame Baumschutzsatzung für die Stadt gefordert. Gerade auf den ökologischen Wert der Stadtbäume werde zu wenig hingewiesen.

Die Kontrollen des Trierer Baumbestandes wurden laut Verwaltung vom Herbst 2013 bis zum Frühjahr 2014 an externe Gutachter vergeben. Die daraus resultierenden Ergebnisse hätten schließlich dazu geführt, dass 1,49 Prozent der untersuchten 51.000 Bäume gefällt wurden. „Insoweit ist die Zahl der Fällungen zu den untersuchten Bäumen nicht ungewöhnlich“, betont die städtische Pressestelle. Der tödliche Unfall aber habe „selbst erfahrene langjährige Mitarbeiter hoch belastet und verunsichert“. Daher vergebe man die Kontrollen derzeit an externe Fachkräfte.

Die von den Grünen kritisierte „Komplett-Fällung eines Baumes“, die von der Verwaltung derzeit praktiziert werde, erstreckt sich laut Rathaus über das gesamte Stadtgebiet. Demnach wurden in den vergangenen Monaten an Straßen, in Grün- und Parkanlagen, Sportanlagen, an Schulen und in innerstädtischen Waldflächen – etwa im Rotbachtal und im Gutspark Mariahof – Bäume gefällt. Ferner auf öffentlichen Grünflächen (219 Bäume), gefolgt von Straßenbäumen (189), Friedhöfen (101), Sportflächen (116) und Schulen (92). Laut Pressestelle wurde für 43 Prozent der gefällten Bäume Ersatz gepflanzt. Weitere Ersatzpflanzungen sollen im Herbst 2014 folgen. „Je nach Dringlichkeit erfolgten die Fällungen entweder unmittelbar nach Feststellung der Notwendigkeit oder in den Wintermonaten“, heißt es aus dem Rathaus.

Das Holz der gefällten Bäume sei an verschiedenen Sammelstellen zwischengelagert. Vorrangiges Ziel sei jedoch, das Holz in den Grünflächen zur weiteren Verrottung im Sinne des Naturschutzes liegenzulassen. „Dies ist auch in vielen Fällen realisiert worden“, betont die Verwaltung. Das Stammholz selbst soll – wie schon in den vergangenen Jahren praktiziert – über entsprechende Firmen als Hackschnitzelholz verwertet werden. Sofern die Fäll- und Pflegemaßnahmen an Firmen beauftragt worden seien, sei das Schnittgut in deren Eigentum zur weiteren Entsorgung übergegangen.

Update 06. Mai 2014:

Auf erneute Anfrage von lokalo hat die Stadtverwaltung ihre Antwort vom 25. April am heutigen Dienstag, 6. Mai, ergänzt. Demnach wurden durch den Holz-Verkauf bisher Einnahmen von 1.250 Euro erzielt. 760 Bäume waren seit November 2012 im Stadtgebiet gefällt worden. Die Grünen hatten die Praxis der Komplett-Fällungen kritisiert.

„Vom Grünflächenamt wird bei mehreren Firmen nachgefragt, ob Interesse an der Abnahme von Baumholz besteht“, teilt das städtische Presseamt in seiner Antwort weiter mit. Im konkreten Fall habe von drei Firmen nur eine Interesse bekundet. Die Menge an Stammholz, die den Firmen, die im Auftrag des Grünflächenamtes Bäume gefällt hatten, überlassen wurde, könne nicht angegeben werden.

Vom zuständigen Grünflächenamt sei im Nells Park jedoch eine Sammelstelle eingerichtet worden. Von dort übernehme eine Firma das Holz zur weiteren Verwertung und transportiere es auch ab. Ein hoher Anteil an Stammholz sei allerdings in den Grünanlagen, etwa dem Nells Park, am Mattheiser Weiher, an der Moseluferstraße, dem Serpentinenweg sowie in der Güterstraße, liegengelassen worden – ferner im Sinne des Artenschutzes in Arealen mit überwiegend flächigen Feldgehölzpflanzungen. (et)

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1 KOMMENTAR

  1. Wo ist das Holz???????wer hat es verkauft? Bei wem vom Baudezernat ist es als Brennholz gelandet? Das stinkt alles sehr zum Himmel ,wundert allerdings bei der dezernatsleitung nicht! Bitte dran bleiben Lokalo !!! Es gibt nämlich keine Zwischenlager!

  2. Die Trierer Bäume sind Scheckheftgepflegt. Das glaube ich zu 100 %. Genauso wie die Straßen, Schulen, Kitas und Spielplätze. Alles Scheckheftgepflegt.
    Aber wieso sagt die Dezernentin denn nicht dabei, das das Trierer Scheckheft eigentlich nur noch ein Packen fauliges, stinkendes Altpapier ist? Würde man die Schecks der Stadt platzen hören, Tinitus wären für alle Bewohner Triers ein ständiger Begleiter.
    Oh Rat, was macht Ihr mit meiner Stadt?

  3. Da in den online-Archiven und in der RAZ nicht zu finden ist: Wurden die Arbeiten/der Verkauf des Holzes öffentlich ausgeschrieben oder Versteigert? Oder Freihändig? Was ist mit dem ganzen Sturm-Stammholz passiert, welches auf der Wiese im Nells-Park (am Auslauf vom Avelsbach) gelagert war? Wurde die Menge des Übergangs an die Fachfirmen ermittelt und verechnet?
    Holz ist immerhin ein wertvoller Rohstoff. Und das Laubhaolz, welches sehr viel anfällt noch viel mehr Wert?
    Kann die Stadt mit 100 % Sicherheit ausschließen, das das Holz, wie von div. Bürgern angegeben , von Mitarbeitern „Nebenbei“ verkauft bzw. „Entsorgt “ wurde?

  4. Das sind die offenen Fragen, danke Clemens.

    Die Stadt hat sich hier so allgemein geäußert, dass im Prinzip nichts gesagt wurde.

    Jetzt nur nicht nachlassen.

  5. Wo ist das Holz, Frau Dezernentin? Wer hat sich hier mal wieder die Taschen voll gemacht? Wieviel haben Sie gewußt,oder geschah das Alles auf ihre Weisung?Handelt es sich hier nicht um Untreue oder Diebstahl zum Nachteil der Stadt Trier und ihrer Bürger? Bitte um Aufklärung!

  6. 760 Bäume ergeben ca. 2500 cbm Nutzholz! Derzeit kostet 1 cbm Brennholz, geliefert, ca 80 eu! Dies ergibt einen Schaden,sollte das Holz nicht zu Gunsten der Stadtkasse verkauft worden sein, zu lasten des Steuerzahlers von ca 200000 eu.Trier hat´s ja,oder ist hier etwa der Tatbestand der untreue ertfüllt?

  7. Das Holz gibt es noch! Es liegt im Städt. Lager. Genau neben dem Europa-Brunnen.

    Um den Pranger mache ich mir (im Augenblick)mal noch keine Sorgen. Dessen Abbau wurde bestätigt. Das Teil war ja auch morsch. Die Aufarbeitung soll erfolgen. Bisher ist jedoch noch kein Beschluss vom Stadtrat hierzu erfolgt(siehe Ratsinformationssystem), also konnte von der Verwaltung die Arbeiten ja auch noch nicht ausgeschrieben und vergeben werden.
    was die Bäume Betrift: Es gibt da ja ein Baumkataster. Hier gibt es für jeden einzelnen Baum eine eigene Akte. Bei 760 Bäumen dürfte das ja nicht mehr als 2 8cm Ordner sein. Und da das erst im Aktuellen Zeitraum war, dürften diese Ordner im Geschäftszimmer des Grünflächenamtes lagern und noch nicht im Archiv.
    Und hier wird ja für jeden Baum vermerkt sein, was aus ihm passiert ist, sprich welcher Holzfäller ihn umgesägt hat, wie der Zustand nach Fällen war und wie viel Holz es war und wo es hingegangen ist. Das dürfte ja gar kein Problem sein, diese im rahmen einer Presse-/ Bürger-/ Ratsanfrage genau beantworten zu können.

  8. Mein „Wink mit dem Baumstamm“ bzgl. des Prangers war ironisch gemeint.
    Wenn ich mir ernsthaft Sorgen ueber den Verbleib machen wuerde, waere das mit totalem Vertrauensbruch unserer Stadtverwaltung gleichzusetzen.

    Apropos „Verwaltung“. Verwalten sollt ihr UNSERE Stadt, sonst nichts. Das sollte allen Beteiligten klar sein. Vom OB bis zur Poststelle – ihr steht in unserem Dienst. Merkt Euch das. Schreibt es Euch an den Badezimmerspiegel und auf die Handflaeche.

    Ihr dient uns, seid stolz darauf. Wir bekommen alles raus.

  9. Im Prinzip ist jeder Kommunalpolitiker ein Trottel – schließlich ist er nur Kommunalpolitiker. Es muss ein unschönes Gefühl sein, diese im Grundsatz lächerlich kleinen Aufgaben nicht hinzubekommen. Nichtmal Witze werden über einen gemacht.

    Tagtäglich frustriert und von der Parteizentrale nicht ernstgenommen, da aus dem tiefsten Hinterland stammend und Bäume fällend, ab und zu per E-Mail (die der Sohn tippt) Aufkleber und Luftballons anfordernd, auf einem Parteitag, im 9-Sitzer angereist, ungefragt in der Ecke stehen.

    Darum: Konzentriert Euch auf Kommunalpolitik. Macht das ganze so richtig, richtig, richtig gut.

    Macht Trier zur Vorzeigestadt, und seid nicht traurig darüber, dass Euch in Deutschland niemand kennt – alle würden es danken.

  10. Frau Dezernentin, klären sie bitte die Bürger/innen darüber auf,wo das gesamte Nutzholz liegt, bzw.was damit geschehen ist.

  11. @Eveline:wo denken sie hin ,dafür hat die Dezernentin doch keine zeit.wahrscheinlich ist sie gerade die Dezernentin Birk aufs übelste am beleidigen, wie man des öffteren so aus dem Rathaus hört. aber vielleicht ist sie ja auch nur am Holz hacken.

  12. Wie verhält sich das eigentlich im Stadtwald ?wird das Holz da auch verschenkt?hätte man wenn das alles so stimmt,nicht hier know-how zum abwickeln respektive Verkauf bekommen können?

  13. dies bedeutet 1.64 euro pro baum.man sollte sich schon mal fragen ob dies kein fall für den Staatsanwalt ist.

  14. Ja, @Siggi K.

    Entweder genau so, oder aber, die 3 angefragten Firmen wissen sehr wohl, dass das wirklich gute Holz schon längst weg ist. Das nehmen (holen) wahrscheinlich die Firmen mit, die mit den Fällarbeiten beauftragt wurden.

    Beides ein Skandal.

    Danke Herr Thielen.

  15. Alles hochgradig fragwürdig und sicherlich auch nicht gesetztestreu!

    Hoffentlich seid ihr da oben bald weg!!

  16. @ Jägermeister:
    Das Holz aus dem Stadtwald ist, soweit ich das beurteilen kann, auf vorgeschriebenen Wege veräußert worden. Der Bericht der zuständigen Försterin wird auch i.d.R. immer dem Rat vorgelegt und geprüft.

    Unklar bleibt immer noch, wie das Holz verrechnet wurde, das die Fäll-Firmen „entsorgt“ haben?
    Mich würde es überhaupt nicht wundern, wenn die Firmen das entsorgen auch noch berechnet hätten.
    Mein Vorschlag: Viele Städt. Wohnungen(z.B. Südblick, Tr-West, Riverisstraße) werden mit Holz befeuert und oft von leuten bewohnt, die Staatliche Unterstützung bekommen. Hier wäre sinnvoll, denen das Holz zu geben.

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