„Muskeltraining ist der sicherste Schutz vor dem Pflegeheim“

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HETZERATH. Andreas Bredenkamp, 1986 deutscher Meister im Bodybuilding, hielt am 9. April im Bürgerhaus Hetzerath einen Vortrag über die Wichtigkeit von Muskeltraining und warum Diäten in der Regel sogar dicker machen. Über 200 Zuhörer waren der Einladung des effectiv Trainings-Centers in Ensch gefolgt und waren begeistert von der rund dreistündigen Lektion in Sachen Fitness und Ernährung.

1959 – das Jahr, in dem der Herzinfarkt zur Todesursache Nummer Eins in Deutschland wurde. Ein Zufall oder doch eher das Ergebnis des Wirtschaftswunders, das mit seinen Erfindungen das Leben in Deutschland einfacher und komfortabler machte? Andreas Bredenkamp ist davon überzeugt, dass das Auto den ersten einschneidenden Punkt darstellt, und nennt eine weitere Zeitspanne, die für die Erhöhung der Herzinfarkt-Toten von Bedeutung ist. „1990 stieg das Körpergewicht der Deutschen sprunghaft an. Was war passiert? Der PC eroberte die deutschen Arbeits-, und Wohnzimmer“, erklärt Bredenkamp, warum sich der Bewegungsmangel kontinuierlich in das Leben einschlich.

Wie könnte sich das auswirken? Bredenkamp liefert eine beängstigende Zukunftsvision. „Die aktuelle Generation der Siebenjährigen wird aktuellen Untersuchungen zufolge erstmals die Lebenserwartung ihrer Eltern unterschreiten. Denn die Muskulatur, die wir beim Spielen und Toben im Freien im Kindesalter nicht aufgebaut haben, lässt sich rückwirkend nicht mehr aufbauen. Der Bewegungsmangel sorgt dafür, dass diese Grundlage für die Muskulatur gar nicht erst aufgebaut wird“,  mahnt er.  Natürlich gilt das nicht für alle Kinder, denn einige Eltern legen immer noch großen Wert darauf, dass sich die Kinder nicht nur vor der Playstation und Xbox die Zeit vertreiben. Während früher viele Dinge erst der Welt der Erwachsenen vorbehalten waren, wachsen die Kinder inzwischen mit Videospielen und Fernsehen auf.  Im Jahr 1900 bewegte sich der Mensch tagtäglich rund 20 Kilometer zu Fuß. Heute sind es lediglich noch 800 Meter. Das Essen wird ins Haus geliefert oder im Drive-In direkt ins Auto gepackt und dort verspeist. Jeder Meter Bewegung scheint eine Last zu sein. Doch wie kann man dem entgegensteuern? Bredenkamp weist selbstverständlich darauf hin, dass heute kein Mensch mehr Zeit hat, sich täglich 20 Kilometer zu bewegen.

Die Antwort ist trivial: Trainieren. Die Sportmedizinerin Dr. med. Elke Zimmermann geht sogar so weit zu behaupten, dass Muskeltraining der sicherste Schutz vor dem Pflegeheim ist. So wurden während eines Experiments bettlägerige Menschen in ein Fitness-Studio gebracht. Das Ergebnis: Viele konnten sich nach einigen Monaten wieder selbst versorgen.  Da man heute nicht mehr 20 Kilometer zurücklegen kann, muss man sich zeitoptimiert bewegen. Das zeitoptimierte Bewegen ist laut Bredenkamp „Training“. Als Beispiel für den Muskelaufbau nennt der studierte Germanist die Hornhaut. Durch den Verschleiß bei der intensiven Beansprachung reagiert die Haut mit dem Aufbau zusätzlicher Hautschichten. Selbiges gilt für die Muskeln: Nur durch Beanspruchung kann man diese dazu bringen, weiter zu wachsen. Doch mit dem Training wachsen nicht nur die Muskeln – auch die Knochen werden stabiler. Der Muskelzug belastet den jeweiligen Knochen, der mit einer höheren Belastbarkeit bzw. Stabilität reagiert.

Der ehemalige deutsche Meister im Bodybuilding räumt auch mit dem Mythos „Jojo-Effekt“ auf. „Nicht der Diätende ist das Problem, sonder die Diät ansich!“, verrät Bredenkamp, warum einige Fachleute den „Jojo-Effekt“ in „Dick durch Diät“ umbenannt haben. Diäten funktionieren ähnlich wie der Aufbau der Muskeln – nur im negativen Sinne. Durch die eingeschränkte Ernährung wird der Stoffwechsel beeinflusst und stellt sich auf eine geringere Kalorienzahl ein.  Bredenkamp nennt ein Beispiel. „Statt 2000 Kalorien zu verbrennen, wie es vor der Diät der Fall war, verbrennt der Organismus jetzt nur noch 1000 Kalorien, weil die Ernährung auf maximal 1000 Kalorien am Tag umgestellt hat. Wenn jetzt das gewünschte Gewicht erreicht wurde und man sich wieder „normal“ ernährt, verbrennt der Stoffwechsel immer noch 1000 Kalorien am Tag – man wird aber immer dicker, obwohl man nichts anders macht, als vor der Diät. Es kann bis zu drei Monate dauern, bis der Stoffwechsel auf die neue Diät reagiert hat!“

Auch die neue Volkskrankheit „Burn-Out“ lässt sich mit Hilfe von Training „heilen“ bzw. zeitoptimierte Bewegung sorgt dafür, dass es gar nicht erst zu einem „ausbrennen“ kommt. Psychischer Stress muss in Bewegung umgesetzt werden – egal in welcher Form. Die eigentliche Lösung für das Problem ist laut Bredenkamp aber noch viel simpler: Der Glaube daran, dass es gut wird! Denn – positive Gedanken machen glücklich – und ein gesunder Körper ebenfalls. (cw)

 

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