Die FDP zur Kultur: „134 Euro Zuschuss für jede Theaterkarte sind zu viel“

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TRIER. Unter dem Motto „So sehen wir das!“ ziehen die Trierer Liberalen in den Kommunalwahlkampf 2014. Man könnte es fast in „Das sehen wir anders“ ummünzen. Denn gerade im Themenbereich Kultur unterscheidet sich die Trierer FDP deutlich von den politischen Mitbewerbern. Als einzige Partei fordert sie eine Veränderung der Theaterstruktur.

von Yvonne Romes

„134 Euro Zuschuss für jede Theaterkarte sind zu viel“, lautet der Slogan auf einem Wahlplakat der Trierer Liberalen. FDP-Kreisvorsitzender und Spitzenkandidat Tobias Schneider hat dazu eine klare Meinung: „Mehr als 13 Millionen Euro Defizit werden jedes Jahr von den Steuerzahlern aufgefangen, rund 7 Millionen davon allein durch die Stadt Trier. Auch Trier kann jeden Euro leider nur einmal ausgeben und wer sich für einen bedingungslosen Erhalt der Theaterstrukturen ausspricht, muss halt auf der anderen Seite auch sagen, welche Schulen er dann verschimmeln oder welche Straßen er verfallen lässt.“ Für die Liberalen steht deshalb fest: an den Strukturen des Theaters muss sich etwas ändern. Die bisherige Stadtratsfraktion hatte sich bereits im Rat einer gemeinsamen Resolution aller Fraktionen zum Erhalt des Drei-Sparten-Hauses verweigert.

Wenn es nach den Liberalen ginge, sollte das Theater lediglich seine erfolgreiche Schauspielsparte beibehalten und beim sonstigen Angebot auf eine Gastbespielung umsteigen. Das würde bedeuten, dass beispielsweise Opern von fremden Ensembles aus umliegenden Theatern wie aus Koblenz und Kaiserslautern aufgeführt würden. „Derartige Konzepte haben sich in anderen Städten bewährt und dafür gesorgt, dass die Kultur bezahlbar und somit erhalten bleibt, weil die Belastung für die öffentlichen Kassen auf diese Weise heruntergefahren werden konnte“, verteidigt Schneider die ehrgeizige Zielsetzung und betont, dass man eben nicht darauf vertrauen dürfe, dass sich das Land oder die Umlandkommunen stärker an der Theaterfinanzierung beteiligten.

Ähnlich wie die Grünen sehen auch die Liberalen keine Notwendigkeit, von städtischer Seite eine Großveranstaltung als Ersatz für „Brot und Spiele“ oder „Antikenfestspiele“ auszurichten. Auch hier wird auf das Engagement privater Initiativen gesetzt, die lediglich in Kooperation mit der Stadt arbeiten. „Die Stadt sollte nur dann als Veranstalter aktiv werden, wenn es keine privaten Akteure gibt, die Veranstaltung die in vergleichbarer Form durchführen könnten „, betont Schneider. Damit besteht in diesem Thema zwar Einigkeit mit den Grünen, aber ansonsten und gerade beim Theater stehen die Liberalen mit ihrer Meinung allein auf weiter Flur. Fraglich ist, ob sie sich damit gegenüber den Mitkonkurrenten als echte Alternative präsentieren können oder ob sie gerade deshalb durch ihre kulturinteressierte Wählerklientel abgestraft werden.

Bei der letzten Kommunalwahl 2009 erreichten die Liberalen noch vier Sitze. Seit dem „Zerwürfnis“ mit Felix Brand, der mittlerweile auf der Liste der Freien Wähler kandidiert, sind es noch drei. Dieses Ergebnis soll mindestens gehalten werden. Welche Ziele die anderen Parteien anstreben, erfahren Sie morgen in einem weiteren Teil unserer Reihe zur Kommunalwahl. (rom)

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1 KOMMENTAR

  1. Gerade ein „kulturinteressiertes Wählerklientel“ (sind wir das nicht irgendwie alle?) sollte kein Problem mit der Kombination aus „Stärkung des Schauspiels“ + „hochklassige Gastspiele“ haben.

    Kultur lebt von Austausch und Vielfalt…dass nicht alles schlecht ist, was nicht „auf dem eigenen Mist gewachsen“ ist, bildet hier eine Grundlage.

  2. Die 134 Euro sind doch nur ein Durchschnittswert?
    War vor kurzem zu einer Veranstaltung im großen Haus: 5 ( fünf!) Personen im Zuschauerraum!
    Dazu 8 Künstler auf Bühne+ min. 5 Techniker und Feuerwehrleute hinter Bühne + jeweils Pförtner, Kasse und Garderobe + Regie und Technik über Zuschauerraum. Und alle werden nach Tvöd bezahlt.

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