„Das Auge hört mit!“

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TRIER. Der Stadt Trier wurden schon viele Prädikate verliehen. Das Rom des Nordens etwa oder die Stadt mit der ältesten Bischofskirche und auch die Tatsache, dass sie die älteste Stadt Deutschlands überhaupt ist. Ein Prädikat aber wirkt eher im Hintergrund, ist nicht so augenfällig und wird auch kaum für die Werbung benutzt. Trier ist eine Orgelstadt.

Von Gerhard W. Kluth

Die sogenannte Königin der Instrumente genießt in der Moselmetropole eine ganz besondere Wertschätzung. Dies kann man in den alljährlichen Konzertserien im Dom und in der Konstantin-Basilika beobachten. Während die Veranstalter in anderen, weit größeren Städten froh sind, wenn die Besucherzahlen im hohen zweistelligen Bereich liegen, verzeichnen die Trierer Konzerte immer Publikumszahlen, die sich im satten dreistelligen bewegen. Organisten aus aller Welt geben sich in Trier die Klinke in die Hand, was unter anderem daran liegt, dass die Instrumente von besonderer Qualität sind. 1962 wurde die Schuke-Orgel in der Konstantin-Basilika eingeweiht und fand aus dem Stand heraus in der Orgelwelt große Beachtung. Zwar waren sich alle Fachleute einig, dass dieses relativ kleine Instrument eine Kompromisslösung war, gleichzeitig aber bestaunte man die Tatsache, dass sich mit diesen wenigen Stimmen dieser gewaltige Raum doch so gut füllen ließ.

Vor 40 Jahren erhielt der Dom sein neues Instrument und auch hier pilgerten Fachleute und Liebhaber an die Mosel, um dieses Instrument zu hören und auch zu sehen. Klanglich gesehen war auch dieses wie ein Schwalbennest an die Nordwand des Hauptschiffes gebaute Instrument ein Erlebnis und ist es heute noch. Aber auch optisch war es ein Solitär. Normalerweise zeigt die Schauseite einer Orgel, der Prospekt, immer nur eine mehr oder weniger große Anzahl an Orgelpfeifen. Hinzu kommen manchmal sogenannte Schleierbretter, mit denen die Öffnungen oberhalb der Pfeifen vor allem aus akustischen Gründen verschlossen werden. Im Dom ging man einen Schritt weiter und ließ das Gehäuse von den Bildhauern Hildebrandt und Heiermann sowie vom Maler Breiling künstlerisch gestalten. Die Bildhauer verwendeten dabei für ihre Motive Aluminiumguss, ein Material, das normalerweise im Orgelbau keine Verwendung findet.

In diesem Jahr gibt es gleich drei Anlässe, die die Orgelfreunde zum Feiern einladen. Zum einen das schon erwähnte Jubiläum der Domorgel, zum anderen die für den 1. Advent erwartete Einweihung der neuen Orgel in der Konstantin-Basilika. Und zum dritten besteht die Internetseite www.trierer-orgelpunkt.de seit 15 Jahren und ist damit eine der ältesten Orgelseiten in diesem Medium. Aber nicht nur Insider sollen sich für dieses vor rund 2 300 Jahren in Ägypten erfundene Instrument interessieren. Deshalb haben Domorganist Josef Still und der Kantor der Konstantin-Basilika, Martin Bambauer, zusammen mit dem orgelbegeisterten Dekorateur Friedrich Georg Weimer im ehemaligen Kiosk Bühne an der Kreuzung Neustraße/Südallee eine Ausstellung initiiert. Der Titel lautet „Das Auge hört mit“. Gezeigt werden Fotos von der Domorgel, der zukünftigen Schwester in der Konstantin-Basilika, aber auch von Instrumenten, die es heute nicht mehr gibt. Etwa von der großen Orgel im Treviris-Saalbau oder auch von der Orgel, die einmal in der Pfarrkirche St. Simeon in der Porta Nigra stand und heute im französischen Metz ihren Dienst tut. Es ist eine kleine, aber feine Übersicht – nicht zuletzt darüber, wie unterschiedlich das Design der Trierer Orgeln ist.

Schon bevor Still und Dr. Ralph Hansen, der Bambauer vertrat, die Ausstellung eröffneten, konnte man beobachten, dass die Schaufenster der Bühne ihren Dienst taten. Immer wieder blieben Passanten stehen und schauten sich, teilweise verwundert, immer aber interessiert, die Orgelbilder an. Offensichtlich wurde hier ein guter und wirksamer Weg gefunden, die Orgel aus ihrer, manchmal etwas angestaubten Ecke in der Kirche heraus zu holen. Die Bilder laden ein, in die Kirchen zu gehen und einmal etwas genauer hinzuschauen, denn Trier hat für Orgelfreunde noch viel mehr zu bieten, als das, was hier gezeigt wird. Angefangen von der Stiftskirche in Pfalzel über die Jesuitenkirche bis hin zur Abtei St. Matthias gibt es viele Gotteshäuser, bei denen es sich lohnt, mit Augen und Ohren zu hören.

Ein wenig Werbung wird in den Schaufenstern natürlich auch gemacht. Die evangelische Kirchengemeinde hat das Programm ausgestellt, mit dem die Einweihung der neuen Basilika-Orgel gefeiert werden wird und für den Dom wird gezeigt, was Orgelfreunde ab dem 20. Mai erwarten dürfen. Dann nämlich starten die 40. Internationalen Orgeltage, bei denen sechs Mal jeweils dienstags die frisch renovierte große Domorgel im Mittelpunkt steht. Mit einem Aufwand von knapp 130 000 Euro ist die tönende Dame der Trierer Mutterkirche gereinigt worden. Gleichzeitig hat die Erbauerfirma Klais aus Bonn einige Verschleißteile ausgetauscht und die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Seit Palmsonntag klingen die 68 Stimmen wieder.

Die Ausstellung in der Bühne ist bis zum 1. Juni 2014 rund um die Uhr zu besichtigen.

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