Jeder nach seiner Facon

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    Füße still halten, ist das oberste Gebot. An Ostern darf in Rheinland-Pfalz und in den meisten anderen Bundesländern nicht getanzt werden. Nun gut – im stillen Kämmerlein oder auf privaten Partys schon, aber nicht in öffentlichen Räumen. Wie bitte? In welchem Land und in welchem Jahrhundert leben wir denn? Ja, richtig, im 21. Jahrhundert im Zentrum Europas. Kaum zu glauben, dass dieser Anachronismus immer noch Gültigkeit hat.

    Füße still halten, ist das oberste Gebot. An Ostern darf in Rheinland-Pfalz und in den meisten anderen Bundesländern nicht getanzt werden. Nun gut – im stillen Kämmerlein oder auf privaten Partys schon, aber nicht in öffentlichen Räumen. Wie bitte? In welchem Land und in welchem Jahrhundert leben wir denn? Ja, richtig, im 21. Jahrhundert im Zentrum Europas. Kaum zu glauben, dass dieser Anachronismus immer noch Gültigkeit hat.

    Die Kirche, pardon der Staat, pardon beide, schreiben mir also vor, wann und wo ich tanzen darf, wenn ich denn überhaupt will. Dieses Tanzverbot gilt übrigens nicht nur am Karfreitag – womit die Mehrheit der christlich geprägten Bevölkerung ja vielleicht noch leben könnte. Nein, das Tanzverbot tritt am Gründonnerstag um vier Uhr in Kraft und endet erst am Ostersonntag um 16 Uhr. Vielleicht wird der heutige Tag deshalb verharmlosend „Gründonnerstag“ genannt. Über die Wortherkunft gibt es mehrere Theorien. Eine davon lautet, dass „Grün“ von „Greinen“ kommt. Hätte man es doch so gelassen, dann wüsste wenigstens jeder, dass es zum Heulen ist, dass man an diesem Tag und den folgenden nicht feiern darf – höchstens auf kirchlich korrekte Weise – selbst wenn man nicht gläubig ist.

    Soviel zu Trennung von Staat und Kirche, die ja bekanntlich auch in anderen Bereichen nur auf dem Papier steht. Oder wieso wird die Kirchensteuer nicht von der, dessen Namen sie trägt, von der Kirche also, sondern vom Staat eingetrieben und dann weitergeleitet?

    Wie sagte schon der Alte Fritz: „Jeder soll nach seiner Facon selig werden.“ Warum lässt man also den „mündigen Bürger“ nicht selbst entscheiden, wie er die vor uns liegenden Feiertage begeht. So lange er sich in seinem Verhalten an den Worten des Alten Fritz orientiert, ist doch alles gut.

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    1 KOMMENTAR

    1. Ja natürlich soll der mündige Bürger selbst entscheiden.
      Nur folgerichtig wäre aber dann auch, an den kirchlichen! Feiertagen mündig zur Arbeit zu gehen!

    2. „Der Karsamstag (althochdeutsch kara ‚Klage‘, ‚Kummer‘, ‚Trauer‘) ist der letzte Tag der Karwoche und der zweite Tag des österlichen Triduums. Auf ihn folgt der Ostersonntag. Der Karsamstag wird regional auch als Karsonnabend oder stiller Samstag bezeichnet. Nach traditioneller christlicher Vorstellung ist der Karsamstag der Tag der Höllenfahrt Christi, bei der Jesus in der Nacht nach seiner Kreuzigung in die Unterwelt hinabgestiegen sei und dort im Limbus, dem „Schoß Abrahams“, die Seelen der Gerechten seit Adam befreit habe. Die vorkommende umgangssprachliche Bezeichnung des Karsamstages als „Ostersamstag“ oder als Ostersonnabend weicht von der kirchlichen Tradition ab: Der Ostersamstag ist im christlichen Sprachgebrauch der Samstag der Osteroktav und damit der Tag vor dem Weißen Sonntag, eine Woche nach Ostern.

      Der Karsamstag ist der Tag, an dem die Kirche der Grabesruhe Christi gedenkt und mit Fasten und Gebet seine Auferstehung erwartet. Es werden am Karsamstag keine Sakramente gefeiert, die mit Festfreude verbunden sind, insbesondere keine Eucharistiefeier, die Heilige Kommunion wird nur als Wegzehrung (Sterbekommunion) gereicht. Da die Feier der Osternacht eine Vigil ist, die zur Gänze im Dunkeln abgehalten werden soll, beginnt sie in vielen Kirchen in den späten Abendstunden des Karsamstags.“ aus Wikipedia

    3. Wer mit den Bräuchen nicht klarkommt, sollte aber dann bitte auch an den kirchlichen Feiertagen arbeiten?
      Wie? Nicht auf die freien Tage verzichten? Ostermontag arbeiten? Weihnachten? Keine Geschenke?
      Oh! Das will man dann schon!
      Aber mal 2 Tage ohne tanzen auskommen ist dann zuviel verlangt…
      Wobei das Trierer ordnungsamt ja sowieso nicht kontrolliert. Mehrere Trierer Diskotheken sind geöffnet. Da hält sich ja anscheinend niemand dran…

    4. @ Rainer derws: sie werden es nicht glauben,aber die Truppe mit den schusssicheren Westen war sei langer zeit mal wieder abends unterwegs! Was das tanzverbot angeht, wieso darf die Veranstaltung mit Namen „Rhythm and Wine“im Nell’s park Hotel stattfinden? Hier spielt eine liveband und es wird auch exzessiv getanzt! Gibt es mal wieder zweierlei Maß ,oder hat da jemand Aktien im Spiel?

    5. Es scheint jedoch auch Ausnahmemöglichkeiten im Verwaltungsrecht zu geben: An/in einem großen Lebensmittelmarkt im Wasserweg sind heute die Bauarbeiten in vollem Umfang weitergegangen. Und auch am Totensonntag 2013 durften Profimusiker auf dem Hauptmarkt mit elektrischer Verstärkung ein Konzert geben und CDs verkaufen, das bis zum Dom zu hören war. Die Jahrhundertealte Allerheiligenmesse wäre da nicht zu hören gewesen.

    6. Ooooh, die „folgerichtig“-Anhänger mit ihrem Pseudoargument, die Atheisten müssten dann auch an Feiertagen arbeiten gehen.

      Aber gerne doch, liebe Glaubensbrüder.
      Natürlich werdet ihr dann an Feiertagen auf diese unsäglichen Dienste dieser Ungläubigen auch freiwillig verzichten, die euch nicht nur an Feiertagen für den Strom daheim sorgen, die Fahrzeuge betanken oder euch in Not verarzten.

      Würden sie nämlich genauso hirnlos katholisch durch die Gegend wandern, dann wäre der Feiertag ein Arbeitsverbotstag und ihr (und wir) hättet ein gewaltiges Problem.

      PS: Es ist übrigens das „13. Gehalt“ und nicht das Weihnachtsgeld, Kirchengeld oder Gebetsschwesterngeld – also backt euch doch mal ein Ei auf diese dumme Argumentation, die nur dann aufkommt, wenn es gerade passt.

      Es muss schon irgendwo zum allg. Glaubensgedöns gehören, dass man Pferdeäpfel mit Birnen vergleicht. Jedes verdammte Jahr aufs neue 🙁

    7. jaja… jedes Jahr aufs Neue…
      Das Tanzverbot ist eines der Sinnlosesten Regelung der Republik, die in RLP mal wieder besonders exzessiv prktiziert wird (in Berlin darf auch nicht getanzt werden, aber nur am Freitag von 16-21 Uhr).
      Die Regelung ist schlicht nicht mehr Zeitgemaess. 40 Prozent der Bevoelkerung gehoeren keiner Kirche an, ca. weitere 5 Prozent anderen Konfessionen.
      Mer als 50% der Kirchenmitglieder ist es „schnuppe“ ob getanzt wird oder nicht. Die sagen sich naemlich: „Wenn ich keine Lust zu tanzen habe, tanze ich eben nicht. Wenn die anderen Lust dazu haben sollen’se doch machen“.

      Fuer alle Traditionalisten:
      „Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.“

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