Die Wahrheit des Nachtwächters

0

TRIER. Trier ist 1300 Jahre älter als Rom – so behauptet es zumindest die goldene Inschrift am Roten Haus auf dem Hauptmarkt. Jacobus Fischer der Jüngere glaubt daran. Mit Hellebarde, Horn und Laterne macht der Nachtwächter seine Runde durch das Trier des 19. Jahrhunderts, achtet darauf, dass Handwerksbetriebe ihre Feuer löschen, verarmte Witwen die Kerzen nicht zu lange brennen lassen und Spitzbuben in den dunklen Gassen nicht ungestört stehlen können. Er weiß: Über das hohe Alter Triers wird in Büchern berichtet. „Also muss es wahr sein. Denn sonst würd’s ja nicht da stehen!“

Jacobus alias Alf Keilen ist einer von drei Gästeführern, die als Nachtwächter durch das dunkle Trier führen und damit auch Teil des diesjährigen Programms „Trier für Treverer“ sind. Ein Klassiker, der schon vielen Trierern und Trierbegeisterten „ihre“ Stadt von einer ganz anderen Seite gezeigt hat. Und genau darum geht es, wie Hans-Albert Becker, Geschäftsführer der Tourist-Information Trier, bei der Programmvorstellung von „Trier für Treverer“ am vergangenen Dienstag betonte. Er konnte eine positive Bilanz der letztjährigen Führungsreihe ziehen. Knapp 1000 Besucher nahmen zu 38 Terminen an insgesamt 20 verschiedenen Führungen teil, die aufgrund der hohen Nachfrage zum Teil ein zweites oder drittes Mal angeboten werden mussten.

Viele Termine waren auch 2013 ausgebucht – und das, obwohl einige Führungen schon seit Jahren im Programm sind. Sie sind daher auch 2014 dabei, und so können echte Treverer wieder von der Sternwarte Trier aus zu fernen Sternenhaufen und Galaxien reisen oder mit Christiane Salm eine kenntnisreiche und vergnügliche Weintour durch unterirdische Kellergewölbe und die prachtvollen Räume des Kurfürstlichen Palais und des Herrenbrünnchens machen. Auch das authentische Training im Amphitheater beim einzigen Berufsgladiator Deutschlands, ein Blick hinter die Kulissen von „Verstehen Sie Spaß?“ und die vergnügliche Lügentour „Der Wahrheit auf der Spur“, bei der auch echte Trierer zuweilen ins Grübeln kommen, welche Geschichten des Stadtführers nun wahr und welche gelogen sind, stehen wieder im Programm.

Daneben, betonte Becker, wolle man die Trierer aber auch überraschen. „Mit viel Engagement haben die Mitarbeiter der Tourist-Information daran gearbeitet, neben Altbewährtem auch ganz neue Touren ins Programm aufzunehmen.“

So können Bierfreunde beim Rundgang durch die Petrusbräu-Brauerei den dortigen Braumeistern über die Schulter schauen, durch den verborgen liegenden SWT-Energietunnel unterhalb der Mosel hindurchgehen, einen halben Tag im Weinberg verbringen oder die moderne Trinkwasseraufbereitungsanlage in Irsch besichtigen.

Natürlich kommen in Trier auch Geschichtsinteressierte auf ihre Kosten: In vier in sich abgeschlossenen Führungen erzählt Jens Baumeister die wechselhafte Geschichte des Trierer Hauptmarktes, wo Trierer seit „milljuunen“ Jahren zechen – zumindest jedoch seit dem Mittelalter. Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums, führt höchstpersönlich durch die neue Erfolgsausstellung „Ein Traum von Rom“ und in einer speziellen Brunnentour wird die gesamte Geschichte von den Kelten bis zur Neuzeit nur anhand der imposanten Wasserspender erzählt.

Ob dort die Geschichte von Trebeta als legendärem Stadtgründer Triers, 1300 Jahre vor Rom, bestätigt wird? Oder doch wieder die Version, nach der die Römer selbst die Stadt vor gut 2000 Jahre erbauten? „Ach, hör doch auf!“, winkt Jacobus Fischer ab, der der Inschrift am Roten Haus mehr Glauben schenkt als den Behauptungen der Historiker. Denn: „Warum sollte man das ans Haus schreiben, wenn’s nicht stimmt?!?“ Und damit macht er sich weiter auf den Weg durch die nächtlichen Gassen der Stadt. Es kann eben nur einen echten Trier-Kenner geben… (red)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.