Schüsse auf Polizisten

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TRIER. Am Montag, 28. April wurde vor dem Landgericht Trier der Prozess gegen drei als sehr gefährlich eingestufte Männer fortgesetzt, die wegen versuchten Mordes an Polizisten und der Einfuhr von Waffen angeklagt sind (lokalo berichtete).

Von Laura Dolfen

Einer der Angeklagten, Abdelrahim M., hatte beim vorherigen Verhandlungstag, am 16. April, sein Schweigen gebrochen und Aussagen zur Person gemacht. Danach war die Jugend des Marokkaners normal verlaufen. Seine Mutter ist Finanzbeamtin, sein Vater ist Besitzer eines Cafés. Dazu hat zwei jüngere Geschwister. Zum inzwischen geschiedenen Vater hat er keinen Kontakt mehr. Auf einer Privatschule hat M. ein Diplom zum Informatiker erworben. Auf Nachfrage von Richterin Petra Schmitz, weshalb er sein Heimatland im Jahr 2009 verlassen habe, gab er an, er habe seinen Lebensstandard verbessern wollen. Er sei erst von Marokko über die Türkei und Griechenland nach Deutschland eingereist. Anfang 2012 sei er nach Belgien gegangen. „Ich spreche fließend Französisch, Griechisch und Arabisch – Verständigungsprobleme hatte ich nie.“

In der heutigen Verhandlung verlas seine Verteidigerin Anne Bosch wie angekündigt die Aussage ihres Mandanten, in dem er den genauen Verlauf der Tat schildert. „Monir O. kenne ich schon lange, wir beide wohnten in Belgien in einer Wohngemeinschaft zusammen. Said B. habe ich in einem Internetcafé in Brüssel kennengelernt. Da ich in früheren Zeiten mein Geld damit verdient habe, Flugtickets zu verkaufen, kam ich mit ihm nach kurzer Zeit ins Geschäft. Wir haben uns getroffen und ich übergab ihm Tickets, da er mit seiner Frau in den Urlaub fliegen wollte.

Als ich ihn erneut traf, surfte er im Internet und ich konnte sehen, dass er polizeilich gesucht wurde. Er hatte sich einen Artikel über sich selbst durchgelesen, in dem auch ein Foto von ihm abgebildet war. Einige Tage später sah ich ihn wieder und sprach ihn auf den Artikel an. Er stritt die Vorwürfe ab. Später stellte ich fest, dass mir mein Handy gestohlen worden war – ich bin davon überzeugt, dass Said es mir gestohlen hat. Er fragte mich, ob ich ihn ab und zu mit meinem Auto herumfahren würde und betonte, dass ich dafür gutes Geld bekäme. Ich willigte ein.

Eines Tages wollte er jedoch, dass ich ihn nach Aachen fahre. Das war mir zu riskant, da man bei so weiten Strecken immer mit Polizeikontrollen zu rechnen hat. Zwei Tage vor der Festnahme habe ich ihn erneut in einer Bar getroffen. Er gab mir eine Tasche und bat mich, diese in meiner Wohnung unterzustellen. Ich selbst wusste nicht, was in der Tasche war, aber erklärte mich dazu bereit, auf sie aufzupassen. Am nächsten Tag schaute ich im Laufe des Nachmittags in die Tasche, da ich nun doch wissen wollte, was sich in ihr befand. Said B. hatte Waffen in der Tasche gelagert.

Am nächsten Morgen, dem Tattag, kam er zu mir in die Wohnung und wollte sich mein Auto leihen, um nach Aachen zu fahren. Ich willigte ein und begleitete ihn. Er fuhr, Monir O. saß auf der Rückbank und ich auf dem Beifahrersitz. Said B. sagte dann, dass er nach Prüm fahren wolle, um dort eine Bankfiliale auszurauben. Monir wusste davon. Wir fuhren jedoch nach Bleialf, alles war ziemlich merkwürdig. Wir hielten an einem Parkplatz an, da ich zur Toilette musste. Als ich zurückkam sah ich, dass die beiden jeweils eine Waffe an sich genommen hatten und startbereit in dem PKW auf mich warteten. Ich bekam die Anweisung von Said, während des Überfalls auf die Bank im Auto zu bleiben. Komischerweise fuhr er jedoch immer wieder an der Bank vorbei. Kurze Zeit später sahen wir dann die Straßensperre.

Ein Polizist überholte uns mit seinem PKW. Ich konnte ihm direkt in die Augen sehen, wenn ich ihn also hätte erschießen wollen, hätte ich in diesem Moment die Möglichkeit dazu gehabt. Ich wollte aber niemanden erschießen, was ich an dieser Stelle noch einmal betonen möchte. Said B. war plötzlich ziemlich sauer und schrie mich an. Er sagte, ich solle die Waffe aus dem PKW-Fenster halten, was ich tat, da ich Angst vor ihm bekam. Er fuhr sehr schnell und parkte schließlich auf einem Bauernhof. Von dort wollten wir zu Fuß flüchten, jedoch nahm uns die Polizei nach kurzer Zeit fest.“

Auf Nachfrage von Richterin Petra Schmitz, ob er weitere Fragen beantworten würde, verneinte Abdelrahim M. dies.

Monir O. erwähnte an dieser Stelle mit Hilfe einer Französisch-Übersetzerin, dass M. gelogen habe. Anschließend schilderte auch er den Tag der Festnahme. Und diese Schilderung widersprach der von Abdelrahim M. in allen Punkten, wenn es um das Verhalten der einzelnen Personen ging. “ Ich saß eines Abends in Belgien vor dem PC. Ich war ziemlich krank und erschöpft“, so O. „Abdelrahim sprach mich an. Er sagte mir, dass er mit einem Freund nach Deutschland fahren werde und fragte, ob ich sie begleiten wolle. Ich entschied mich dazu, die beiden zu begleiten, schlief jedoch die ganze Zeit im Auto, da ich so krank war. Als ich aufwachte, sah ich die Polizeisperre durch das Fenster. Ich bemerkte einen Mercedes und Blaulicht und sagte den anderen, dass uns die Polizei verfolge. Said B. parkte schließlich an einem Bauernhof und wir wollten zu Fuß flüchten. Jedoch wurden wir festgenommen.“

Am 15. Mai soll die Verhandlung fortgeführt werden. (lau)

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