Trierer Studenten in Kenia: Starke Persönlichkeiten

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NAIROBI/TRIER. Vier Wochen voller Eindrücke und Erfahrungen durchleben unsere Trierer Studenten in der Hauptstadt Kenias, Nairobi. Die vielfältige Stadt hat neben recht entwickelten Stadtvierteln, in denen auch eines der UN-Quartiere angesiedelt ist, auch mit Problemen der größten Slums der Welt zu kämpfen, wo ein Ausstieg aus der Armut kaum möglich ist.

Die verschiedenen Projektgruppen beleuchten unterschiedliche Sichtweisen im Hinblick auf das Leben von Frauen in Kenia, ihre Perspektiven, Hoffnungen und Schicksale – stets der Frage auf der Spur: Wie kann die Rolle der Frau gestärkt werden?“ (lokalo berichtete)

Entschlossenheit trotz herber Rückschläge

Unsere Leadershipgruppe (Führungspositionen für Frauen) war in der vergangenen Woche zu einigen Terminen eingeladen, um „starke“ weibliche Persönlichkeiten kennenzulernen, die uns von ihren Erfahrungen als Frau in Kenia berichteten, und um Personen zu treffen, welche uns ihre Ideen von der gesellschaftlichen Rolle der Frau in Kenia erläutern. Wir, das sind Felix, Dennis, Dan und Inga.

Einer dieser beeindruckenden Charaktere in den Slums von Korogocho (Anm. d. Red.: drittgrößter Slum von Nairobi) ist Rosemary Olale, eine Frau, die selbst nach schweren Schicksalsschlägen und einer bewegenden Vorgeschichte die Kraft aufbringt, anderen Frauen Trost und Mut zu schenken. Rosemary ist HIV-positiv, erzählt sie uns im Interview. Die kleinen Gruppen, welche sie ins Leben gerufen hat, leisten Aufklärungsarbeit und engagieren sich für die Gleichberechtigung von Frauen. Das Gespräch mit einer Frau aus dem Slum zu suchen, war für uns eine sehr aufregende und auch emotionale Angelegenheit, da sie sich uns gegenüber sehr offen verhielt und bereitwillig ihre Erfahrungen teilte. Wir alle waren von ihrer Entschlossenheit und ihrem selbstbewussten Auftreten ziemlich beeindruckt.

„Eine Frau ist ein menschliches Wesen“

Von einer ganz anderen Perspektive betrachtet Dr. Teddy Njoroge Kamau die Rolle der Frauen in Kenia. Dan und Inga kamen mit dem Direktor für Entwicklung und strategische Planung vom Institut „League of Kenyan Women Voters“(Liga der Kenianer, die Frauen wählen) ins Gespräch. Als studierter Philosoph sucht er für die Lösung eines Problems nach dessen tiefsten Ursprung. Kamau entwickelt daher nicht einfach nur ein Programm zur Bekämpfung politischer Ungleichheit der Geschlechter, sondern fragt nach der Definition der Frau in der kenianischen Gesellschaft. Hierbei stellt er fest, dass diese Definition in Kenia noch nicht festgelegt worden sei, wodurch sich dann in der Folge Probleme der Rollenzuweisung und des gesellschaftlichen Ansehens der Frau ergäben.

Er selbst definiert eine Frau wie folgt: „Eine Frau ist ein menschliches Wesen, die alle Voraussetzungen dafür erfüllt.“ Wenn man den Mann ebenso als ein menschliches Wesen definiert, das alle Voraussetzungen des menschlichen Wesens erfüllt, ergibt sich, dass Mann und Frau einen Anspruch darauf haben, als ebenbürtig betrachtet zu werden. Daraus ergibt sich für Dr. Kamau, dass sie die gleichen Rechte beanspruchen dürfen. Da alle gesellschaftlichen Probleme der Geschlechter auf dieser bisher nicht umgesetzten Definition basieren, empfiehlt er als wirksamstes Mittel des „Women Empowerment“, in die Bildung zu investieren und einen Diskurs über eben diese gesellschaftliche Definition der Frau zu beginnen.

Am sinnvollsten ist für ihn auf diesem Weg die Bildung von Kindern und Jugendlichen, da diese noch offen und beeinflussbarer in ihrem Denken seien. Er verfolgt damit einen langfristigen Ansatz des Empowerments, der sich über Generationen hinziehen soll, da er der Meinung ist, dass sich die kenianische Gesellschaft aus sich selbst heraus wandeln müsse. Alle anderen Strategien „von außen“ hält er für nicht tragfähig, da sie den Kern der Gesellschaft nicht berührten und keine Transformation gesellschaftlicher Denkstrukturen bewirken könnten. Somit blieben rein auf politische Aktionen ausgelegte Strategien immer nur oberflächlich und jederzeit umkehrbar.

Schwerer Weg bis nach oben

Das letzte Interview der Woche mit der Professorin Mary N. Getui von der Catholic University zeigte uns, wie schwierig sich die berufliche Ausgangssituation für Frauen in Kenia darstellt. Getui erzählte uns sehr viel Persönliches aus ihrem Leben und welche Herausforderungen sie zu bewältigen hatte. Auch sie machte wie viele andere Frauen in Kenia viele negative Erfahrungen und musste Spott erdulden. Sie setzte sich dagegen zur Wehr und besetzt bis heute hohe Positionen an der Universität.

Von der Party in der Polizeikantine zum Lounge-Atelier über den Dächern von Nairobi

Nairobi hat viele Gesichter. In unserer Freizeit zogen wir los, um den Geburtstag von Eva aus unserer deutschen Studentengruppe zu feiern und wählten hierfür einen Geheimtipp der einheimischen Studenten: Die Kantine der Polizeistation! Hier „glühen junge Kenianer vor“, wie es Jugendliche in Deutschland bei sich zu Hause tun würden. Da damit schon nachmittags um 17 Uhr begonnen wird, waren wir froh, dass wir noch ein letztes Bier vom Barkeeper gezapft bekamen, bevor dieser seinen Feierabend einläutete.

Ein ganz anderes Flair bot uns dagegen die Party in der Innenstadt, welche mit einem Poetryslam als Vorabendprogramm startete. Anschließend öffnete die Dachterrasse ihre Pforten, welche nicht nur mit Lounge-Mobiliar lockte, sondern auch mit einer Kunstausstellung, Springbrunnen und Teich für „ein exklusives Ambiente“ sorgte. Dort sind wir ein Weilchen geblieben und haben uns Nairobi bei Nacht angesehen. Anschließend haben wir uns mit noch weiteren Leuten aus der Gruppe in einem Club getroffen und die Nacht durchgetanzt. Das musste auch mal wieder sein. Mit den Kenianern zu feiern war ein großer Spaß. Wir haben viel gelacht, gequatscht, getanzt und auf unser Projekt angestoßen. Nairobi wird uns als eine sehr kontrastreiche Stadt in Erinnerung bleiben. Marilena Häring/Dennis Nickel/Felix Wronna/Inga-Britt Roos

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