Wichtiger als Buchdruck und Dampfmaschine

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TRIER. Der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Dr. Frank Schirrmacher, sorgte für ein volles Haus im Theater Trier. Der Anlass: Die diesjährige Gemeinschaftsveranstaltung von Marketing-Club Trier-Luxemburg e.V., Vereinigung Trierer Unternehmer in der Region Trier e.V. (VTU) und Kreis Junger Unternehmer Trier (KJU). Das Thema des Abends: Tun, was du tatsächlich willst – gewinne die Kontrolle über Dein Denken zurück!

In seinem rund 90-minütigen Vortrag erläuterte der promovierte und vielfach ausgezeichnete Journalist, Essayist und Bestsellerautor seine Sicht zur Digitalisierung der Gesellschaft, den Chancen und Risiken, die sich dahinter verbergen, und wie Unternehmen dabei sind, die Konsumenten immer genauer kennen zu lernen, deren Kaufverhalten zu studieren und zu beeinflussen.

Dabei kreisten die Thesen und Fragen des Kulturjournalisten des Jahres 2010 immer um den gleichen Kernpunkt: Inwieweit sind wir in unseren Tun und Handeln schon fern, und nicht mehr selbstbestimmt? Führt die Koexistenz von Mensch und Computer zum Sieg der künstlichen Intelligenz – und was sind die gravierenden sozio-kulturellen Auswirkungen der modernen Informationstechnologien? Beispiele aus dem persönlichen Leben, aber auch aus der Unternehmenswelt belegten, dass die Menschen immer mehr ihrer Persönlichkeit preis geben, ohne zu ahnen, dass die Wirtschaft so in der Lage ist, einen gläsernen Kunden zu schaffen.

Es wird suggeriert, dass den Menschen ohne Smartphone, Laptop und Co. der Zugang zu den wichtigsten Informationen fehle, und Schirrmacher gesteht ein, dass der Verlust von Internet und/oder Computer für ihn wie das Ende einer sozialen Beziehung sei. Für ihn ist die digitale Revolution noch einschneidender als die Erfindung des Buchdrucks und der Dampfmaschine. Der Mensch – so Schirrmacher – ist nicht nur ein Fleisch- und Pflanzenfresser, er ist auch ein Informationsfresser, und in der Informations-Nahrungskette siegt der, der am schnellsten und effektivsten Nachrichten sendet und empfängt. Aber diese Form führt schnell dazu, dass wir nicht mehr zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden können. Die Fähigkeit, mit Unerwartetem umzugehen, wird zerstört, und Personen ohne digitale Teilhabe in Sozialen Netzwerken, ohne Email-Adresse und Mobilfunknummer machen sich verdächtig.

„Mehr ging in 90 Minuten nicht.“ so der Kommentar eines sichtlich beeindruckten Gastes der Abendveranstaltung. Beim anschließenden „Get-together“ gestanden nicht wenige der rund 500 Besucher ein, ihre digitalen Kommunikationseinrichtungen – ob im Beruf oder in der Freizeit – ja selbst ihr Navigationssystem nun mit anderen Augen zu sehen.

BU (Veranstalter mit Schirrmacher) v.l.: Christian Heuschreiber (KJU), Sabine Plate-Betz (VTU), Dr. Frank Schirrmacher, Frank Natus (VTU), Hiltrud Zock und Matthias Schwarz (Marketing-Club), Ulrich Schneider (KJU)

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