Die Chronik: Vorsicht, spitze Feder!

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Die lokalo-Chronik mit spitzer Feder.

Bildquelle: Eric Thieken

TRIER. Sie ist zurück, die Chronik von lokalo. Zunächst einmal monatlich kommentieren wir mit spitzer Feder das Geschehen in und um Trier. Treten wir dabei jemandem auf den Schlips, so ist das gewollt. Treten wir nicht, ist auch das gewollt. Einen Preis loben wir auch aus: die faule Zitrone für besonders verdienstvolles Bemühen um Stadt, Land und Leute. Heute also mit ’ner Seilbahn, ’nem Albtraum aus dem Rathaus, von Stoppern und Gestoppten, von Pennen und solchen, die pennen – und mit jeder Menge Kleinkram. Und natürlich mit dem Schreiberling Eric Thielen

Uiii, uiii, uiii, wer hätte das gedacht? Die Lösung aller Trierer Verkehrsprobleme naht. Wobei die Frage erlaubt sein muss: Hat die Stadt überhaupt Probleme beim Verkehr? Bei jenem auf den Straßen versteht sich. Die Schlafzimmer sind ja trotz NSA und Google immer noch Privatsache. Wer jemals in Stuttgart, Frankfurt oder Kölle gelebt hat, weiß, welch paradiesische Zustände in Trier herrschen – trotz der hin und wieder auftretenden Verstopfung beim Verkehr.

Aber gut, jeder macht sich seine Probleme selbst. Zurück zum Geschäft. Jüngst konnte man lesen und hören, die Grünen der Stadt wollen eine Seilbahn. Nein, falsch, sie wollen zwei Seilbahnen. Och nö, noch ein Aprilscherz, wo die Dinger inzwischen doch so ausgelutscht sind wie weiland Klein-Hänschen sein Lolly. Und dann auch noch einen verspäteten am 11. April – oder ist da eine Eins zu viel ins Datum gerutscht?

Nein, die meinen das Ernst, ohne Pupesquatsch. Eine vom Petrisberg nach Sirzenich, eine andere vom Petrisberg nach Euren. Ich wiederhole, gaaanz langsam zum Mitbuchstabieren:

S E I L B A H N

Da hab‘ ich dann wirklich Verstopfung bekommen. Und mich gefragt, wer bei den Trierer Grünen ebenfalls daran leidet. Die Gase aus dem Gedärm sollen ja ungemein schädlich für den Fluss im Gehirn sein. Nichts gegen Utopien, aber wer solche Hirngespinste kultiviert, hat in der Realpolitik nichts zu suchen. Da verstopft der Parksuchverkehr aus Luxemburg und dem Umland tagtäglich die direkte Innenstadt. Doch statt sich darum zu kümmern, dass die Quartiers dort nur noch von Bewohnern beparkt werden dürfen und all die Anderen in die Parkhäuser gelenkt werden, ergehen sich die Grünen in Fantasien, die so weltfremd sind wie eine Heirat des Papstes mit Alice Schwarzer.

Klar doch, und dann machen wir, weil’s ja die Trierer sind, welche die Straßen verstopfen, auch noch eine Fahrradspur auf dem Alleenring. Damit die aus LUX, BIT, WIL und SAB und wie sie alle heißen sich noch mehr quetschen müssen, während sie ihr sauer verdientes Geld nach Trier bringen, damit der Stadtsäckel nicht noch lauter vor Hunger ächzt.

Apropos Stadtsäckel: In den Schulen der Stadt blüht der Schimmel – soll ja ungesund sein, liebe Grüne-, liegen die Kids beim Unterricht ferner wegen Platzmangels inzwischen fast übereinander, fällt der Putz von Wänden, aber wir bauen eine Seilbahn! Nein, gleich zwei! Frage: Wer, bitte, stellt eigentlich die Schuldezernentin? Nur mal so nebenbei angemerkt.

Ist ja bald Ostern. Vielleicht wirft der Herr etwas Hirn vom Himmel. Und bitte, dann doch möglichst grün eingefärbt.

* * * * *

Ich bleibe grün. Nein, nicht ich, sondern die Chronik. Hatten die Grünen doch tatsächlich vor, Angelika Birk zur Kandidatin für die OB-Wahl zu machen. Noch ein Fall von Verstopfung. Trier hat ja viel überlebt. Die Römer, die Franken, despotische Kurfürsten, Napoleon, zwei Kriege und die Pest. Wir Treverer sind eben hart im Nehmen. Aber in diesem speziellen Fall hätte ich auf den Fortbestand unserer schönen Stadt nicht einen Pfifferling mehr gegeben. Es sei denn, wir hätten „Roma secunda“ zur Schlafstadt der ganzen Republik ausgerufen.

Nicht nur böse Zungen sagen dem aktuellen Amtsinhaber ja hin und wieder eine gewisse Schlafmützigkeit nach. Doch gegen Angelika Birk ist Klaus Jensen der legitime Nachfolger der berühmten Duracell-Haschen mit den Messing-Becken. Jensen joggt schließlich von der Innenstadt bis nach Schneidershof hinauf, überspringt dabei sogar rot-weiße Schranken im Laufschritt. Übrigens: Vorgänger Helmut Schröer hatte es da einfacher. Er konnte unter den Schranken durchlaufen. Suum cuique.

Bei Angelika Birk kann sich selbst der größte Optimist kaum vorstellen, dass sie von ihrem Büro aus unfallfrei den Stadtratssitzungssaal erreicht. Anstrengend muss das auf jeden Fall sein. Oder wie anders ist es zu erklären, dass der Kopf der Bürgermeisterin ab und an während der Sitzungen der bequemen Schulter von Klaus Jensen gefährlich nahe kommt? Peer Steinbrück, ehemals Kanzlerkandidat der SPD und Kabinettskollege von Birk in Schleswig-Holstein, war schon vor Jahren von deren ineffizienter und umständlicher Art genervt.

Da frage ich mich doch, was in solch einem Moment, wenn Birk auf den Schild gehoben werden soll, im Kopf eines Mannes wie Reiner Marz vor sich geht. Der Lehrer und Vater von fünf Kindern war Landtagsabgeordneter, gilt als ausgewiesener Fachmann in der Sozial- und Schulpolitik, sitzt heuer – wieder – für die Grünen im Stadtrat. 2009 soll er selbst Ambitionen gehabt haben, das Amt des Sozial- und Schuldezernenten zu übernehmen. Doch die Frauen-Connection bei den Ökos war wohl zu mächtig. Schließlich gilt Corinna Rüffer, die von den Grünen über die Landesliste mit einem Bundestagsmandat versorgt wurde, als Busenfreundin und ausgesprochene Förderin von Birk.

Ausbaden dürfen diese Seilschaftspolitik jetzt die Trierer. Zumindest bleibt uns die OB-Kandidatur Birks erspart. Sie lehnte wegen Arbeitsüberlastung – es darf geschmunzelt werden! – ab.

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Es grünt so grün, wenn Triers Zitronen blühen. Trotzdem erhalten die Grünen heuer unseren Preis für besondere Verdienste um Stadt, Land und Leute nicht.

Die faule Zitrone bekommen diesmal jene umtriebigen Mitarbeiter des städtischen Bauverwaltungsamtes, die sich tiefsinnige Gedanken um die Sterilität der hiesigen Innenstadt gemacht haben. Ich komme nicht umhin zu konstatieren: Auf dem Amt muss gleich eine ganze Armee von Fürzen quersitzen. Nicht nur die Grünen haben in Trier eben Verdauungsprobleme.

Vorweg: Dass die Sondernutzungssatzung der Stadt – welch ein Wort, das stark an die deutsche Kleingartenverordnung erinnert – umgeschrieben werden wird, ist noch gar nicht sicher. Wie heißt es so nervig im Neudeutschen? Das sei angedacht. Und dabei sollte es auch bleiben.

Die Werbe-Stopper sollen weg, ausufernde Verkaufsflächen vor den Geschäften verschwinden. Ich habe mir lange überlegt (nein, aktuell keine Verdauungsprobleme bei mir, danke der Nachfrage), worin da der tiefere Sinn liegen soll. Schließlich bin ich fündig geworden: Das ist vorbildlicher Schutz für Kinder und Menschen mit Behinderung.

Ständig rennen sich die Kleinen ihre Nasen an den Werbestoppern blutig. Rumms, wieder ist ein Dreijähriger in der Simeonstraße mit voller Wucht gegen so ein Ding geprallt. Und die Rollstuhlfahrer bleiben immer öfter mit ihren Rädern in den Beinen der Verkaufstische hängen, müssen dann von der Feuerwehr mit Schneidbrenner und Axt befreit werden.

Darin liegt also der tiefere Sinn, liebe Mitarbeiter des Bauverwaltungsamtes. Wisst Ihr was? Wenn Ihr nichts zu tun habt, dann geht doch einfach die Trierer Schulen sanieren – während Eurer Arbeitszeit. Am HGT fehlen Räume, in der Kaiserstraße muss der Brandschutz erneuert werden, in Egbert und der Nelson-Mandela-Schule muss der Schimmel weg, und am AVG ist auch noch jede Menge zu tun.

Also los, auf geht’s! Es gibt viel zu tun, packt es an! Dann kommt Ihr wenigstens nicht auf so dümmliche Gedanken, vielen Geschäften die Existenzgrundlage zu rauben und aus der lebendigen, bunten, farbenfrohen und frankophilen Trierer Innenstadt einen sterilen Abort zu machen – klinisch sauber, desinfiziert und tot.

* * * * *

Hoppla, das ging aber schnell, liebe Kollegen von Kabel Deutschland. Ruckzuck reagierte das Unternehmen am Donnerstag auf den lokalo-Bericht über die illegale Entsorgung von Schutt und Schlamm in Trier und Konz.

„Kabel Deutschland bedauert das Vorgehen der zuständigen Baufirma sehr und hat diese angewiesen, das Vorgehen sofort einzustellen. Darüber hinaus hat Kabel Deutschland die Baufirma angehalten, unverzüglich für die Beseitigung des Schlamms aus den Entwässerungskanälen zu sorgen. Die Beseitigungsarbeiten sind zurzeit in vollem Gange“, heißt es in der Stellungnahme.

Tja, das Internet mag viele Schwächen und Tücken haben. Aber Schweinereien lassen sich heute dann doch nicht mehr so leicht vertuschen wie früher. In diesem Fall aber gilt: Lieber spät als nie – sofern es nicht zu spät ist. Dennoch: Beim nächsten Mal, liebe Kabel-Kollegen, besser zweimal hinschauen, wem ein Auftrag erteilt wird.

Der finanzielle Aspekt ist nicht immer allein ausschlaggebend. Es geht auch um Seriosität. Und in Trier (oder Konz) gibt es genügend ansässige Baufirmen, die solche Arbeiten in der Region ausführen können – und sich der Region gegenüber auch verantwortlich fühlen. Die nackten Zahlen in der Bilanz können sich sonst schnell als Eigentor herausstellen. Und das Renommee ist erst einmal futsch.

* * * * *

Und zum guten Schluss – im Schnelldurchgang wie weiland bei Dieter Thomas Heck in der „Hitparade“. Das war die Chronik von lokalo – mit dem „Eifel-Literatur-Festival“, das eröffnet ist. Vielleicht kriegt das Land es ja gebacken, dass Dr. Josef Zierden einen hauptamtlichen Mitarbeiter für die über die Grenzen hinaus angesehene Veranstaltung bekommt. Wer Millionen im Nürburgring und in den FCK versenkt, sollte doch ein paar Euronen übrig haben, damit Zierden, der seit 20 Jahren ehrenamtlich Unglaubliches leistet, das Festival wieder zu alter Größe führen kann. Zu viel verlangt, liebe Malu Dreyer?

Mit Karl M. Sibelius, der neuer Intendant des Trierer Theaters wird. Chapeau, werte Kommunalpolitiker, das ist ja mal ein Zug, den Euch kaum einer zugetraut hätte. Mutig, mutig, liebe Leute. Sibelius wird Euch manche Nuss zu knacken geben, dessen seid gewiss. Denn dafür ist der Österreicher bekannt. Also immer schön die Zähnchen putzen, damit Ihr dann auch kräftig zubeißen könnt.

Und zu guter Letzt mit Sascha Beitzel, der zwar nicht mehr Geschäftsführer des IT-Hauses ist, aber den Trierer Bundesliga-Basketballern erhalten bleibt, weil er darauf ziemlich viel Bock hat. Und entgegen anderslautenden Gerüchten wird die TBB in der nächsten Saison nicht eine Klasse tiefer spielen. Im Gegenteil: Deutscher Meister wird nur die TBB! Weil Beitzel jetzt alle Hände frei hat, sich voll und ganz und nur auf Basketball zu konzentrieren. Zieht den Bayern die Lederhosen aus! Weil wir Trier sind!

In diesem Sinne: Frohe Ostern, eine gute Zeit – und viele, viele bunte Eier!

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1 KOMMENTAR

  1. Besonders fies fand ich die Stelle mit unserem Helmut Schröer. Gelacht habe ich dennoch herzhaft. Vollkommen zutreffend sind die Passagen über B90/Grüne. Aus der Partei, die sich vor 30 Jahren mal für mehr Bürgerrechte eingesetzt hat, ist inzwischen eine Partei der Bevormundung und Gängelung der Bürgerinnen/Bürger geworden. Man denke dabei nur kurz zurück an Veggieday und höhere Steuern für angeblich Besserverdienende, welche Kampagnen da gefahren worden sind. Die Grünen haben viel bewegt, was Umwelt usw. angeht, aber inzwischen haben sie sich selbst überlebt.

  2. Also wer nach diesen Chaosjahren wieder das Chaos mit Stimme für die Grünen bestätigt dem ist mit der gesegneten Kerze nicht zu helfen. Ich bin parteilos, entscheide von Wahl zu Wahl aber diesmal gibt es für mich keine Alternative zur CDU

  3. Ja, auch ich musste beim ersten lesen herzhaft lachen und schmunzeln.
    Bis ich mir die Hintergründe der einzelnen Punkte und Personen so mal näher betrachtet habe:
    Es ist zum heulen. Ich habe so eine schöne Stadt. Und die Entscheidungen werden von solchen Dilettanten getroffen. Im Stadtvorstand sitz kein einziger Trierer.
    Ich wage sogar zu behaupten, das da einige sind, die es nicht schaffen, zu Fuß vom Hauptmarkt zur Porta ohne sich über den Paulusplatz zu verlaufen.
    Früher hatten wir den Zimmermann, da waren wir arm dran.
    dann hatten wir den Schroer, was für ein Malheur.
    Doch jetzt haben wir den Jensen, der tut nur noch bremsen. Von 0 auf Rückwärts.
    Oh mein armes Trier. Uns schöner Trier.

  4. Man kann auch ein bisschen aus Trier rausgehen, dann weiss man wie grüne Politik gemacht wird.
    An der Mosel waren die Grünen erst vehement gegen den Bau der Hochmoselbrücke, als dann Frau Lemke neue Ministerin wurde, hat sie einem Fachmann aus dem Ministerium gleich mal einen Maulkorb verpasst, weil dieser sich über die Standfestigkeit der Hänge gemacht hat. Nachlesen kann man das in der Mainzer Zeitung.
    Von der neuen Energieagentur von Frau Lemke will nicht schon gar nicht sprechen, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für arbeitslose grüne Akademiker.

  5. HERRLICH! Schön, dass dieser Rückblick der besonderen Art wieder zurück ist! Weniger schön ist zwar, dass Trier (und seine Verantwortlichen) derart viel Stoff güt eine bissig-satirische Betrachtung hergeben, aber so macht es wenigstens Spaß, über den Mist zu lesen, den Parteien, Politiker und andere vermeintliche Größen hier verzapfen…Frau Birk als OB? Das würde Trier vermutlich wirklich nicht überleben, trotz Kriegserfahrung aus der langen Geschichte…

  6. Hätte sie es doch nur getan, A. Birk ganz vorne als Kandidatin für den OB zu platzieren, dann wären die selbst ernannten Weltverbesserer möglicherweise sogar aus dem Stadtrat geflogen.
    Schaden würde das Trier nicht, ganz im Gegenteil.

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