Als sei es das natürlichste auf der Welt

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TRIER. Strahlender Sonnenschein, sehr angenehme Temperaturen und swingende Musik. Ein Sonntag, wie er besser nicht beginnen könnte. Wer das erleben wollte, brauchte am vergangenen Wochenende nur ins Humboldt-Gymnasium Trier (HGT) zu gehen. Die schuleigene Big Band hatte zum Frühstück eingeladen.

Von Gerhard Kluth

Seit über 30 Jahren gibt es diese Band und es ist nicht übertrieben, wenn es heißt, sie sei zu einem Aushängeschild der Schule geworden. Nun könnte man sagen, in drei Jahrzehnten kann sich ein hohes Niveau aufbauen. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass eine Schulband oder auch ein Schulorchester einer ständigen Fluktuation unterworfen ist. Anders als in „normalen“ Ensembles gibt es hier ein ständiges Kommen und Gehen. Wenn dann trotzdem ein hoher Qualitätsstandard gehalten werden kann, spricht das für sich.

Das wichtigste beim Musizieren ist der Spaß, den man dabei erleben kann. Nicht der schnelle Spaß, der nur kurze Zeit anhält, sondern der Dauerhafte, der immer wieder kommt, wenn man ein Instrument in die Hand nimmt. Dieses Vergnügen muss erarbeitet werden. Schülern muss man es auch vorleben. Sie müssen sehen, dass es bei aller Arbeit am Ende Spaß macht, zu musizieren. Dass Hendrik Wisbar Spaß an seiner Funktion als Leiter der Big Band hat, das war in der Aula des HGT deutlich zu sehen. Er lebte mit seinen Schülern die Musik mit, animierte sie. Diese Freude übertrug sich auf seine Mitstreiter und öffnete dem freien Fluss der swingenden Klänge Tür und Tor. Da konnten sich „Swing Street“ von Sammy Nestico oder „It don’t mean a thing“ vom Big-Band-Klassiker Duke Ellington frei entfalten.

Jeder, der selbst schon einmal Musik gemacht hat, konnte die Aussage von Wisbar verstehen, als er meinte: „Wissen sie, wie das ist, wenn man zum ersten Mal für ein Solo vor die Band treten muss? Ich habe mir damals bald in die Bux gemacht.“ Umso erstaunlicher war es, die jüngsten Bandmitglieder bei ihren Soli zu erleben. Es hatte schon eine gehörige Portion Souveränität, mit der Amelie Reutlinger (Trompete), Sina Grandjean (Saxophon) und Julia Kruse am Schlagzeug ihre Aufgaben bewältigten. Und auch alle anderen Bandmitglieder meisterten ihre Soli meisterhaft und gerade so, als sei es die natürlichste Sache der Welt, sich solistisch zu präsentieren.

Zwei Mal wurde der Morgen etwas emotional. Es war schon berührend, als auf einmal geflüstert wurde: „Der Siggi ist da“ und dann kräftiger Applaus aufbrauste. Gemeint war damit Siegfried Degenhardt, der 1983 diese Big Band begründet hatte und im letzten Jahr zum Jubiläum zum Ehrendirigent ernannt wurde. Und dann war es authentisch, als Wisbar den Gershwin-Song „Love is here to stay“ zum Besten gab und ihn den fünf Musikern widmete, die sich in diesem Jahr aus der Band verabschieden. Die Tatsache, dass er „einen kleinen Kloß“ im Hals hatte, als er sich bei diesen Mitgliedern für ihre Mitarbeit bedankte, zeigte nicht zuletzt auch, welch ein gutes Klima in der Band herrscht. Anders aber geht es auch nicht. (red)

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