Film der Woche: Nymphomaniac 2

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TRIER. Im Broadway Filmtheater in Trier läuft die Fortsetzung des umstrittenen Films “Nymphomaniac“ von Skandal-Regisseur Lars von Trier. Im ersten Teil des Erotik-Dramas lernte der Kinobesucher die Nymphomanin Joe, ihren Retter Seligman und ihre Geschichte kennen. Dabei entstand, wie für Lars von Trier üblich, eine unscharfe Mischung aus Realität und Fiktion. Im zweiten Teil werden die dunklen Abgründe der Charaktere wesentlich schärfer gezeichnet. 

Inhalt

Seligman ist ein älterer Junggeselle. Als er an einem Winterabend einen Spaziergang unternimmt, findet er in einer dunklen Seitenstraße eine verletzte, fast bewusstlose Frau namens Joe. Seligman überlegt nicht lange und nimmt sie mit zu sich nach Hause, um sie gesund zu pflegen. In dieser Zeit erzählt die Frau ihm ihre Lebensgeschichte. Es stellt sich heraus, dass sie starke nymphomanische Züge aufweist, welche sie von ihrer Geburt bis zum 15. Lebensjahr in unzähligen Situationen auslebte.

Kritik

Lars von Trier ist bekannt für seine bildästhetischen und schwer verdaubaren Filme. Bereits in seinen letzten beiden Streifen “Melancholia“ und “Antichrist“ nahm der Regisseur seine Zuschauer mit an den dunklen Rand der menschlichen Abgründe. Sein neuestes Werk “Nymphomaniac“ steht den erwähnten Filmen in Sachen Optik und Inhalt in nichts nach. Von den dicken Regentropfen aus einer verrosteten Rinne, über eine ruhige Erzählweise, die plötzlich von Rammsteins “Führe mich“ unterbrochen wird, ist der Film stark metaphorisch, experimentell, düster und depressiv.

Der dänische Regisseur kündigte an, mit Nymphomaniac einen Porno zu drehen. Dies hat er nicht getan, hatte er auch vermutlich nie vor. Der Däne ist bekannt dafür, einen speziellen Umgang mit der Presse zu pflegen. Möglicherweise hat er sich einfach einen Spaß aus der Aussage gemacht. Unter dem Strich ist der erste Teil seines neuen Werkes sehr vielversprechend und trägt die unverwechselbare Handschrift des Regisseurs. Mit Nymphomaniac ist von Trier ein bildgewaltiges, depressives und metaphorisch geprägtes Meisterwerk gelungen.

Im Vergleich zu amerikanischen Lichtspielhäusern ist der Film in deutschen Kinos zweigeteilt. Der erste Teil lief Anfang Februar und stellte in erster Linie die beiden Hauptcharaktere vor. Wer sich mit Lars von Trier auseinandersetzt merkt schnell, dass er ein akribischer Arbeiter ist, der nichts dem Zufall überlässt und sich bei jeder Filmsekunde etwas gedacht hat. So werden die zum Teil etwas künstliche wirkenden Längen im zweiten Teil in einem größeren Ganzen gesehen.

Nymphomaniac enthält unübersehbar die Handschrift des umstrittenen Autors. So werden seine Fans sicherlich auf ihre Kosten kommen. Von Trier ist allerdings nicht für jedermann zugänglich. Diejenigen, die bisher noch keinen seiner Streifen zu Gesicht bekommen haben, sollten vielleicht erst mal den Gang in die Videothek wagen, bevor sie sich auf diese spezielle Art Film einlassen. (tw)

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