Ein Osterkonzert ohne Osterfreude

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LUXEMBURG. Das Orchestre Philharmonique du Luxembourg (OPL) hat seine Heimat seit einigen Jahren in der Luxemburger Philharmonie auf dem Kirchberg. Ein fester Bestandteil sind die großen Konzerte zu den Feiertagen eines Jahres. Es gibt das Weihnachtskonzert, das Neujahrskonzert und auch das Osterkonzert, zu dem das OPL jetzt eingeladen hatte und zu dem auch wieder viele Musikfreunde aus Trier und der Region angereist waren.

Von Gerhard W. Kluth

Irgendetwas schien der Chefdirigent des OPL, Emmanuel Krivine, falsch verstanden zu haben. Ostern – kaum ein anderes Fest ist mehr mit Freude verbunden, als dieses. Mehr noch als zu Weihnachten jubelt bei diesem Anlass die gesamte christliche Welt. Und was macht Krivine? Er setzt die „Maurerische Trauermusik“, KV 477, von Wolfgang Amadeus Mozart und das „Deutsche Requiem“, Opus 45, von Johannes Brahms auf das Programm. Also ein Passionskonzert? Das wäre treffend gewesen, denn zu Ostern trauert niemand mehr.

Nun kann man hingehen und sagen, dass das Requiem von Brahms angefüllt ist mit Trost und Hoffnung und es von daher doch passt. Dies ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Brahms hat ganz bewusst in diesem Werk alle Anspielungen an ein jüngstes Gericht und einen strafenden Gott, vor dem sich ein Gestorbener verantworten muss, außen vor gelassen. Bei ihm steht die Erlösung, stehen Bibeltexte der Hoffnung im Fokus. Am offensichtlichsten Dokumentiert in den Chören „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ und „Selig sind die Toten“. Die 1865 entstandene Komposition gehört zum schönsten, was die deutsche Chorliteratur aus jener Zeit zu bieten hat. Sie ist ein Solitär. Warum, so musste man sich in Luxemburg fragen, hat Krivine es nicht auch so behandelt? Was sollte es, dass er das tieftraurige KV 477 noch davor setzte?

Für den Chorpart hatte Krivine den Wiener Singverein kommen lassen, einen der renommiertesten Laienkonzertchöre in Europa. Bei diesem Klangkörper steht das deutsche Requiem schon seit seiner Entstehung im Repertoire. Für die Solopartien waren mit der Sopranistin Camilla Tilling und dem Bariton Lauri Vasar zwei Meister ihres Fachs auf den Kirchberg gekommen. Doch es war wie so häufig, wenn Krivine am Pult steht. Er bremste Chor, Orchester und auch die Solisten oftmals aus, gab den Musikern keine Chance, Bögen und Linien wirklich zu zeichnen. In den Pianopassagen deckte er den Chor mehr als nur einmal mit zu dickem Orchesterklang zu. Hinzu kam, dass er teilweise durch das Werk durchhetzte. In der Regel geht man von einer Aufführungsdauer von um die 80 Minuten aus. Frieder Bernius mit seinem Stuttgarter Kammerchor macht es in 70 Minuten. Das ist manchmal an der Grenze des Vertretbaren. Krivine benötigte 62 Minuten und war mit allem fertig.

Absolut unvertretbar war die Tatsache, dass Krivine sein Orchester für den (von Brahms mit ad libitum versehenen) Orgelpart mit einer elektronischen Konservendose ausgestattet hatte. Warum, musste man sich fragen. Die Philharmonie verfügt über eine gewaltige, gerade für romantische Musik bestens geeignete Orgel, die dem Hausorchester zur Verfügung gestanden hätte. Was soll dann die Lautsprechermusik? Alles in allem ein Abend mit einem sicherlich bemühten Orchester, einem sehr guten Chor und exzellenten Solisten die berechtigt mit intensivem Applaus bedacht wurden. Aber am Ende war es tatsächlich ein Passionskonzert mit vielen Fragen und vielen Leiden, jedoch ohne Osterfreude.

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