„Ganz Zurlauben wird partizipieren“

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    TRIER. Die Baumaßnahmen in Zurlauben haben in den vergangenen Monaten jede Menge Emotionen freigesetzt. Die Stadt geriet wegen der Umbauten in die Kritik, „Paulaner“-Pächter Karl Schmelzer wegen der neuen Außenterrasse seines Wirtshauses. Jetzt äußert Schmelzer sich gegenüber lokalo erstmals zum Sachverhalt, der am Dienstagabend auch den Ortsbeirat Trier-Nord beschäftigte. Derweil stellt Karl-Heinz Ginsbach von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) in Trier klar: „Die Arbeiten waren zwischen Stadt und SGD abgesprochen.“

    Von Eric Thielen

    Karl Schmelzer ist an diesem fast schon sommerlichen Mittwochnachmittag im April bestens gelaunt – trotz der teils emotionalen Aufregung, die sich in den letzten Monaten um ihn und seine Gaststätten hochgeschaukelt hatte. Der 65-Jährige saust zwischen seinen beiden Lokalen hin und her. Schmelzer betreibt das Restaurant „Bagatelle“ in Zurlauben – und auch das Wirtshaus „Paulaner“ in unmittelbarer Nachbarschaft. „Wissen Sie“, sagt er, während er einer Mitarbeiterin kurz etwas erklärt, „da ist schon mit sehr vielen Halbwahrheiten hantiert worden.“

    Fakt sei, sagt Schmelzer und weist auf die Baustelle, wo gerade die neue Außenterrasse des „Paulaner“ entsteht, „dass die Freifläche nicht größer ist als zuvor.“ Aus den beiden Gaststätten „Pfeffermühle“ und „En de Lauben“ wurde der „Paulaner“, aus den beiden Terrassen wurde eine. Dass die nun um rund zwei Meter flussabwärts verschoben wird, hat nach Auskunft von Schmelzer einen ganz einfachen Grund. „Wir bauen zwischen die beiden Terrassen von Bagatelle und Paulaner eine Treppe hinauf zum Damm, damit alle Besucher von Zurlauben bequem von unten nach oben und wieder zurück gehen können.“

    Doch nicht die Stadt baut, auch nicht Schmelzer. Hauseigentümer Theo Thonet finanziert das Projekt. Der Trierer Unternehmer hat laut Schmelzer in den vergangenen Jahren rund 2,5 Millionen Euro in Aus- und Umbau der Zurlaubener Ecke investiert. Hinzu kamen rund 500.000 Euro für den Innenausbau des „Paulaner“, wie Schmelzer versichert. „Und trotzdem hat die Stadt uns eine Terrassenerweiterung nicht genehmigt“, sagt der 65-Jährige. Ursprünglich wollte Schmelzer die Außenfläche seines Wirtshauses auf den Damm hinauf erweitern. „Aber das wurde uns von der Stadt untersagt – obwohl wir eine solch hohe Summe hier investiert haben.“

    Den Ärger seiner Nachbarn vom Restaurant „Ente“ kann Schmelzer verstehen. Er hätte nichts gegen eine neue Außenterrasse der „Ente“ einzuwenden gehabt, „weil auch das die Attraktivität von Zurlauben gesteigert hätte“. Ralf van Bellen, Pächter der „Ente“, hatte einen entsprechenden Antrag bei der Stadt gestellt, der jedoch abgelehnt wurde. Unterstützt wird van Bellen von Heinz Herresthal, dem Hauseigentümer der „Ente“, der am Dienstagabend auf der öffentlichen Sitzung des Ortsbeirates Trier-Nord erneut Kritik an der Entscheidung der Stadt übte. „Seit zehn Jahren werden unsere Anträge regelmäßig abgelehnt“, so Herresthal, „und das ist einfach nicht zu verstehen.“

    Gerüchten, wonach die Baumaßnahmen am unteren Teil des Dammes am Zurlaubener Ufer zwischen Stadt und Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) nicht abgestimmt gewesen seien, trat Karl-Heinz Ginsbach von der SGD am Mittwoch im Gespräch mit lokalo entgegen. Matthias Melchisedech (CDU) hatte während der Sitzung des Beirates hinsichtlich der Kooperation zwischen Stadt und SGD bei Ortsvorsteherin Dr. Maria de Jesus Duran Kremer (SPD) nachgehakt. Der SPD-Stadträtin lag jedoch nur ein Schreiben von Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) vor, das nicht zur Aufklärung des umstrittenen Punktes beitragen konnte.

    Dafür stellte Ginsbach, Referent für Hochwasserschutz bei der SGD, gegenüber lokalo klar: „Alle Baumaßnahmen in Zurlauben waren zwischen uns und der Stadt abgesprochen.“ Man habe handeln müssen, weil der Damm gegenüber dem Gasthaus „Ente“ sanierungsbedürftig gewesen sei. „Aktuell sind wir dabei, den kompletten Damm zwischen Georg-Schmitt-Platz und der Schiffswerft Boost zu überprüfen“, so Ginsbach. Die Sanierung am Zurlaubener Ufer sei eine Ad-Hoc-Maßnahme gewesen, um die Standfestigkeit des Dammes zu gewährleisten.

    Der sei in den letzten Jahren vor allem durch Wildparker beschädigt worden. „Das waren unhaltbare Zustände in Zurlauben“, sagt Ginsbach. „Wir haben die Situation, auch nach massiven Beschwerden von Anwohnern, über einen ganzen Zeitraum hinweg beobachtet und festgestellt, dass teilweise Dutzende von Autos direkt im Damm parkten.“ So hätten Studenten der Fachhochschule ihre Fahrzeuge kostenlos im Zurlaubener Damm abgestellt und seien dann mit dem Bus nach Schneidershof gefahren. „Das war eine wilde Situation“, so der Experte für Hochwasserschutz, „durch die der Damm schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.“

    In Absprache mit der Stadt habe man sich entschlossen, das Teilstück sofort zu befestigen. „Jetzt hat sich die Situation entspannt“, betonte Ginsbach. So genannte Gabionen, Gitterkästen mit Steinen aufgefüllt, verhindern nun das wilde Parken am Zurlaubener Ufer. Die „dringend notwendige Befestigung des Dammes“ (Ginsbach) im Anschluss an die Freifläche des „Paulaner“ lässt folglich auch keine weitere Terrasse mehr zu – etwa auf Höhe der „Ente“.

    Die neuen Fahrradständer oben auf dem Damm seien jedoch auf Initiative der Stadt installiert worden. „Damit hat die SGD nicht zu tun“, so Ginsbach. Die aber sind den Pächtern der „Ente“ und Hauseigentümer Herresthal weiter ein Dorn im Auge. „Wenn man uns schon keine Terrasse bewilligt, hätte man uns doch wenigstens das ersparen können“, so Herresthal. Die Gäste der „Ente“ schauen nun nicht nur auf die Gabionen, sondern auch auf die U-Bögen oberhalb der neuen Befestigung. „Zehn Meter weiter flussabwärts hätten die doch auch ihren Zweck erfüllt“, kritisiert der Hauseigentümer die Entscheidung der Stadt.

    Karl Schmelzer kann auch diesen Ärger seiner Nachbarn verstehen. „Klar hätte man die auch ein paar Meter weiter setzen können“, sagt der Pächter des „Paulaner“. Grundsätzlich begrüßt Schmelzer aber die Maßnahme der Stadt. „So oft hatten wir das Problem, dass die Leute ihre Fahrräder direkt an den Lokalen abgestellt haben. Jetzt gibt es wenigstens einen Platz für die Velos.“

    Seine neue Außenterrasse sieht der 65-Jährige als Bereicherung für den ganzen Moseluferstadtteil. Die rund 180 000 Euro seien gut investiertes Geld. „Es ist doch so, dass Zurlauben in den letzten 25 Jahren vor sich hin darbte“, so Schmelzer. „Früher kannte ein Student von außerhalb Zurlauben schon am zweiten Tag, heute erst nach dem Moselfest.“ Seinen „Paulaner“ sieht Schmelzer, der seine neue Terrasse nach Ostern öffnen will, als Beitrag zur Revitalisierung Zurlaubens. „Und daran werden auch alle anderen partizipieren“, ist sich der 65-jährige Gastronom sicher. (et)

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    1 KOMMENTAR

    1. Die Falschparker sind also schuld, das der Damm kaputt ist? Das kann doch nicht sein. dann hätte die das Ordnungsamt doch sofort Abgeschleppt. In Trier werden doch alle Falschparker innerhalb von Minuten protokolliert und direkt entfernt. Tausende im Jahr.
      Heinz Herresthal? Ist das nicht auch der Besitzer von der Ruine, der dafür 2 Mio will? Oder: Werden die tauben zur Qual, ruf Herresthal.

      Übrigens: Die Sache mit den Stellplätzen fällt in den Bereich eines Mannes mit Krug
      und unserer allseits so fachlich und menschlich geschätzten Frau Baudezernentin.

    2. und was ist mit den Stellplätzen? wieso musste das paulaner für die Erweiterung von 70 auf 180 plätze im Innenraum, nicht auf der Terrasse, keine Stellplätze nachweisen bzw. finanz. ablösen? wer hat hier zu Ungunsten der Stadt auf ca 100000 euro verzichtet? meines erachtens ist dies ein fall für den Staatsanwalt!

    3. ein paar orthographische Feinheiten (was mich mittlerweile fast überall aufregt…)
      MATTHIAS Melchisedech!
      „nichtS zu tun“

    4. @hendrik

      Danke für den Hinweis. Vorname wurde korrigiert. Es gibt zwei Herren Melchisedech im Ortsbeirat – zu meinem Bedauern habe ich den falschen Vornamen aus dem Ratsinformationssystem kopiert. Ich bitte, dies zu entschuldigen.

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