Europameisterin wieder auf Titeljagd

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TRIER/ROM. Anke Müller will es wieder wissen: Die 36-jährige gebürtige Saarländerin ist doppelte Europameisterin im Brasilian Jiu Jitsu (BJJ). Einen der beiden Titel konnte die amtierende Nummer Eins der Weltrangliste des BJJ-Weltverbandes bereits im Januar in Lissabon in der Variante „mit Gi“ verteidigen. Nun bereitet sie sich auf die zweite Europameisterschaft, die „ohne Gi“ im April in Rom vor. Ihr Ziel ist wieder der Titelgewinn.

Wenn man Anke Müller in die Augen schaut, während sie über Brasilian Jiu Jitsu spricht, dann springt einem förmlich ihre Begeisterung entgegen. Anke liebt ihren Sport und ist gleichzeitig trotz ihrer zwei EM-Titel völlig auf dem Boden geblieben – in mehrerlei Hinsicht: Brasilian Jiu Jitsu ist ursprünglich aus dem Judo hervorgegangen, konzentriert sich aber im Unterschied zum olympischen Judo, welcher mehr auf den Kampf im Stand fokussiert ist, hauptsächlich auf den Bodenkampf. Zusätzlich gibt es die Unterscheidung zwischen Gi und no Gi. Der Gi, das ist das Kleidungsstück, welches während eines Wettkampfes, wie im Judo, getragen wird.

Seit 1987 macht Anke bereits Kampfsport. Damals war sie gerade einmal 10 Jahre alt. Erst 2008 beschließt sie, auf Brasilian Jiu Jitsu umzusteigen, was ihr bisher größter Durchbruch werden sollte: Allein 2013 kämpfte Anke Müller auf 16 Turnieren in 6 verschiedenen Ländern und gewann neben den beiden EM-Titeln mit und ohne Gi zahlreiche weitere Goldmedaillen. Seit dem vergangenen Jahr führt sie nun die Weltrangliste des BJJ-Weltverbandes in ihrer Klasse an.

Im Januar konnte Anke ihren Europameistertitel im BJJ mit Gi in Lissabon bereits verteidigen. Nun fokussiert sie sich auf den Wettkampf um den EM-Titel ohne Gi im April in Rom. Auf die Frage nach ihrem Erfolgsrezept weiß die Saarländerin mit den Zutaten Ehrgeiz und einer Portion Sturheit zu antworten. Der Bodenkampf, der im BJJ essentiell ist, liegt ihr zudem. Fünf bis sechsmal pro Woche absolviert Anke ihr zweistündiges Training entweder in Prüm oder Trier. Dabei gibt sie ihre Erfahrung als Trainerin im Hochschulsport auch an Interessierte weiter.

Die Trägerin des zweiten Dan, des zweiten schwarzen Gürtels im Judo und des Purple Belts im BJJ betont im Gespräch den defensiven Charakter ihrer Sportart. Vordergründig geht es beim BJJ darum, Gefahrensituationen realistisch einzuschätzen und taktisch zu agieren. Neben dieser Fähigkeit schult der Kampfsport außerdem ihren Charakter, so unterstreicht Anke, dass man im BJJ lernt, Verantwortung für sich und seine Trainingspartner zu übernehmen. Sich direkt mit sich und seinem Trainingspartner auseinanderzusetzen und dabei hart an sich selbst zu arbeiten, reizt sie besonders.

Leider ist BJJ in Deutschland noch recht unbekannt. Dafür ist der Zusammenhalt unter den Sportlern enorm hoch. Anke beschreibt, dass sie sich bei jedem Wettkampf stets willkommen gefühlt hat. Das Konkurrenzdenken sei in dieser Sportart kaum ausgeprägt, eher entwickelten sich in dem noch kleinen Verband schnell Freundschaften zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Das heißt für sie aber nicht, dass sie dem BJJ wünscht, sein Nischendaseins beizubehalten. BJJ wird nicht selten wegen der geringen Verletzungsgefahr bis ins hohe Alter betrieben und bietet einen hohen Spaßfaktor, auch wenn man keine Turniere bestreiten möchte.

Die ehrgeizige Sportlerin denkt jedoch jetzt schon insgeheim an die Weltmeisterschaft im Herbst in Long Beach im US-Bundesstaat Kalifornien. Reizvoll ist auch die Teilnahme an einem der großen Turniere in Osteuropa oder Skandinavien, wo BJJ bereits wesentlich populärer als in Deutschland ist. Neben der harten Arbeit an sich selbst bedeutet das für Anke vor allem ihre Suche nach Sponsoren weiter zu verfolgen, denn die Kosten für Flug und Unterkunft sind, neben der weltweiten sportlichen Konkurrenz, die größte Herausforderung. Man darf gespannt sein, wie der Weg der Saarländerin weiterhin verlaufen wird. Marilena Häring

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