Grünes Feindbild Ehrang

    0

    TRIER. Ein Medienbericht sorgt für Aufregung am Trierer Friedrich-Spee-Gymnasium (FSG), der einzigen G8-Schule der Region. Darin wird unterschwellig unterstellt, die gestiegenen Anmeldezahlen am FSG könnten durchaus in der Limitierung der Schülerzahlen am Schweicher Stefan-Andres-Gymnasium begründet sein. „Die Kinder sollen wohl gezwungen werden, an das Friedrich-Spee-Gymnasium in Ehrang zu gehen“, wird der Rioler Landtagsabgeordnete Arnold Schmitt (CDU) zitiert. „Blanker Unsinn“, sagt FSG-Schulleiter Kajo Hammann. „Wir haben unsere Zahlen im Februar gemeldet – und damit einen Monat vor allen anderen Schulen.“

    Von Eric Thielen

    Kajo Hammann ist sauer. Der Kaffee zum Frühstück wollte dem Schulleiter des Friedrich-Spee-Gymnasiums am Freitagmorgen nicht so recht schmecken. Im November 2012 hatte Hammann nach langem Ringen die Aufhebung der gemeinsamen Orientierungsstufe mit der Realschule plus am Mäusheckerweg durchsetzen können (wir berichteten). Der Trierer Stadtrat hatte dem zugestimmt, ebenso das Ministerium in Mainz. „Im kommenden Schuljahr können wir endlich wieder drei Eingangsklassen bilden“, äußerte Hammann sich am Freitag gegenüber lokalo, „und jetzt das“.


    62 Schüler wurden bis heute am FSG angemeldet, 16 mehr als noch vor einem Jahr. Am 15. Februar hatte Hammann 61 Anmeldungen an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) gemeldet – und damit einen Monat vor allen anderen Schulen. „Dazu sind wir als G8-Schule verpflichtet“, so der Schulleiter. „Von Lenkungsmaßnahmen durch die ADD kann also gar keine Rede sein“, betont Hammann. Die werden in einem aktuellen Medienbericht jedoch unterschwellig unterstellt, weil die Schülerzahl am Stefan-Andres-Gymnasium, das eine gemeinsame Orientierungsstufe mit der Realschule plus besitzt, von der Schulbehörde auf 225 begrenzt wurde. „Vielleicht, um das viel diskutierte G8-Gymnasium in Ehrang zu stärken?“, heißt es da. Und weiter: „Andererseits könnte die Schule (das FSG, Anm.d.Red.) davon profitiert haben, dass man am benachbarten Schulzentrum Schweich diesmal weniger Schüler aufgenommen hat als angemeldet wurden.“

    Ferner wird der Rioler Landtagsabgeordnete Arnold Schmitt (CDU) mit dem Satz zitiert: „Die Kinder sollen wohl gezwungen werden, an das Friedrich-Spee-Gymnasium in Ehrang zu gehen.“ Gegenüber lokalo relativiert der Christdemokrat am Samstagmorgen seine Aussage. „Nichts lag mir ferner“, betont Schmitt, „als gegen das FSG in Ehrang zu schießen.“ Am Montagmorgen will Schmitt, der sich seit Freitag mit etlichen E-Mails empörter Speeler konfrontiert sieht, das Gespräch mit Schulleiter Hammann suchen, „um klarzustellen, dass ich nicht das FSG kritisieren wollte, sondern meine Sorge einzig dem Schulzentrum Schweich galt – und hier vor allem auch der Realschule“.

    Der Christdemokrat weiß um die Diskussionen rund um das Ehranger Gymnasium, das immer wieder Zielscheibe der Kritik vor allem aus dem linken politischen Spektrum ist. Schmitt kritisiert in der aktuellen Schuldiskussion auch die ADD, die sich „um Antworten drückt, wenn beispielsweise aus unserem Arbeitskreis Bildung Fragen gestellt werden“. Was die Beziehung zum FSG angeht, kann der Christdemokrat ohnehin beruhigt sein. „Das FSG will und braucht keine Schülerlenkung“, hatte Hammann am Freitag betont. „Wir möchten, dass sich Eltern und Schüler freiwillig für unser Angebot und Konzept entscheiden“, so der Schulleiter.

    Dass das nach wie vor nicht unumstritten ist, ist auch Hammann bewusst. Da kann er noch so oft von seiner Schule als „hartem Standortfaktor für Trier“ sprechen und die Vorzüge der Ganztagsbetreuung herausstellen, die Kritiker lassen sich damit nur schwer bis gar nicht überzeugen. Die werden in Trier vor allem von den Grünen angeführt. Vehement hatte sich deren Dezernentin Angelika Birk im September 2012 gegen die Abschaffung der Gemeinsamen Orientierungsstufe (GOS) zwischen Gymnasium und Realschule plus ausgesprochen. Ihre Partei hatte nach Medienberichten sogar eine Schließung des G8-Gymnasiums erwogen.

    Eineinhalb Jahre nach der Aufhebung der GOS in Ehrang sehen die Grünen das dortige Konzept weiterhin mit großer Skepsis. „Die Anmeldezahlen am FSG sind nach wie vor nicht hoch genug. Unserer Auffassung nach ist noch keine befriedigende und nachhaltige Entwicklung zu verzeichnen. Eine Dreizügigkeit ist das Minimum für ein Gymnasium; die Dreizügigkeit wurde nur knapp erreicht. Die Schule nimmt 61 Schüler auf, das sind gerade mal eine Hand voll mehr, als auch in zwei Klassen passen würden! Die Schule hat aber Raumkapazitäten für circa 120 Schüler. Zudem ist die Schule ohne Konkurrenz, trotzdem hat sie nur wenige Anmeldungen, weil es nur schwache Akzeptanz bei den Eltern gibt“, teilt der schulpolitische Sprecher der Grünen, Gerd Dahm, auf eine Anfrage von lokalo mit.

    Dahm weist ferner nach Schweich. Dort werde das Konzept der GOS jetzt erfolgreich umgesetzt. In Ehrang sei die gemeinsame Orientierungsstufe zwischen Gymnasium und Comenius Realschule „eine große Chance“ gewesen, die „leichtfertig vertan worden“ sei. G8 sei ferner ein weiterer Schritt in die Seperation und zudem pädagogisch fragwürdig, „weil hier ein Turboabi eingeführt wird, mit Verlust der Freizeit für die Schüler und Schülerinnen. G8 erzeugt unnötigen Druck, der den Anforderungen der Wirtschaft nach möglichst jungen, flexiblen Absolventen der Unis nachgibt“. Landesweit habe G8 nur geringe Akzeptanz, so Dahm. Das sei auch daran festzumachen, dass die Schulform in anderen Bundesländern zurückgenommen werde.

    Für den deutschen Leiter der Pisa-Studie, Professor Dr. Manfred Prenzel von der TU München, sind dafür jedoch andere Gründe ausschlaggebend. „Gute Schulen bekommen G8 gut hin“, sagte Prenzel jüngst erst in einem Interview mit dem Magazin stern. „Weite Teile der Diskussion beruhen auf Stimmungsmache“, so Prenzel. Absurd sei ferner, so der Bildungsforscher, „dass für den Kita-Bereich mehr Ganztagsplätze gefordert werden, aber die Großen sollen mittags nach Hause?“ Das sei „ein Luxusproblem einer bestimmten sozialen Gruppe, die sich wünscht, dass ihr Kind mittags von Mami zu Hause bekocht und nachmittags zum Ballett gebracht wird. Das kann die Schule auch, wahrscheinlich sogar günstiger“.

    FSG-Schulleiter Kajo Hammann stellt gerade das bei der Werbung für seine Schule stets in der Vordergrund. „Wir bieten unseren Schülern mehr Zeit“, wird Hammann nie müde zu betonen, „weil unser Konzept ganzheitlich und umfassend ist.“ Für ihn sind die steigenden Anmeldezahlen „ein wichtiges Signal für die Zukunft“. Um die Zukunft der Schule sei ihm nicht mehr bange, „weil ein klarer Aufwärtstrend gegenüber den letzten Jahren zu sehen ist“.

    Den will die zuständige Dezernentin so nicht bestätigen. Zwar sei dem G8-Gymnasium „ein erhöhter Zulauf sehr zu wünschen“, teilt Angelika Birk auf Anfrage von lokalo mit. Ob die G8-Schulen, deren Nachfrage auch anderenorts noch eher verhalten sei, zukünftig mehr Akzeptanz erführen, sei allerdings noch nicht absehbar. Die Grüne verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass der Anteil der Trierer Kinder bei den Neuanmeldungen nur bei 32 liege, und richtet den Blick ebenfalls nach Schweich. Dort hätten so viele Eltern ihre Kinder angemeldet, dass umgelenkt werden müsste. „Im Schulzentrum Ehrang sind trotz der aufgehobenen gemeinsamen Orientierungsstufe aber noch etliche Plätze frei“, so Birk.

    Ihre Position, 2012 für die Beibehaltung der GOS in Ehrang zu plädieren, verteidigt die Dezernentin auch heute. „Ich habe keine Veranlassung, meine Haltung pro gemeinsamer Orientierungsstufe zu korrigieren, auch wenn ich der Entscheidung des Stadtrates, beim Land zu beantragen, diese aufzuheben, selbstverständlich Folge geleistet habe“, sagt Birk, die in diesem Zusammenhang ebenso wie Dahm von „pädagogischer Überzeugung“ spricht. „Die Grünen sind für eine inklusive Gesellschaft“, unterstreicht Dahm. Dazu gehöre auch die Bildung.

    Hammann verschließt sich der Forderung nach Inklusion keineswegs, sieht aber im pädagogischen Auftrag seiner Schule einen anderen Ansatz: „Die Anmeldungen sind in jedem Fall eine Bestätigung dafür, dass die Eltern bereits ab der Klassenstufe fünf gymnasiale Bildung für ihr Kind am FSG wünschen. Durch die Schulstrukturreform, also die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen, klaffte das Leistungsniveau der Schüler sehr weit auseinander. Die Auflösung der gemeinsamen Orientierungsstufe zahlt sich nun für beide Schulen am Mäusheckerweg aus.“ Viele Eltern, beispielsweise Berufstätige, wünschten sich ein überzeugendes ganztägiges schulisches Angebot für ihr Kind. „Insofern sehe ich das Nachfragepotenzial noch längst nicht ausgeschöpft“, ist sich der Schulleiter des FSG sicher. (et)

    Jetzt lokalo liken und alle aktuellen News rund um Trier und die Region, inklusive Luxemburg, sofort sehen und KOSTENLOS lesen

    1 KOMMENTAR

    1. herr dahm sollte einmal einen Tag an unserer Schule verbringen, dann wüsste er wie pädagigisch wertvoll und ohne den angeblichen Druck hier gelernt und gearbeitet wird. ich glaube es gibt nirgendwo so gute Lehrer wie am FSG

    2. Danke lokalo, dass wenigstens Ihr dieser tollen Schule den Rücken stärkt und nicht, wie andere, aus rein ideologischen Gründen (Inklusion, Turbobabi, Eliteschule)gegen dieses vorbildliche Gymnasium schreibt. Ich kann Anika nur Recht geben: Ich habe noch nie so engagierte, fähige und pädagogisch erfahrene Lehrer erlebt wie am FSG. Und das hat auch etwas mit dem Ganztagskonzept zu tun: Lehrer haben dort mit ihren Schülern nicht nur im Unterricht von 8 bis 13 Uhr zu tun, sondern auch während des Mittagessens, der AGs, dem selbstständigen Lernen etc. Ich bin mir sicher: Wenn das FSG nicht gegen die ganzen Widerstände aus der Politik (Danke, Frau Birk!) und auch bestimmter Medien zu kämpfen gehabt hätte, wären die Anmeldezahlen längst so hoch wie es diese Top-Schule verdient hätte!

    3. Hat unser aller Printmedium wieder mal schlecht recherchiert berichtet? Naja, das kennt man doch, same procedure as every day 😉

    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Please enter your comment!
    Please enter your name here

    Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.