„Ich dachte, sie ist tot“

    0

    TRIER. Am Mittwoch, den 26. März, wurde der Prozess gegen einen russischen Staatsbürger fortgesetzt, der gemeinsam mit einem Komplizen am 23. August des vergangenen Jahres ein Trierer Autohaus am Porta-Nigra-Platz überfallen haben soll (lokalo berichtete) Im Mittelpunkt des vierten Verhandlungstages stand die Aussage von Evgenij K., der sich zum Zeitpunkt des Überfalls im Autohaus R-Company aufgehalten hatte.

    Zwei Mal musste die Verhandlung unterbrochen werden. Das erste Mal, weil Richterin Petra Schmitz die Gemüter beruhigen wollte, das zweite Mal, weil über einen Antrag der Verteidigung beraten werden musste.

    „Ich unterbreche für fünf Minuten und hoffe, dass wir dann normal fortfahren können.“ So reagierte die Vorsitzende auf einen verbalen Zoff zwischen der Verteidigerin Swetlana Rosenzweig und Anklagevertreter Wolfgang Barrot und Nebenkläger Frank Schulze. Ursächlich war die Befragung des Zeugen Evgenji K., der nach Ansicht der Verteidigerin eine auswendig gelernte Aussage vortrug. Das brachte den Anklage- und den Nebenklagevertreter auf die Palme. Die wurde so laut, dass selbst das erste Veto der Richterin übertönt wurde. Barrot rechtfertigte sich: „Mir blieb ja nichts anderes übrig, als immer lauter zu werden, weil sie die Intervention des Gerichts nicht beachtet haben.“ Die fünfminütige Pause hatte aber offensichtlich genügt, um die Beteiligten wieder auf Ruhepuls zu bringen.

    Die zweite Unterbrechung dauerte etwas länger. Das Gericht musste über einen Antrag der Koblenzer Rechtsanwältin Rosenzweig beraten, die die Grundsätze der Objektivität durch das Verhalten von Staatsanwaltschaft und Nebenklage verletzt sah.“ Ziel des Antrags, der jedoch abgelehnt wurde, war die Vertagung der Verhandlung.

    Die relevanteste Zeugenaussage war die von Evgenij K., weil der 22-Jährige auch Opfer der Attacke im Autohaus gewesen war, als drei Menschen zum Teil schwer verletzt worden waren. Körperlich trug er zwar außer einer ausgekugelten Schulter („das passiert mir häufiger, damit kann ich umgehen“) zwar keine Schäden davon, aber psychisch sah das anders aus. Den Überfall erlebte er „wie einen schlechten Film“. Weil die beiden Täter, die er auf Fotos einwandfrei identifiziert hatte und das auch heute wiederholte, „irgendwas Kurzes gesagt und dann auf seinen Onkel und seinen Vater sofort „wortlos und mit wuchtigen Schlägen auf den Kopf“ eingeprügelt hatten. Seine visuelle Wahrnehmung der Tat endet kurz nach dem Zeitpunkt, als die Mutter seines Onkels den Verkaufsraum betreten hatte. „Sie haben mit den Stahlruten auch auf sie eingeschlagen. Sie fiel um und ich habe gedacht, sie ist tot“, sagte der junge Mann.

    Der kleine Junge, Sohn von Michail P., dem Inhaber des Autohauses, der später kurz hinter seiner Oma ebenfalls den Verkaufsraum betreten hatte, sei völlig fertig gewesen und habe nur noch geweint. Das deckt sich mit den Aussagen, die zuvor auch schon vom Vater des damals Siebenjährigen gemacht worden waren.

    Rechtsanwältin Rosenzweig hat noch einige andere Schriftsätze eingereicht, über die das Gericht noch entscheiden muss. Führen diese nicht zu einer Verzögerung, dann wird am 4. April noch ein Zeuge vernommen, der wegen Krankheit entschuldigt fehlte. Anschließend sollen die Plädoyers gehalten werden. (wir)

    Jetzt lokalo liken und alle aktuellen News rund um Trier und die Region, inklusive Luxemburg, sofort sehen und KOSTENLOS lesen

    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Please enter your comment!
    Please enter your name here

    Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.