Nur ein kleines braunes Häuflein

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    TRIER. Drinnen sang Hannes Wader, vielleicht auch über den Rattenfänger. Draußen stammelte Safet Babic seine ewig gleichen Phrasen ins Megafon. Zu hören war der NPD-Chef kaum. Rund 100 Gegendemonstranten hatten sich am Dienstagabend auf dem Augustinerhof eingefunden. Sie übertönten Babic – mit Trillerpfeifen und Hannes-Wader-Songs. Die NPD hatte zum Protest gegen den 71-jährigen Liedermacher aufgerufen. Zwölf Adlaten waren Babic gefolgt, was aus dem kleinen braunen Häuflein 13 ungebetene Gäste machte.

    Von Eric Thielen

    Triers Theaterchef war auch da. Gerhard Weber hatte zuerst Hannes Wader begrüßt, dann als Intendant sein Haus inspiziert. Alles in Ordnung. Einen kurzen Blick nach draußen warf Weber auch noch, schüttelte das graue Haupt, setzte kurz an, brach dann aber ab. „Nein, ich sag‘ dazu lieber doch nix!“ Sprach’s und verschwand im Foyer, gleich allen Anderen, die gekommen waren, um einen der berühmtesten deutschen Liedermacher zu hören. Volles Haus im Theater übrigens – Hannes Wader zieht immer noch.

    Ein paar Meter entfernt faselte Safet Babic wie meist über die „linke Kulturpropaganda“. Möglich, dass der Trierer NPD-Chef sich wie weiland im Mai 1933 auch heuer am Augustinerhof einen Scheiterhaufen gewünscht hätte, um mit den Liedtexten von Wader auch gleich die Schriften von Günter Grass, Heinrich Böll und Marcel Reich-Ranicki zu verbrennen. Die hohlen Töne Babics glichen jedenfalls den Schmähungen von Joseph Goebbels wie ein Ei dem anderen. Der NS-Propaganda-Chef hatte 1933 das Ende „eines überspitzen jüdischen Intellektualismus“ prophezeit. Zwölf Jahre später war jedoch seine Zeit gekommen – als verkohlter Rest im Innenhof der Reichskanzlei.

    Triers Polizeipräsident Lothar Schömann hatte erst jüngst bei der Verleihung des Preises für Zivilcourage im Sitzungssaal des Stadtrates davor gewarnt, den neuen Rechtsradikalismus in Deutschland zu unterschätzen. Schömann bemühte Edmund Burke. Der irisch-britische Philosoph hatte schon im 18. Jahrhundert gesagt: „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.“ Hannes Wader hat zeitlebens mit seinen Liedern gegen Intoleranz, Menschenverachtung und Rassismus gekämpft.

    Am Dienstagabend fanden sich rund 100 Gegendemonstranten zur Unterstützung des Liedermachers am Augustinerhof ein. Auf einigen Plakaten wurde Wader begrüßt, auf anderen machten die Streiter für ein „Buntes Trier“ ihrem Ärger über Babic und (Volks-)Genossen Luft. „Du kannst schon Nazi sein, aber dann biste halt Kacke!“, war da zu lesen, während auf der anderen Seite der Sperrzone, die von der Polizei gezogen worden war, schrille Marschmusik aus den NPD-Lautsprechern dröhnte. Braunhemden im preußischen Stechschritt wurden allerdings nicht gesichtet.

    Aus der Gegendemo heraus konterte man mit Wader-Texten: „Heute hier, morgen dort“ – ubi bene, ibi patria, wo es gut ist, ist Vaterland. Das Lied von den Moorsoldaten, oder jenes von der Solidarität – in den melodischen Folksongs ging der klägliche Protest des kleinen braunen Häufleins gegen den Liedermacher unter.

    Für Waders Sicherheit und die seiner Zuhörer war zudem bestens gesorgt. Yvonne Mich, die stellvertretende Verwaltungsdirektorin des Theaters, stand von ihrem Büro aus in Kontakt mit den Sicherheitskräften. „Natürlich ist das bedrückend“, sagte Mich. Die Polizei habe ihr aber versichert, dass mit Protesten der NPD im Haus nicht zu rechnen sei. Vorsorglich hatte Mich jedoch Besucherkarten ausgegeben, um den Einlass – auch am Hintereingang des Hauses – besser kontrollieren zu können. So konnte Polizeisprecher Karl-Peter Jochem später auch von einem Abend ohne besondere Vorkommnisse berichten.

    Kurz nach 21 Uhr war der braune Spuk am Augustinerhof vorbei. Babic und Adlaten zogen ab, wie sie gekommen waren: im gelben VW-Bus und ohne Wirkung hinterlassen zu haben. Hannes Wader aber war da gerade erst so richtig in Fahrt – und rund 600 begeisterte Zuhörer mit ihm. (et)

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    1 KOMMENTAR

    1. Danke für diesen guten Bericht. Neo-Nazis haben in Trier keinen Platz. Ich hoffe bei der Kommunalwahl werden die Bürgerinnen und Bürger dafür sorgen, dass uns Herr Babic im Stadtrat weiterhin erspart bleibt.

    2. Bo ey. Wenn der kleine-dicke-braune-durch-3 Staatsexamen-gefallene-national-befreite noch dicker wird, erledigt sich das Problem von ganz alleine: Dann passt er im Rathaus nicht mehr durch die Tür um Demos zu beantragen.
      Und das ist noch der klügste in dem ganzen Haufen.

    3. Vielen Dank , für diesen wunderschönen total unvoreingenommenen , und nicht zuletz noch überhaupt nicht Beleidigenden ( Adlaten ) Artikel . So lange wie sie so berichten ,ohne sich mit den Argumenten des Politische Gegners auseinander zusetzen so lange werden Deutsche auf die Strasse gehen . Argumente statt Beschimpfungen . Meinungsfreiheit statt Rufmord .Doch dies werde ich bei ihnen nicht mehr erleben . Trier braucht einen Mann der unangenehme Themen aufdeckt und öffentlich macht .

    4. Schön, über antifaschistische Aktionen in Trier, wo ich so lange gewohnt habe, zu lesen. Schade, dass es nur 100 Demonstranten waren. Viele waren wohl im Konzert. Auch zu verstehen…
      Dietmar Lindner, Philippinen

    5. Ich war derweil im Waderkonzert… und natürlich hat Wader auf diese klägliche Nazidemo Bezug genommen und im Übrigen auch viele Lieder, teils auch neue, gegen den braunen Spuk zu Gehör gebracht. Was mit kräftigem Beifall quittiert wurde. Die Nazigegner saßen eben tatsächlich im Konzert – ist vielleicht auch wichtiger, als den „Argumenten“ der „Meinungsbefreiten“ zuzuhören. Und schön zu sehen, dass Wader wirklich Menschen aller Altersklassen und Schichten begeistert, nach wie vor. Nicht nur mit Musik, sondern mit Inhalten.

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