Die Welt rückt näher – Gerd Dudenhöffer als Heinz Becker

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GEROLSTEIN. „Und das hängt net nur dran, dass die Grundstücke immer klenner werre un die Leut immer dicker… Irgendwann klingelts… unn… machscht de uff, steht die Umwelt vor der Tür. Unn saad. Ich sammle für die Grünen…“.

Diese und noch viele andere schräge Prophezeiungen wird der Becker Heinz seinen Gästen im neuen Dudenhöffer-Programm am 10. Mai im Lokschuppen Gerolstein servieren.

Typisch denkt dann der Kenner jauchzend, freut sich am Heinz-Geschwätz und weiß natürlich auch, dass der kauzige Privatphilosoph mit Baumarktlizenz nicht gerade feministische Züge zeigt, wenn dieser nach dem Namen der neuen Körperlotion seiner Frau Hilde sucht – wie hieß die noch gleich: ach ja doof.

Doch wenn es: Anschnallen! heißt im bequemen Theatersessel für immer wieder rasant satirische Glatteisfahrten, dann ist niemand wirklich vorbereitet. Unberechenbar wie ein gezuckertes Lutschbonbon, bei dem man nie weiß, wann sein saurer Kern auf der Zunge zerfließt und diese kleinen bitteren Explosionen wie Ahoj-Brause auslöst, zieht Dudenhöffer sein Publikum von einer launigen Nebensache zum politisch-korrekten No-Go. Eben noch um die Auswüchse weiblicher Eitelkeit gekurvt, steht er Sekunden später wie beim Vergleich des NS-Mutterkreuzes mit den Konsum-Rabattmarken der Nachkriegszeit mit beiden Beinen im Tabuthema! Dann gerade wird es dem Genießer schmecken, der als Freund des Kabaretts diese Art Gourmetfreuden liebt, auch wenn ihm das Lachen im Hals stecken bleibt. Man lacht mit Heinz und besonders über ihn; wenn Dudenhöffer meisterhaft an die Abgründe der Volksseele führt … und durch die Übertreibung doch weit darüber stehen und ganz klar auf Distanz gehen lässt.

Klar, dass sich der Heinz bei aller Weltuntergangsstimmung auch Gedanken über die Gründe für den sexuellen Missbrauch in der Kirche macht: eine Erklärung wäre: „…weils dort ja von jeher schon immer saukalt war.“ Und wenn bei seinem Sohn Stefan als Messdiener „do mo was vorgefall wär…, hätt’ man von der Entschädigung de Balkonumbau machen könne.“

Da heißt es für zwei Stunden den Sicherheitsgurt noch fester zu ziehen … und hinein ins Vergnügen.

In über dreißig Jahren „Becker Heinz“ setzt sich Qualität einfach durch, ohne je langweilig zu werden. Immer wieder überrascht und überzeugt Dudenhöffer durch sein großartiges Schauspiel, sein unnachahmliches Minenspiel, sein meisterhaftes Nichtsagen…bei messerscharfem Wortwitz und verblüffende Komik.

Die Welt rückt näher – auch „wenn der Weltuntergang abgesaad is, der nägschte wär sicher…aber das wär erscht an dem Tag, wo der Berliner Flughafe ferdich wird. Bis dorthin hann se Stuttgart 21 schon zum dritten mo neu tapeziert. Ma lacht, awer’s stimmt!“

Die Welt rückt näher – ein Muss für alle Dudenhöffer-Fans und für alle, die unter Kabarett und guter Unterhaltung solides komödiantisches Handwerk verstehen, was feinste Kalauer, präzise Pointen und Satire im besten Sinne verspricht.

Tickets zur Veranstaltung am 10. März sind im Vorverkauf für 27 Euro zuzüglich Gebühr im Lokschuppen, online unter www.ticket-regional.de und in zahlreichen VVK-Stellen in der Region erhältlich. (red)

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