TBB Trier: Laurynas Samenas – Go Hard Or Go Home

0

TRIER. Unser Redakteur Christoph Witt hat Laurynas „Larry“ Samenas einen Besuch abgestattet!  Mit dem Litauer sprach er über bittere Niederlagen in dieser Saison, Chancen in der BEKO BBL und sein Studium.

Zum ersten Mal seit ich diese Homestories mache, kannte ich den Ort des Geschehens schon. Laurynas Samenas wohnt in der ehemaligen Wohnung von Nate Linhart, bei dem ich damals die erste Homestory für lokalo machte. Liebevoll eingerichtet ist sicherlich anders, Samenas nennt es funktional. „Ich habe alles was ich brauche und das Sofa ist mein Lieblingsmöbelstück.“

Anzeige

Sparkasse Trier 

Der Litauer ist freundlich und keineswegs so schlecht gelaunt, wie er während der Spiele oft dreinschaut. „Ich bin ein sehr emotionaler Typ. Ich gebe immer 110 Prozent und lege mich dann auch gerne mal mit den Schiedsrichtern an“, verrät er. Direkte Kritik an den Schiedsrichtern will er aber nicht äußern. „Unter Coach Rödl spiele ich zum ersten Mal richtig intensive Defense, er kann einen dafür begeistern. Klar bin ich mit einigen Entscheidungen nicht einverstanden, weil alle Spieler in dieser Liga sehr hart spielen, aber das sind subjektive Einschätzungen. Nach dem Spiel lag ich dann meistens genauso oft falsch, wie richtig“, gesteht der einzige Balte im TBB-Trikot.

Über Henrik Rödl hat er nur Positives zu berichten. Rödl sei ein Spitzencoach, der immer ein offenes Ohr für seine Spieler habe. Als es zu Beginn der Saison für ihn nicht so lief, habe er das Gespräch mit Rödl gesucht und gemeinsam mit ihm eine Lösung gefunden, wie er es aus dem Leistungstief schaffen könne. Auch Thomas Päch und der restliche Trainerstab bekommen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Laut Samenas „allesamt Vollprofis, die einem helfen wo sie können und auf Wunsch auch Extra-Schichten mit dir einlegen“. Mit seiner Wurfquote ist er nicht zufrieden. „Ich werfe viel und da geht die Quote oftmals nach unten, aber ich kann es viel besser“, verspricht er Besserung.

Als Vollprofi bleibt nicht mehr so viel Zeit für sein Studium der „Social Administration“. „Ich hänge dem Zeitplan etwas hinterher, aber in einem Jahr sollte ich fertig sein“, lacht der 25-Jährige, der seinen Wechsel in die BEKO BBL in keinster Weise bereut hat.

Die Liga, die Fans, die Organisation – alles beeindruckt ihn an der deutschen Beletage. Die BBL sei eine starke Liga, in der jedes Team jeden schlagen kann. Regelrecht die Kinnlade ist ihm heruntergefallen, als er beim ersten Spiel gegen Neuling Vechta einen Blick durch die Arena geworfen hat. Alle sprächen im Zusammenhang mit Litauen immer über die große Basketballnation mit der riesigen Tradition. Fakt sei aber, dass man von den Spielen gegen Zalgiris Kaunas und Lietuvos Rytas abgesehen nicht vor mehr als 500 bis 700 Zuschauern spiele. „Dass hier immer so viel los ist, ist natürlich großartig. Zudem werden die Spiele live im Internet übertragen, was meinen Freunden, Verwandten und auch ehemaligen Trainern die Möglichkeit gibt, meinen Werdegang zu verfolgen“, gerät er förmlich ins Schwärmen.

Auch Trier ist für ihn schon zur Heimat geworden, auch wenn die Ankunft für ihn zum Desaster wurde. „Ich kam samstags an und wollte sonntags dann einkaufen gehen und die Stadt erkunden. Ich wunderte mich, dass die Straßen so leergefegt sind und erst dann bemerkte ich, dass hier die Läden an diesem Tag geschlossen haben“, kann er jetzt darüber schmunzeln. Seine Wohnung in der Innenstadt ist der perfekte Ausgangsort für Erkundungen. „Leider spreche ich, abgesehen von ein paar Wörtern, noch kein Deutsch. Neben dem Studium bleibt dazu leider keine Zeit. Aber wenn jemand mit mir spricht, verstehe ich ihn meistens schon und antworte dann auf Englisch.“ Trier selbst sei zwar klein, aber mit jeder Menge Ausflugzielen gespickt. Zudem sei die Nähe zu Luxemburg und anderen großen Städten ein echter Pluspunkt. Über seine aktuelle Situation habe er rein gar nichts zu meckern und die Jäger-Schnitzel seien einsame spitze.

Die deutsche Liga soll auch dabei helfen, ihm den Traum vom Nationalteam zu erfüllen. „Spieler, die hier waren, sagten die BBL sei besser als die litauische LKL. Als dann das Angebot aus Trier kam, zögerte ich keine Sekunde, denn es ist eine tolle Chance in jeglicher Hinsicht zu reifen und ein besserer Spieler zu werden“, glaubt „Larry“, wie er seit einem Versprecher von Henrik Rödl in Teamkreisen genannt wird, an seine Chance. Auch ehemaligen Teamkameraden hat er zu einem Wechsel in die BBL geraten, sofern sich die Möglichkeit bietet. „Ich gehe jetzt natürlich nicht zu Henrik und sage „Hey, der XY wäre super für uns, ein echter Glue Guy!“, aber wenn er mich fragt,  werde ich wie im Fall von Trevon meine Meinung sagen“, erzählt er. Dass es einen Streit mit Trevon gab, den er Henrik zuvor als Musterprofi und Kämpfer empfohlen hatte, wiegelt er ab.

„Wir hatten in einem Spiel eine Meinungsverschiedenheit und es war nichts Persönliches. Was auf dem Parkett passiert, bleibt auf dem Parkett. Wir sind beide emotional und machen unseren Mund auf, wenn uns etwas missfällt. Nach dem Spiel ist das vergessen  und wir kommen gut miteinander klar“, nimmt er den aufkommenden Gerüchten um Unstimmigkeiten im Kader der Moselstädter den Wind aus den Segeln. Alle seien extrem harte Arbeiter und geben ihr Bestes für den Teamerfolg. Es sei kein faules Ei in der Mannschaft. Der Song, der seiner Meinung nach seinen Spielstil symbolisiert, spiegelt seine Arbeitseinstellung wider. „Go harder“ von Future. „Ich habe während der vergangenen Saison angefangen, diesen Song vor jedem Spiel zu hören und die Message ist perfekt. Go hard or go home lautet die Botschaft. Er bringt mich richtig auf Trab.“

Ansonsten steht er eher auf chillige House-Musik und litauischen Rap. In seiner Xbox rotiert regelmäßig Assassins Creed. „Ich habe alle Teile durchgespielt und freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung“, outet er sich als Fan der Action-Adventure-Reihe. Mit der Serie „Sons of Anarchy“ sei er nur langsam warm geworden, aber jetzt beim Ende der zweiten Staffel angelangt. „Ab der dritten Folge war ich voll drin – eine super Serie.“

Eine super Serie wünscht er sich jetzt auch für sein Team. „Wir hätten einige Spiele mehr gewinnen können, vielleicht sogar müssen. Der Unterschied zu den Spitzenteams war meist nur marginal, aber gegen die tiefer platzierten Teams haben wir ein paar Mal schlecht ausgesehen“, gibt sich der Litauer selbstkritisch. Auswärts habe man häufig viel besser gespielt, als in der heimischen Arena. Vechta habe ihn beeindruckt und in der kleinen Halle habe man auf dem Parkett sein eigenes Wort nicht verstanden. Trotzdem habe man vor dieser Kulisse gut gespielt und den Sieg mit nach Hause gebracht. In der Arena habe man es den Fans unbedingt beweisen wollen und dadurch verkrampft.

Für den Rest der Saison wollen er und seine Teamkollegen sich noch einmal von der besten Seite zeigen und einige Siege einfahren. Samenas unterzeichnete vor der Saison einen Zwei-Jahres-Vertrag und wird auch in der kommenden Spielzeit für die TBB Trier auflaufen. Diese ist für ihn übrigens jetzt schon untrennbar mit der Person Axel „Aggy“ Mock verbunden. „Obwohl ich noch nicht lange hier bin, kann ich mir die TBB nicht ohne Aggy vorstellen. Er macht einfach alles und ist immer als erster in der Arena. Er ist einfach Gold wert“, ist der Masseur und Maskottchen in Personalunion auch Samenas schon ans Herz gewachsen.

Der Litauer bedankt sich zum Ende des Interviews noch einmal bei allen TBB-Fans. „Danke für die tolle Unterstützung in dieser Saison und ich hoffe, dass wir euch noch einige Siege schenken werden.“ Da hätte sicherlich kein Fan der Moselstädter etwas dagegen. (cw)

Jetzt lokalo liken und alle aktuellen News rund um Trier und die Region, inklusive Luxemburg, sofort sehen und KOSTENLOS lesen

 

1 KOMMENTAR

  1. wie immer eine sehr schöne homestory mit hintergrundinfos, die man sonst nicht bekommt. hätte mich nur interessiert, was er zu den rauchervorwürfen sagt, wobei ich das nicht so eng sehe.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.