Der Jäger erlegt die lachende Meute

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    TRIER. Es war ein Abend zum Genießen, Entspannen, Schmunzeln und Lachen. Literatur on Tour präsentierte Frank Jöricke im Café Balduin mit der Vorstellung seines Buches „Jäger des verlorenen Zeitgeists“. Der Abend stand unter dem Motto „Zeitgeist von A bis Z.“ Der Autor nahm die zahlreich erschienenen Besucher mit auf eine „Expedition in die Untiefen der Populärkultur von 1968 bis Facebook.“

    Von Anna Holkenbrink

    Public Viewing mit Fußball zum Abgewöhnen

    Mit Betreten der Räumlichkeiten des Café Balduin tauchte der Besucher bei der Lesung von Frank Jöricke gegen 19 Uhr direkt in die Welt des Fußballs ein. In meiner Unwissenheit über Fußball, fragte ich also naiv, was das denn wäre, und legte anschließend überzeugt nach, das müsse ja alles schon länger her sein. Die Antwort kam prompt: „Ja, WM 1986 – Viertelfinale Deutschland gegen Mexiko.“ Anscheinend eine schwerwiegende Bildungslücke von mir. „Fußball zum Abgewöhnen!“, laut Jöricke (Anm. d. Red.: Das Spiel endete nach 120 Minuten 0:0 und wurde im Eltmeterschießen mit 4:1 gewonnen). Der Fußball vor Löw und Klinsmann war „harte Arbeit. Was nicht passte, wurde passend gemacht.“

    Bereits im Vorfeld war ein multimediales Event der Extraklasse angekündigt worden (lokalo berichtete). Die Lesung, und dies wiederholte der Autor mit einem verschmitzten Schmunzeln sowohl vor als auch während des Vortrages mehrfach, „dient nicht der Unterhaltung und schon gar nicht dem Spaß, sondern lediglich dem Zweck der Bildung“. Somit hätte man den Abend auch unter dem Begriff „Oberseminar“ subsummieren können. Mit dieser sehr wichtigen Zusatzinformation sollte die GEMA doch einverstanden sein. Der Abend begann somit mit einem riesigen Lacher dem bis zum Ende auch noch etliche folgen sollten.

    Frauen zum Abgewöhnen – was soll das denn heißen?

    Kurze Passagen, die Jöricke aus seinem Werk las, wechselten mit Sequenzen aus Film und Musik ab. Neben einem Ausschnitt des 80er-Jahre Kultfilms „Ferris macht blau“ wurde ein Part der Serie „Sex and the City“ von den Besuchern mit Freude aufgenommen. Jöricke beschreibt in dem Kapitel „Frauen zum Abgewöhnen“ vier Damen, die den Frauen Freud’ und den Männern angeblich Leid’ bescheren. Die Rede ist natürlich von Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha. Jedoch kann kaum verleugnet werden, dass genau diese vier Damen typisch sind, wenn man Jöricke auf die Zeitgeistreise folgt.

    Madonna statt Modern Talking

    Nicht zu vergessen die musikalischen Höhepunkte, die Frank Jöricke in seinen Vortrag eingebaut hatte. ABC mit „The look of love“ ist nach seiner Meinung genau das, was Dieter Bohlen und Thomas Anders jahrelang zu Gehör bringen wollten. Der Rundumschlag ging weiter. Die Frage, wie man Synthesizer anspruchsvoll und gut in die Popmusik einbaut, blieb bei Modern Talking, im Gegensatz zu ABC, wohl unbeantwortet. Auch Madonna fand große Beachtung an diesem Abend. Madonna war, genau wie Alice Schwarzer, eine Feministin, die versuchte, auf die Situation und die Stellung der Frau in den 80ern aufmerksam zu machen. Sie zog sich mehrmals aus, jedoch mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass sie wusste, dass sie ihren Körper für Geld verkaufte, den Preis aber selbst bestimmte. Und das in einer Zeit, in der Belästigung am Arbeitsplatz ob der männlichen Dominanz alltäglich war.

    Der Abend brachte vielen Lesern auch Rückblicke in vergangene Zeiten, die so manche Erinnerungen wieder mit Leben erfüllten. Den Zeitgeist der letzten Jahrzehnte hat Frank Jöricke sehr treffend in seinem Buch eingefangen. Jetzt darf man neugierig auf die Fortsetzung mit der Analyse der kommenden Zeitgeistepochen sein. Anna Holkenbrink

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