Miezen wie im Rausch

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TRIER. Es ist lange, her dass sich die Zuschauer in der Arena Trier fünf Minuten vor Spielende erhoben und ihre Mannschaft mit Standing Ovations gefeiert haben. Nach dem sensationellen 30:21 (15:11)-Sieg im Rheinland-Pfalz-Derby gegen die Vulkan-Ladies aus Koblenz/Weibern hielt es aber keinen der 1100 Zuschauer mehr auf den Sitzen. „Mir fehlen die Worte, so stolz bin ich auf dieses Team. Heute wurden wir und auch die Zuschauer für vieles entschädigt“, so Co-Trainerin Jana Arnošova.

Mit dem Sieg aus Bietigheim im Rücken starteten die Miezen mit viel Selbstbewusstsein in die zweite Partie der Abstiegsrunde in der Frauenhandball-Bundesliga. Gäste-Trainer Christoph Barthel war bereits nach sechs Minuten und einem 0:4-Rückstand zu einer Auszeit gezwungen. Anschließend erzielten die Koblenzerinnen zwar ihren ersten Treffer, der Mannschaft von Spielertrainerin Cristina Cabeza Gutiérrez gelang an diesem Abend allerdings ziemlich viel. Aufbauend auf einer starken Jessica Kockler im Tor ließen die Moselstädterinnen die Vulkan-Ladies nicht zur Entfaltung kommen und bauten ihre Führung peu à peu aus. Zur Halbzeit lag man mit vier Toren vorne. Wer jetzt aber dachte, der deutsche Meister von 2003 würde den Vorsprung verwalten, lag falsch.

„Ich habe gesagt, dass in der zweiten Hälfte alles bei null losgeht. Das hat meine Mannschaft heute beherzigt“, so Cabeza. Und wie die Miezen es beherzigten: Es war die spanische Spielertrainerin selber, die mit ihrem Temperament auf dem Feld dafür sorgte, dass die Partie zum Selbstläufer wurde. Hatten die Miezen in den ersten Minuten noch Probleme mit der offensiven Deckung der Gäste, waren diese spätestens mit der Einwechslung der 37 Jahre alten Spielmacherin verflogen.

Koblenz/Weibern wurde regelrecht auseinander genommen: Vor allem Kreisläuferin Andrea Czanik wusste ihre Räume zu nutzen und avancierte mit sieben Treffern zur besten Torschützin des Abends. Auch die Ungarin Martina Pilmayer überzeugte mit sechs Toren. Über die Stationen 19:13 (42.) und 25:17 (50.) bauten die Gastgeberinnen ihren Vorsprung kontinuierlich aus und ließen das Derby zu einer einseitigen Angelegenheit werden. Spätestens beim 28:18 (53.) durch Cabeza hielt es niemand mehr auf den Sitzen.

Vergessen die mitunter dürftigen Leistungen aus der Hauptrunde, dieser Abend entschädigte für vieles und macht Hoffnung auf mehr. „Ich verspreche, dass wir jetzt nicht aufhören, sondern genauso weitermachen“, sagte Arnošova in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Mit nun sechs Punkten Vorsprung auf Bensheim-Auerbach – der Aufsteiger verlor sein Heimspiel gegen Triers nächsten Gegner Blomberg–Lippe 29:32 – ist das Polster auf den einzigen Abstiegsplatz mehr als komfortabel. Mit den Leistungen aus den vorangegangen Spielen könnte das Ziel Klassenerhalt bald perfekt gemacht werden. Angst, dass ihre Mannschaft übermütig wird, hat Arnošova nicht: „Wir wissen, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Aber diesen Sieg können wir jetzt einfach genießen.“ (red)

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