Trierer Studentengruppe in Kenias Hauptstadt Nairobi

    0

    NAIROBI/TRIER. Insgesamt 15 Studenten der Trierer Universität befinden sich derzeit für vier Wochen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, um ein Entwicklungszusammenarbeitsprojekt vor Ort durchzuführen. Mit 15 weiteren kenianischen Studenten werden die jungen Akademiker in dieser Zeit vier Wochen lang interdisziplinär Themen diskutieren, forschen und nach Lösungen suchen, um die Situation möglicherweise zu verbessern. Lokalo veröffentlicht das Tagebuch der Trierer Gruppe.

    In diesem Jahr widmet sich das Projekt dem Thema „Woman Emporment“ (Anm. d. Red.: Stärkung der Frauen). Es knüpft an das Engagement der Frauen vor Ort an und soll Probleme und Notwendigkeiten aufdecken und bekannt machen. Leiter der Projektgruppe ist Dr. Johannes Michael Nebe, der Initiator des Projekts, welcher sich selbst seit Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit engagiert.

    Die Unterschiede zwischen Deutschland und Kenia sind enorm: das Land ist ungleich größer als Deutschland (Anm. d. Red.: rd. 580 000 qkm), ist aber viel dünner besiedelt. Die Bildungssituation ist sehr schlecht und der Alltag von Frauen vollkommen anders. Frauen haben kaum die Möglichkeit, eigenständige Entscheidungen zu treffen, obwohl sie den Großteil des Alltags in den Familien managen.

    Aktuell geht ein Generationenwechsel vonstatten, weswegen viele junge, engagierte Frauen für ihre Rechte kämpfen wollen. Allerdings erschweren 42 verschiedene Sprachen die Kommunikation zwischen den dort lebenden Stämmen. An eine nationale Einheit, wie wir sie in Deutschland kennen, ist hier überhaupt nicht zu denken. Die Sprachen gleichen sich im Unterschied zu unseren Dialekten nicht im Geringsten. Auch dies erschwert die Ausgangssituation der Frauen in Kenia.

    Noch ist es Frauen nicht gestattet, eigene Konten zu gründen oder Land zu kaufen. Es ist also kaum möglich, eigenständig den Lebensalltag ohne Männer zu meistern. Frauen sind oft schlechter ausgebildet, weil sie seltener die Schulen besuchen können und helfen stattdessen ihren Familien, indem sie kilometerweit laufen, um Wasser zu besorgen. Vermehrt gibt es nun Projekte, die die Besetzung öffentlicher Führungspositionen und Unternehmertum durch Frauen unterstützen. In Kenia soll es demnächst sogar eine neue Verfassung geben, durch welche 30 Prozent der Plätze an Frauen vergeben werden sollen. Jedoch wird das niedrigere Bildungsniveau von Frauen im Vergleich zu Männern ein erhebliches Problem dabei darstellen.

    „Das ‚Netzwerken‘ soll und muss hier im Vordergrund stehen“, erklärt Dr. Michael Nebe, der Initiator des Projekts und selbst seit Jahren engagiert in der Entwicklungszusammenarbeit.

    Aber wie verläuft so ein Projekt eigentlich und wie sieht das Leben vor Ort tatsächlich aus? Welche Vorurteile müssen gegenüber afrikanischen Ländern abgelegt werden, welche treffen zu? Dürfen wir, die in den Ländern der westlichen Welt leben, wirklich glauben, dass wir vor Ort etwas bewegen können? Die Gruppe in Nairobi findet in den nächsten Wochen ihre ganz eigenen Antworten darauf und lässt uns daran teilhaben.

    Erwartungsfreude und Neugier

    Fünf Monate sind zwischen der ersten Kontaktaufnahme übers Internet bis hin zur ersten physischen Begegnung mit den kenianischen Studierenden in der Hauptstadt Nairobi ins Land gegangen. Fünf Monate, die daraus bestanden, Nachrichten und Fotos auszutauschen, um das Forschungsprojekt „Women Empowerment“ gemeinsam voranzutreiben.

    Man las zwischen den Zeilen, man interpretierte die Fotos und versuchte aufgrund von ein paar Fragmenten, sich ein Bild von einer Person zu machen, der man nie begegnet war, deren Wesenszug man nicht kannte, die in einer völlig anderen Umwelt lebt. Oft blieben Zweifel, ob die Person auf der anderen Seite einen auch verstand. Man war unruhig, weil die Antworten kurz und oft unbefriedigend waren. Man hatte daher das Gefühl, sich nicht näher zu kommen. Die schemenhaften Vorstellungen blieben ständige Begleiter während der Vorbereitungsmonate. Wie aber wird die Kommunikation und Zusammenarbeit vor Ort sein? Die Studenten berichten später Folgendes:

    Begegnung in Nairobi

    Die erste physische Begegnung war gestern. Dort trafen wir einen kleinen Teil der kenianischen Gruppe. Bis auf eine Studierende kamen alle fast eine Stunde zu spät zum Treffpunkt, dem YMCA, unserem Hostel. Unter Kenianern scheint dies allerdings normal zu sein. Man begrüßte sich, nicht überschwänglich, aber doch mit einer unerwarteten Herzlichkeit und versuchte die Gesichter, die Gestik und Mimik mit den letzten E-Mails in Verbindung zu bringen. Man suchte seine Gruppenmitglieder und war enttäuscht, wenn gerade sie heute noch nicht gekommen waren.

    Eine Vorstellungsrunde gab es nicht, die Kenianer begwegten sich mit Handschlag und Willkommensgruß durch unsere Gruppe. Nach dem Mittagessen gingen wir gemeinsam durch die Stadt und ließen uns von den kenianischen Studierenden zeigen, wo wir unser Geld wechseln, unsere Telefone mit einer kenianischen Sim-Card versehen konnten. Sie zeigten uns die ersten hochragenden Gebäude, deren Funktionen und Namen wir aber bald wieder vergaßen. Außerdem bemerkten wir schnell, dass das Internet vor Ort oft ausfällt, weswegen der Kontakt nach Deutschland für einige Zeit abreißen kann.

    Wir liefen nicht lange durch die Stadt, waren jetzt aber mit dem Wichtigsten vertraut. Als wir uns von den wenigen Kenianern verabschiedeten, taten wir das mit einer Mischung aus Vorfreude, Erleichterung und Zuversicht, auch wenn eine gewisse Skepsis blieb.

    Der internationale Frauentag in Nairobi

    Am Internationalen Frauentag haben wir die Feier zu diesem Tag, die „International Women’s Day Celebration“ im Kenyatta International Conference Center (KICC) besucht. Wie immer mussten wir zahlreiche Sicherheitskontrollen passieren, bis wir endlich im Saal des Geschehens angekommen waren. Dort traten zunächst einige Tanz- und Musikgruppen auf, die Lieder und Choreographien zum Thema „Die afrikanische Frau“ aufführten. Ein Chor junger Frauen beeindruckte uns mit seinen schönen Liedern besonders.

    Später durften wir dann den Mann persönlich erleben, der hier qua Gesetz in jedem öffentlichem Gebäude auf Bildern aushängt: Präsident Uhuru Kenyatta. Er wurde von den Zuschauern mit großem Jubel empfangen.

    Nach einem gemeinsamen Gebet folgten dann Reden einflussreicher kenianischer Frauen wie z.B. der Vorsitzenden der Organisation „Caucus for Women Leadership“, Phoebe Asiyo, und der Vorsitzenden der „Kenyan Women Parliamentary Association“, Cecily Mbarire.

    Leider konnten wir den Inhalt der Reden nicht hundertprozentig nachvollziehen, da sie immer wieder Sätze auf Swahili enthielten. Dennoch haben wir einen Eindruck von den anhaltenden Problemen der Frauen, sich gesellschaftlich durchzusetzen, erhalten. Aber auch ihre starke Motivation, diese Situation zu verändern, wurde von den begeistert rufenden Zuhörerinnen eindrucksvoll demonstriert.

    Die Rede des Präsidenten konnten wir dann leider nicht mehr anhören, da wir für den Tag weitere Termine mit unseren Projektgruppen geplant hatten, um uns auf die Gespräche mit den Organisationen, die wir in der nächsten Woche besuchen wollen, vorzubereiten.

    Der Besuch der Festlichkeiten war ein toller Einstieg in unsere Arbeit. Die Begeisterung der Frauen im Zuschauerraum hat uns zusätzlich motiviert, mehr über ihre Probleme aber auch ihre Fortschritte auf dem Weg zur gesellschaftlichen Emanzipation zu erfahren. Die Stärke der Rednerinnen hat uns einen Eindruck davon vermittelt, was die Frauen in Kenia erreichen können und mit welcher Intensität sie für ihre Rechte kämpfen. (Marilena Häring/Jan-Peter Schulz/Inga-Britt Roos)

    Jetzt lokalo liken und alle aktuellen News rund um Trier und die Region, inklusive Luxemburg, sofort sehen und KOSTENLOS lesen


    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Please enter your comment!
    Please enter your name here

    Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.