Frank Jöricke erklärt die Welt

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TRIER. Am Freitag, den 14. März, wird der romanschreibende Werbetexter Frank Jöricke sein zweites Buch „Jäger des verlorenen Zeitgeists – Frank Jöricke erklärt die Welt“ um 19.30 Uhr im Café Balduin vorstellen. Literatur-on-tour freut sich mit uns auf einen Abend, der unter dem Motto steht: „Leben Sie noch? Oder nostalgieren Sie schon?“

Ein Porträt von Anna Holkenbrink

Frank Jöricke ist stolzer Vater eines siebenjährigen Sohns und führt ansonsten, trotz des beruflichen Erfolgs der Werbeagentur und seiner Schriftstellerei, nach eigenen Angaben „ein stinknormales, langweiliges und unspektakuläres Leben“.

Durch und durch ein Wort-Mensch

Was mir während des Interviews gleich auffällt: Dieser Mann ist durch und durch ein „Wort-Mensch“. Jeder Satz ein Treffer. Für einen Journalisten natürlich der pure Genuss, denn was kann man mehr wollen, als einen tollen Inhalt, verpackt wie ein Geschenk mit einer Schleife gebunden, bei dem die Schleife für die schmückende Wortwahl steht.

Den Namen „Jäger des verlorenen Zeitgeists“ verlieh ihm ein Freund damaliger Tage wegen seiner Arbeit für das Trierer Stadtmagazin „KATZ“, das Ende 1996 eingestellt wurde. Dort berichtete er über Musik, Film, Theater und schrieb Porträts. Zeitgeist begleitet Jöricke schon lange und beeinflusst seine Denkweise über viele Dinge, was sich auch im Motto des Buches widerspiegelt, das von Armin Müller-Stahl stammt: „Wenn ich gewusst hätte, dass es das alles nicht mehr geben würde, hätte ich versucht, mich besser zu erinnern.“

Zwischen „de Duitser“ und „der Holländer“

Der 1967 in Mainz geborene Autor Frank Jöricke verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Trier, unterbrach diese Zeit jedoch zwischen seinem 10. und 15. Lebensjahr für ein Leben als „de Duitser“ in Holland. De Duitser (Anm. d. Red.: holländisch für „der Deutsche“) wurde er von seinen dortigen Fußballkameraden genannt. Zurück in Trier wurde aus „de Duitser“ schlagartig „der Holländer“, was ihm, wie er sagt, bis heute hilft, „sich gut in Deutsch-Türken hinein zu versetzen, die in der Türkei nicht als richtige Türken angesehen werden und in Deutschland nicht als richtige Deutsche.“ Dies führt dazu, Dinge nicht als selbstverständlich anzusehen und sich zu fragen: „Warum fühle ich mich hier fremd?“ Vor diesem Hintergrund lässt sich ganz speziell das Interesse an Geschichte begründen.

Sein Abitur legte er am ehemaligen Hindenburg-Gymnasium (heute: Humboldt-Gymnasium) in Trier ab. Da er, wie viele andere damals, nicht wusste, wie nun die weitere Vorgehensweise in seinem Leben auszusehen hätte, fing er das an zu studieren, was er in der Schule schon immer am besten konnte, Deutsch und Englisch. Bei der Frage, wie ihm diese Entscheidung beruflich den Weg ebnen würde, wurde ihm klar, dass ihm die große Auswahl zwischen Werbung und Journalismus blieb. Die Entscheidung fiel schnell, denn das für ihn „traumatische Ereignis“ – die Einstellung „von Tempo, der besten Zeitschrift Deutschlands“ – bedeutete die „Abwendung vom Journalismus, jedoch die Hingabe zur Werbung“. Er machte die Buchstaben nicht nur zu seinem Beruf, sondern auch zu seiner Berufung.

„Da bin ich pedantisch und fanatisch!“

Als Germanist ist Frank Jöricke selbst bei der Zeichensetzung pedantisch und fanatisch, da es genau darauf in der Werbung ankommt. Ein Komma, ein Gedankenstrich oder ein Ausrufezeichen entscheidet über den Sinn einer Aussage und somit auch über den Erfolg oder Misserfolg der Werbung. Genau diese Pedanterie macht es ihm, nach eigenen Angaben schwer, wenn man nicht mehr nur einen Werbetext, sondern einen Roman schreibt, der einen wesentlich größeren Wortumfang besitzt.

In der Werbung arbeitet Frank Jöricke seit 1998. 2004 machte er sich mit drei Kollegen selbständig und textet seitdem unter dem Dach der „Werbeagentur zweipunktnull“, die in Föhren ansässig ist. Die Frage nach seinem Lieblingskunden beantwortet Jöricke souverän diplomatisch, denn alle Kunden seien spannend, jedoch muss er zugeben, dass er sich sehr gern in den „Bierkunden Kraft Bräu“ eingelesen und „eingetrunken“ hat. Aber im Allgemeinen ist es ihm egal, ob er nun über eine Stahlverarbeitungsmaschine oder über Hildegard Knef schreibt; man muss nur das Einzigartige herausarbeiten, dann ist beides gleich schön zu vertexten.

„Geile Fotos, schockierende Filmausschnitte und Videoclips der Extraklasse“

Laut Jöricke sind Lesungen relativ unspektakulär: „Einer liest, die Anderen hören zu!“ Am Freitag werden jedoch nicht nur die „Lauscherchen“ gefordert, sondern auch die Augen bekommen Futter. Die Lesung ist als multimediales Event geplant. „Man muss sich das so vorstellen: wenn ich über Madonna berichte, will ich Madonna ja hören UND sehen.“

Das Angebot ist breit gefächert, denn wer seiner „Stimme nicht lauschen will, hat immer noch genug anderes Material, an dem er sich festhalten kann.“

Der Eintritt am Freitag ist frei. Die Platzvergabe wird nach dem Motto ablaufen: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Darum, guter Tipp: Wer zuerst kommt, hört und sieht am besten! Anna Holkenbrink

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