Vietnam – ungewöhnlich, exotisch und einfach eine Reise wert

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SAIGON. Irgendwo im luftleeren Raum, auf dem Weg zurück in die Heimat, auf dem Weg von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Frankfurt hatte ich genug Zeit mir Gedanken zu machen. Ein Jahr habe ich Vietnam bereist, in diesem Land gelebt und gearbeitet. Und immer wieder habe ich mich gefragt: Was ist das Besondere an diesem Land?

Von Franziska Garcia

Es ist schwer den langgestreckten Küstenstaat in Südostasien zu beschreiben: Hier der nostalgische Norden, dort der pulsierende Süden, kilometerlange Sandstrände, endlose Reisfelder. Vietnam ist abwechslungsreich, exotisch und widersprüchlich zugleich, schwebend zwischen Moderne und Tradition.

Demut lernen und Pho essen

Ergriffen haben mich aber nicht etwa die atemberaubenden Landschaften oder Touristenattraktionen. Es sind in erster Linie die Menschen, die dieses Land so besonders machen, die mich beeindruckt haben. Immer ein Lächeln auf den Lippen, stets höflich, zuvorkommend und freundlich. Jeder, der Vietnam einmal besucht, sollte sich ein Essen an der Straße gönnen. Inmitten von Vietnamesen auf einem roten oder blauen Plastikstuhl eine Pho für zwei Euro inklusive Getränke genießen, das Miteinander der Einheimischen erleben und fühlen. Unbezahlbar.

Das Zauberelixier heißt dabei Pho: eine dampfende Suppe mit Schwein, Reisnudeln, Koriander, Zitronengras und weiteren exotischen Gewürzen. Pho kommt immer gut an, serviert an der Straße von einer alten Dame schmeckt sie aber gleich doppelt gut. Es ist ein großartiges Gefühl, die Gastfreundlichkeit der Einheimischen zu spüren, vor allem mit dem Hintergrund, dass viele der 93 Millionen Einwohner am Existenzminimum leben.

Durchschnittlich 200 Euro verdient der Vietnamese im Monat: Armut, bettelnde Kinder und Slums sind allgegenwärtig. Zehn Personen leben in der Regel auf wenigen Quadratmetern zusammen, teilen sich einen Dusche und Toilette, schlafen auf dünnen Matratzen. Gejammert wird trotzdem nicht. Die Menschen strahlen Zufriedenheit, Ruhe sowie Gelassenheit aus, sind gastfreundlich und heißen uns willkommen. Der Vietnamese hat mich vor allem eins gelehrt: Demut.

Menschenmassen und ein Verkehr, der seinesgleichen sucht

Wer die „Sozialistische Republik Vietnam“ bereist, wird zunächst einmal erschlagen. Erschlagen von einem Hornissenschwarm aus Mopeds und Motorrollern, die quäkend, trötend und hupend alle Verkehrsregeln außer Kraft setzen. Chaotisch, gesetzlos, rücksichtslos: Der Vietnamese fährt nicht nach Regeln. Er versucht so schnell wie möglich, ohne Umwege und mit möglichst viel hupen an sein Ziel zu kommen.

Rote Ampeln? Gelten eher als Vorschlag. Blinken? Eine Unsitte. Rechtsverkehr? Herrscht de facto, allerdings wird da gefahren, wo Platz ist. Der Motoroller ist für den Vietnamesen das, was für den Deutschen das Auto ist. Familien werden transportiert, es wird telefoniert und gesimst – alles auch gerne während der Fahrt – gegessen oder eben alles zusammen gemacht.

Eine Fahrt auf dem Moto gleicht einem Abenteuer: Eben genauso wie sich Vietnam auch dem Reisenden präsentiert: in den Touristen-Hochburgen chaotisch, laut und stets auf Fortschritt bedacht. Auf dem Land eher still. Hier beeindrucken die Schönheit schier endloser Reisfelder oder die Idylle lichtübergossener Strände. Vietnam ist eine Abfolge vieler Bilder – teils irritierend, erschreckend, aber schön zugleich. (fa)

Lesen sie im zweiten Teil der Serie dazu: Saigon und der Süden auf der Überholspur

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