„Ich freue mich auf eine spannende Zukunft!“

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Bildquelle: Gerhard W. Kluth

ECHTERNACH. Insgesamt fünf Mal lädt das Echternacher Trifolion zu Vortrags- und Diskussionsabenden ein, die sich unter der Überschrift „Horizonte 2014“ mit der Zukunft befassen. Tendenzen und Entwicklungen von morgen werden aus wissenschaftlicher, ethischer und politischer Sicht beleuchtet. Eröffnet wurde die Vortragsreihe vor ausverkauftem Haus von Ranga Yogeshwar.

Von Gerhard W. Kluth

Viele Besucher dieses ersten Abends waren sich am Ende einig: viel Neues hat er uns nicht erzählt. Vieles wussten wir schon. Aber wie er es erklärt hat, welche Zusammenhänge er aufgezeigt hat, das war spannend und interessant. Manches haben wir so noch gar nicht gesehen. Bei etlichem, was der Luxemburger Yogeshwar über das Tempo erzählte, mit dem sich die Welt weiter entwickelt, konnte einem schon angst und bange werden. Etwa wenn Yogeshwar darauf hinwies, dass es, gemessen an der Menschheitsgeschichte, noch gar nicht so lange her ist, dass an deutschen Telefonzellen der Spruch „Fasse Dich kurz“ angebracht war. Das Telefon war ihm ein Indikator für die Geschwindigkeit, mit der wir uns in die Zukunft bewegen. „Früher“, so Yogeshwar, „stand das Telefon im Flur, später dann im Wohnzimmer. Heute ist es fast ein Körperteil von uns geworden und wenn jemandem das Handy gestohlen wird, dann ist es fast so, als werde ein Stück Persönlichkeit entwendet.“ Das, was für den 54-Jährigen noch sehr präsente Erinnerung ist, stellt für Kinder und Jugendliche heute schon entfernte Geschichte dar. So habe er ein Kind beobachtet, das vor einem Telefon mit Wählscheibe saß und nichts damit anfangen konnte. Es hat ständig auf die Zahlen gedrückt und ist gar nicht auf die Idee gekommen, dass man die Scheibe drehen könnte.

Ist alles erlaubt?

Wer ist dieser Mensch mit indischen (Vater) und luxemburgischen (Mutter) Wurzeln, dessen Ehrungen und Auszeichnungen deutlich mehr als eine DIN- A-4-Seite füllen, wie Ralf Britten, Intendant des Trifolions in seiner Einführung sagte. Eines ist er auf jeden Fall nicht. Er ist keiner, der für alles eine Lösung parat hält. Wer mit dieser Hoffnung nach Echternach gekommen war, wurde enttäuscht. Aber Yogeshwar zeigt Zusammenhänge auf und stellt Fragen. Fragen, die sich seine Zuhörer dann selbst beantworten müssen und so zu einer eigenen Meinung kommen. Und er geht dabei auch den unangenehmen Fragen nicht aus dem Weg. Ist alles erlaubt, was der Mensch kann? Ist alles, zu dem die Wissenschaft heute in der Lage ist, auch wirklich ein Segen für die Menschheit? Etliche Male stellte er die Frage: „Wollen wir das?“ Und nicht nur einmal war von ihm zu hören: wir haben es selber in der Hand. Es liege an jedem von uns, wie viele Daten wir preisgeben. Er stellte die Frage in den Raum, ob unsere Handys wirklich ständig eingeschaltet sein müssen, wodurch es ein leichtes ist, ein Bewegungsprofil zu erstellen.

Völliges Unverständnis zeigte er für das Verhalten der Politik und der Menschen im Zusammenhang mit der NSA-Affäre. Er könne nicht begreifen, dass der Aufschrei der Empörung nicht viel größer und lauter ist. Gleichzeitig aber weist er darauf hin, dass manche Aktionen der Politik Augenwischerei sind, die zu nichts führen werden. Das „No-Spy Abkommen“, das mit den Vereinigten Staaten geschlossen werden soll, sei so eine Angelegenheit. Er habe einmal den Weg einer Mail verfolgt, die er von Hennef nach Olpe geschickt hat und musste feststellen, dass diese Mail über die USA geschickt wurde. Da sei es ein leichtes für die Amerikaner, zu versprechen, dass sie in Deutschland keine Mails ausspionieren und sich in Europa an dort geltendes Recht halten würden. In dem Moment, wo eine Mail einen amerikanischen Server durchläuft, gelte amerikanisches Recht, das die Privatsphäre von Nichtamerikanern nicht schütze.

Zwei Seiten einer Medaille

Und auch die Ethik ließ der Wissenschaftsjournalist nicht aus. Natürlich sei es eine große Errungenschaft, wenn es heute möglich ist, auf Grund von bestimmten genetischen Konstellationen festzustellen, ob bei einer Frau ein erhöhtes Risiko dafür bestehe, an Brustkrebs zu erkranken. Die Frage aber sei, ob es, wie im Fall der Schauspielerin Angelina Jolie, gerechtfertigt ist, die Brüste zu amputieren, obwohl eine Erkrankung noch gar nicht vor liegt. Yogeshwar hält eine solche Vorgehensweise mit dem Hippokratischen Eid nicht vereinbar. Immer wieder zeigt Yogeshwar die zwei Seiten der „Medaille Fortschritt und Zukunft“ auf. Verweist immer wieder auf Segen und Fluch und kommt dabei auch immer wieder zu der Feststellung: wir haben es bei vielen Dingen selber in der Hand, was wir daraus machen.

Ein klares Bekenntnis legte er zur Frauenquote ab. Das Problem des Fachkräftemangels könnte deutlich reduziert werden, wenn man den Frauen endlich den Platz einräumen würde, den sie durch ihre Fähigkeiten schon längst ausfüllen können. Yogeshwar hält die derzeit noch herrschenden Zustände auch mit Blick auf die Zukunft für sträflich. Auch andere Themen, wie die Gefahr, dass es zu einem weltweiten Konflikt um Ressourcen kommen könnte, wenn die Menschheit beim Verbrauch der Rohstoffe nicht umdenke („Fast alle heutigen Kriege sind Kriege um Ressourcen“) streifte der Astrophysiker in seinem frei gehaltenen Vortrag. Aber er blickte auch hoffnungsfroh in die Zukunft. Das Verhalten der jungen Menschen von heute beginne sich zu wandeln. Car-Sharing sei ein schöner Indikator dafür. Die Zahl derer, die auf ein eigenes Auto verzichten, nehme immer mehr zu. Die Devise laute: „nicht besitzen sondern nutzen“. Und so konnte er seinen Vortrag mit der Aussage „ich freue mich auf eine spannende Zukunft“ beenden. Ein Abend, der bei manchem Fragen offen ließ. Aber das war sicherlich auch so gewollt.

● Der nächste Horizonte-Abend im Echternacher Trifolion ist am Montag, den 10. März um 20 Uhr. Dann spricht der Abtprimas der Benediktiner, Notker Wolf, zum Thema „Nachhaltig leben für eine gute Zukunft“. Nähere Infos gibt es unter www.trifolion.lu

 

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