Rund 4200 Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer fordern Revision der neuen Lehrerbildung

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TRIER. Rund 4200 Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer an den Gymnasien, Gesamtschulen, Kollegs und Studienseminaren für das Lehramt an Gymnasien in Rheinland-Pfalz fordern mit ihrer Unterschrift Korrekturen an der neuen Lehrerbildung in Rheinland-Pfalz.

Die Unterschriften wurden am Donnerstag im Bildungsministerium an Staatssekretär Hans Beckmann übergeben.

Die Kolleginnen und Kollegen aus allen Regionen des Landes warnen mit ihrer Unterschrift vor den negativen Folgen der neuen Lehrerausbildung, die sich zunehmend jetzt auch in den Schulen auswirken.

Die Gymnasiallehrkräfte und der Philologenverband fordern:

Keine Verkürzung der Referendarzeit für Gymnasiallehrkräfte um 25 Prozent!Mindestens drei Monate Zeit nur zum Hospitieren und Hineinwachsen in die neue Lehrerrolle für die Referendarinnen und Referendare vor ihrem eigenverantwortlichen Unterrichten!Mehr Kontinuität und Planungssicherheit für die Schulen durch eine stets gleichmäßige Anzahl von Stunden an eigenverantwortlichem Unterricht nach der Einführungsphase!

Die Referendarzeit für Gymnasiallehrkräfte, in der die jungen Lehrerinnen und Lehrer ihre praktische Ausbildung für ihre tägliche Arbeit in den Schulen erhalten sollen, wurde im Zuge der Neustrukturierung der Lehrerbildung um 25 Prozent von 24 auf 18 Monate gekürzt. Begründet wird diese Kürzung unter anderem damit, dass die neuen Lehrkräfte im Verlaufe ihrer Ausbildung an der Universität schon mehrere Praktika in den Schulen absolviert und damit einen Teil der Praxis erlernt hätten. „In Wirklichkeit haben aber diese Lehramtsstudierenden aufgrund der realen Struktur der Praktika maximal acht Unterrichtsstunden unter Anleitung vor einer Klasse gestanden. Dies kann niemals ein Ersatz für ein halbes Jahr intensive Ausbildung im Studienseminar unter Anleitung von erfahrenen Fachleiterinnen und Fachleitern sein“, so Malte Blümke, Vorsitzender des Philologenverbandes.

Zudem sind die neuen Referendarinnen und Referendare jetzt verpflichtet, von Anfang an 4 Stunden in der Woche eigenverantwortlichen Unterricht zu erteilen, nach einem halben Jahr dann sogar 10 Stunden. Sie tragen so zu Stelleneinsparungen an den Schulen im Umfang von insgesamt 238 Planstellen bei. „Fatal dabei ist“, so Blümke, „dass die jungen Lehrkräfte auf diese Weise nicht nur ihren fertig ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen einen Teil der Stellen wegnehmen, sondern selbst auch immer weniger Zeit haben, um durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen in deren Unterricht in den immerhin neun Klassenstufen am Gymnasium Anleitung und Ratschläge zu bekommen.“

Auch die Schulen sind mit neuen Problemen konfrontiert. „Das neue System führt zwangsweise zu einem wesentlich häufigeren Lehrerwechsel in den Klassen und Kursen“, so Blümke und erklärt. „Dies bringt nicht nur größere Unruhe in die Schulen, sondern kann gerade für Unter- und Mittelstufenklassen geradezu destabilisierend wirken, wenn feste Bezugspersonen, die ein wesentlicher Faktor für erfolgreiches Lernen gerade der schwächeren Schülerinnen und Schüler sind, wegen der neuen Form der Lehrerbildung häufig wechseln“.

„Auch das Vorziehen des Einstellungstermins im Winter um zwei Wochen, in denen die neuen Referendare in Schnellkursen auf ihre bevorstehende Unterrichtstätigkeit vorbereitet werden sollen, bringt wenig, denn die zwei Wochen werden am Ende der Ausbildungszeit wieder abgezogen. Außerdem ist die Zeit viel zu kurz, um die jungen Lehrkräfte auf ihre komplexe eigenverantwortliche Lehrertätigkeit in den verschiedenen Klassenstufen des Gymnasiums vorzubereiten“, so Blümke. (red)

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