Investor informiert Stadtrat über Sachstand von Projekt St. Paul

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WITTLICH. Ausführlich wurde in der Februarsitzung des Stadtrates öffentlich von Planern und der Grundstücksentwicklungsgesellschaft die aktuelle bauliche Entwicklung im Bereich St. Paul vorgestellt.

Enttäuschung klang in der Aussprache an, dass beispielsweise im ehemaligen Klosterhauptgebäude kein Hotel entstehen wird. Ein ursprünglicher Biergarten mit Brauhaus im alten Missionsgebäude soll mit Rücksicht auf neue Nutzungen nur mit Abstrichen umgesetzt werden. Und die einst als überregionales Alleinstellungsmerkmal ins Gespräch gebrachte TCM-Klinik auf dem Gelände mit traditioneller chinesischer Medizin und 200 Betten wird in dieser Form ebenfalls nicht gebaut.

Einleitend hatte Dipl.Ing. (FH) Udo Reihsner vom Ingenieurbüro Max & Reihsner aus Neuerburg den aktuellen Planungsstand und Baufortschritt für den Bereich St. Paul vorgestellt. Der erste Bauabschnitt umfasst danach zehn Hektar Fläche, der zweite Bauabschnitt weitere 16. Die Fertigstellung der Infrastruktur wie Straßen und Kanäle  ist für den 28. März vorgesehen und damit vier Monate früher als anvisiert. Los 2 soll zum 31. Dezember 2014 abgeschlossen sein. Für den ersten Bauabschnitt wurden 2,95 Mio. Euro investiert. Von angesetzten 4,8 Mio. Euro für Abschnitt 2 wurden bereits 2,75 Mio. Euro ausgegeben.

Eine Energiezentrale mit einer Nennleistung von 510 Kilowatt ist so ausgelegt, dass sie auch die Objekte des zweiten Bauabschnitts mit versorgen kann.  Zu den Erschließungsarbeiten gehören zum Beispiel der Bau von 2400 m Schmutzwasserleitungen, 1700 m Regenwasserleitungen, 2100 m Wasserleitung, 1300 m Fernwärme, 10.000 m Energie-, Beleuchtungs- und Telekommunikationskabel, 2850 Kubikmeter Rückhaltevolumen zur Niederschlagswasser-Bewirtschaftung und 29.000 Kubikmeter bewegte Erdmassen.

Einzelprojekte umfassen: Missionshaus, Seniorenzentrum, Autobahnkirche, Klosterladen, Brauhaus, Mutter-und Kindhaus, Pfadfinderheim, Kinder- und Tagesstätte, Tierarzt, die Alten- und Pflegeschule sowie als 2. Bauabschnitt das „Mehrgenerationenwohnen“.

Dazu nahm Torsten Manikowski als Geschäftsführer der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Stellung. Nach seinen Worten war und ist das Pflegeheim ein sehr großer Erfolg. Man habe mit drei Gebäuden in Würfelform und 90 Pflegeplätzen begonnen (derzeit 80 Mitarbeiter). Nun folge der 4. Würfel mit weiteren 39 Zimmern. Ende 2014 rechnet Manikowski mit 105 Mitarbeitern.

Für das Mehrgenerationenwohnen habe der Bauausschuss die entsprechenden baurechtlichen Voraussetzungen getroffen. Dieses Mehrgenerationenwohnen unterstützt insbesondere der Bürgerverein St. Paul. Besonderes Augenmerk richtet der Verein auf die Schaffung von bezahlbaren Mietwohnungen für Menschen, die nicht die finanziellen Mittel oder den Wunsch haben, dort Wohneigentum zu erwerben.

Die Idee eines Hotels im Klosterhauptgebäude ist laut Manikowski bei so wenigen Zimmern nicht realisierbar. Stattdessen plane man dort mit einem bundesweit mit betreutem Wohnen aktiven und erfahrenen Investor.  Die ursprüngliche gastronomische Nutzung mit Brauhaus und Biergarten solle „abgespeckt  werden“, weil es der Interessent für das Hauptgebäude als nicht sinnvoll ansieht, in unmittelbarer Nähe eines Seniorenheims und von betreutem Wohnen einen Biergarten zu betreiben.

In der ausführlichen Debatte regte Ratsmitglied und Ortsvorsteher Theodor Brock zum Beispiel an, Gespräche mit  dem RMV zu führen, um St. Paul für Mitarbeiter und Bewohner an den öffentlichen Personennahverkehr anzubinden. Mehrere Räte bedauerten, dass das Zusammenleben von mehreren Generationen nicht mehr in der ursprünglich erhofften Form stattfinden könnte. Normaler Wohnungsbau hätte dann auch stadt- und zentrumsnah umgesetzt werden können. Joachim Gerke und Elfriede Meurer sahen keinen Widerspruch darin, einen attraktiven Biergarten in der Nähe von betreutem Wohnen und einem Seniorenheim zu haben und damit eine Begegnung von Jung und Alt zu ermöglichen. Für sie wäre ein abgeschiedenes, vom Leben isoliertes Wohnen im Alter nicht attraktiv. Umgekehrt beklage man Dörfer ohne Kneipe, weil kein Leben mehr im Dorf sei.

Sehr deutlich verbat sich Elfriede Meurer zudem die Darstellung der Investoren, es läge an Stadtverwaltung, dem Landkreis und dem Wittlicher Stadtrat, dass das Projekt St. Paul ins Stocken geraten sei. „Wir haben alles mitgetragen… Auch wir wollen, dass es gelingt!“  Michael Wagner erinnerte daran, dass es zwischenzeitlich im Stadtrat für das Projekt fraglich gewesen sei, eine Mehrheit zu bekommen. Der Stadtrat habe städtebauliche Aspekte abzuwägen und nicht die von Investoren. Karl Heinz Grünfelder weiß von einem Unternehmen in Hanoi, dass für traditionelle chinesische Medizin einen Standort in Westeuropa sucht. Gerne stelle er Kontakte her.

Für den Bürgermeister ist es nun am Investor, laut gewordene Kritik und Sorgen aufzugreifen und zu einem positiven Ende zu führen, damit sich die Sorgen positiv auflösen. Er bat darum, regelmäßig im Rat den Fortschritt zu berichten und dort Rede und Antwort zu stehen. (red)

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