Uns‘ Muuuselmetropol‘

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TRIER. Egal wen man fragt – die eigene Stadt kennt fast jeder am wenigsten. Das ist bei den Trierern nicht anders. In einer losen Reihe unserer Mitarbeiterin Anna Holkenbrink will lokalo Abhilfe schaffen und den Trierern, aber auch allen anderen unsere schöne Stadt näher bringen.

Wer waren die Treverer, die unserer Stadt den Namen gaben? War der Rindertanzplatz Schauplatz für tanzende Rinder, und was ist eigentlich ganz genau „dat Säule Lissi“*, von der immer alle sprechen? Warum war die Igeler Säule so bunt, und warum betonen die Trierer, wenn sie vom Palastgarten sprechen, immer die erste Silbe? Hier muss beachtet werden, dass es die eine Schreib- und auch Ausdrucksweise des Trierischen nur bei wenigen Wörtern gibt. Wo haben wir in Trier denn eine „Alte Brücke“ und eine „Neue Brücke“? Was hat der Pranger mit der Steipe zu tun, und was ist überhaupt die Steipe? Man könnte meinen, es handle sich gerade um eine Vater-Tochter-Fragestunde, und der elterliche Teil muss nun um Antworten ringen. „Oh Majusebetter! Dausendmilliunen Fragen! Maach e maol mellich Mädschi!“* Halten wir uns nicht speziell an jeder Frage auf – soll der Papa einfach mal erzählen. Erster Stopp: das Maarviertel in Trier.

 

Ein bisschen Retro im Maarviertel

Vermutet wird, dass der Name „Maarviertel“ wahrscheinlich von den ehemals dort gelegenen Fischteichen stammt, die im Besitz des damaligen Erzbischofs waren. Auch wenn diese heute nicht mehr zu finden sind, hat dieses zu Trier-Nord gehörende Viertel durch die ehemaligen Handwerks- und Tagelöhnerhäuser und die kleinen Besonderheiten nichts an Charme verloren.

Häuserfassaden bespickt mit Motiven aus Barock und Neorenaissance, kleine Gässchen aus Kopfsteinpflaster, die einen, zumindest für einen kurzen Moment, denken lassen: „He, Moment mal – wo bin ich hier?“ Im Stadtkern und trotzdem ein ruhiger und familiärer Ort, ein richtiger Kiez, in dem man neben einer Traditionsbäckerei sogar noch einen Tante-Emma Laden finden kann. Einen Tante-Emma Laden?

Cool können die in Berlin machen

Dies kommt einem vielleicht noch aus Erzählungen von Oma und Opa bekannt vor, ist jedoch ansonsten eher weniger verbreitet. Doch genau hier gibt es einen solchen noch. Ein bisschen Retro oder Vintage – egal wie man es nennen mag, er verleiht dem Viertel das gewisse Etwas und ist genau das, was das Maarviertel ausmacht.

„Uns Rita“ wird seit 2004 von Rita Drumm betrieben. Auf kurzer Stippvisite in der Maarstraße erwartet mich genau die Gastfreundlichkeit, die der Tante-Emma-Laden ausstrahlt. Ich werde gleich zu einem gemeinsamen Essen mit der Familie eingeladen. Es gibt Spaghetti à la Schwester. Zusätzlich verleiht das dazugehörige Stehcafé dem Tante-Emma Laden Gemütlichkeit und die familiäre Atmosphäre, die die Kunden zum netten Pläusch’chen einlädt. Hier gibt es neben alltäglich zu gebrauchenden Lebensmitteln auch hochwertige italienische Produkte. Jeden Donnerstag brummt der Laden, denn donnerstags ist Waffeltag.

Verglichen mit Berlin, der Stadt, die als Inbegriff für Vintage und Retro gilt, würde sich genau dieser Laden wohl im sogenannten „Prenzelberg“, Kreuzberg oder Friedrichshain befinden und wäre angesagter Treffpunkt von Hipster & Co. Besonders und ein bisschen Retro ist es hier schon, aber zum Glück nicht sooo Retro wie in der Hauptstadt. Cool ist Berlin – Trier ist gelassen.

„Guten Tag was darf’s sein“?

Einen Steinwurf entfernt bekommt man in der Traditionsbäckerei Olbertz Frisches zu fairen Preisen. Tradition – nicht unbedingt ein Begriff, der im ersten Moment für Aufregendes steht, jedoch ist es gerade in der schnelllebigen Zeit genau das, nachdem sich viele sehnen. Hier ist neben dem Bekannten: „Guten Tag, was darf’s sein? Darf es sonst noch etwas sein? Danke, Tschüss!“ auch noch Zeit für Privates. Das Besondere, die natürlich hausgemachte Brioche, gibt es nur am Wochenende.

Viel Viez, viel „Leit“, viel Herz

Neben Backwaren spielt die Trierer Delikatesse „Flieten“* eine große Rolle. Die Frage, wo man die besten bekommt, würden wohl viele so beantworten: „Beim Rosi, aom Ecken.“* Rosemarie Sahler ist die resolut herzliche Wirtin, die als Trier-Insitution gesehen wird. Würde man „Rosi“ als Bindeglied der Bildungsschichten bezeichnen, würde das wahrscheinlich unheimlich pathetisch klingen, aber stimmen würde es trotzdem, denn „Aom Ecken“ unterhält sich altersübergreifend der junge Erstsemester aus dem Norden mit dem Eintracht Fan genauso wie der Anwalt mit dem Dachdecker.

Kleine Besonderheiten, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zu sehen sind, es sich jedoch lohnt, einen zweiten darauf zu werfen und einen Besuch wert sind. Das Maarviertel ist womöglich Triers größte kleine Charmeoffensive. Anna Holkenbrink

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