Saarländerin schreibt Moselkrimi

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TRIER. Andrea Kockler, 1979 im Saarland geboren, veröffentlichte in der letzten Februarwoche mit „Tod im Tulpenfeld“ ihren ersten Kriminalroman im Emons-Verlag. Spritzige Dialoge, skurrile Gestalten und mysteriöse Todesfälle prägen diesen Krimi mit Lokalkolorit. Die Autorin sprach mit lokalo über die Entstehung ihres Romans und die Eigenarten ihrer Figuren, welche einen spektakulären Mord an einem Professor der Trierer Universität aufzuklären haben.

Als es Andrea Kockler im Jahre 1998 aus dem Saarland nach Trier verschlägt, studiert sie selbst auf dem Petrisberg an der Trierer Universität – ein Ort, der heute noch einer ihrer liebsten ist. Diese Verbundenheit ist es auch, der sie 2004 zu ihrem Debutroman inspirierte, als die Bauarbeiten für die Landesgartenschau begannen. Eine Freundin wohnte damals in einem der alten Studentenwohnheime. Die Initialzündung erfolgte bei einem Besuch dieser Freundin und lieferte ein paar Ideen zu einer Geschichte, die Andrea Kockler noch länger verfolgte…

Liebe Andrea, herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung deines Debutromans. Wir durften vorab schon einmal reinlesen und fragten uns, wieso der Mord ausgerechnet auf dem Petrisberg passiert?

Andrea Kockler: Als ich nach Trier zog, verbrachte ich viel Zeit auf dem Gelände rund um den Petrisberg. Noch heute ist er einer meiner Lieblingsorte hier in Trier. Als dann die Umbaumaßnahmen für die Landesgartenschau begannen, waren die Bagger, die sich im morgendlichen Nebel vor mir auftürmten und mit ihren Stahlarmen krakelten, eine starke Inspiration für mich. Außerdem lebte eine gute Freundin in den alten Wohnheimen dort und wir begannen eines Nachmittags mit dem Erfinden eines Mordfalles, der mich seitdem gedanklich nicht mehr losgelassen hat.

In „Tod im Tulpenfeld“ geraten die Kommissare Leidinger und Tilly in einen brisanten Fall und das in Tilly’s erster Woche in Trier. Tilly hat zu Beginn ein paar Schwierigkeiten mit den Trierer „Eigenarten“. Ist das Moselvölkchen für Außenstehende wirklich gewöhnungsbedürftig oder siehst die regionalen Eigenarten eher Humor?

Kockler: Ja stimmt, Tilly kommt aus der Oberpfalz nach Trier und denkt eigentlich, dass er sich im fröhlichen Rheinland niederlässt. Er ist ein ziemlich „alternativer“ Charakter, so eine Art bayrischer Hippie, er muss sich also erst einmal in das ruhigere Trier eingewöhnen. Die Trierer Art ist für einen Außenstehenden manchmal ein wenig bedächtig, langsam, vielleicht zu Beginn auch reserviert. Wenn aber erst einmal der Zugang gefunden ist, gewinnt man hier echte Freunde.

Im Gegensatz zu Tilly ist Leidinger eher sicherheitsliebend und spießig. Bringt Tilly ein wenig Schwung in das Leben von Leidinger und erkennst du dich selbst in den Charakteren wieder?

Kockler: Die Figuren haben über die lange Zeit, in der ich mich mit ihnen beschäftigt habe, ein Eigenleben entwickelt. Das ist aber bei der Entstehung eines Romans normal. In den beiden Charakteren konnte ich meinen inneren Spießer und meinen inneren Punk verwirklichen.

Wie darf man das verstehen?

Kockler: Ich teile den Wunsch nach Struktur und Ordnung mit Leidinger und eine gewisse Ungeduld mit Tilly. Bei Spaziergängen im Wald, nahe der kleinen Ortschaft bei Trier, in der ich lange lebte, ließ ich meine inneren Geister aufeinanderprallen. Wenn ich alleine bin, spreche ich gerne die Dialoge, die die Figuren miteinander geführt hätten. So entstehen die realistischsten Dialoge.

In den ersten Kapiteln spürt man eine gewisse Hektik und Schnelllebigkeit im Leben der Charaktere. Kritisierst du das? Und wie schaltest du am liebsten ab?

Kockler: Die meisten geschilderten Eindrücke entsprechen Empfindungen, die ich im Alltag wahrnehme und anschließend in Notizbüchern festhalte. Das mache ich schon seit vielen Jahren so. Gesellschaftskritik wäre in dem Zusammenhang eher unbeabsichtigt. Damals, als ich nach Trier zog, begannen gerade die Baumaßnahmen zur Landesgartenschau. Von einem auf den anderen Tag wurde eine Matschlandschaft zu einer grünen Wiese. Solche Eindrücke, oder der mit den Baggern im Nebel, landen dann in meinem Notizbuch. Ich besitze zu Hause keinen Fernseher und kein Internet, dafür aber ein Aquarium wie Kommissar Leidinger.

Wie hat Trier dich verändert?

Kockler: Ich habe zuvor auf dem Dorf gelebt und dort mein Hochdeutsch verloren. Der Dialekt öffnet mir hier Türen und Herzen und ich fühle mich als Wahltriererin sehr wohl.

Vor 10 Jahren hat die Arbeit an deinem Roman begonnen, nun ist er fertig. Wie denkst du an die Anfänge zurück?

Kockler: Es war eine leicht stressige Zeit. Eine Freundin hatte mich überredet, an einem regionalen Krimiwettbewerb teilzunehmen, bei dem ich auch unter die vier besten kam. Ich habe den Wettbewerb zwar nicht gewonnen, die Lektorin des Verlages rief mich allerdings trotzdem an, und bat mich, den Roman fertig zu schreiben. Sie fand ihn sehr vielversprechend. Zur selben Zeit steckte ich mitten in meiner Magisterarbeit und schrieb Tag und Nacht an beiden Dokumenten, bin aber überzeugt, dass es dem Inhalt nicht geschadet hat. Die einzige Herausforderung war mein eher knapper Schreibstil mit dem ich die geforderten 250 Seiten füllen musste.

Dürfen wir uns auf eine Fortsetzung mit den Kommissaren Leidinger und Tilly freuen?

Kockler: Ja, ich arbeite schon an einem zweiten Roman. Es fiel mir zu schwer, mich nach so langer Zeit von den Figuren zu trennen. Tilly hat sich mittlerweile eingelebt und auch eine neue Bleibe gefunden. Der Trierer Wohnungsmarkt hat ihm da ein wenig zugesetzt. Wer kennt das nicht? Er stand vor der Entscheidung, ob er in ein Dorf ziehen soll – dabei mag er überhaupt keine Dörfer – oder in die Stadt. Ich glaube er hat da etwas Passendes gefunden.

Andrea, lokalo bedankt sich bei für das Gespräch und wünscht viel Erfolg

Das Interview führte Marilena Häring

Am 29. März um 20 Uhr liest die Autorin im Rahmen eines Krimi-Dinners in Trier

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